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Forscher fanden höchstwahrscheinlich Templerorden-Großmeister-Grab

31.07.2020

Um den Templerorden ranken sich nicht nur Mythen, sondern auch ein anhaltender kirchenrechtlicher Disput. Dementsprechend gerne wird der Stoff auch popkulturell aufgegriffen. Salzburger Forscher und Kollegen haben nun einen wichtigen Schritt zur Identifikation des Grabes des Ende des 12. Jahrhunderts verstorbenen Templer-Großmeisters Arnau de Torroja gemacht. Es dürfte sich in Verona befinden.

Den bisherigen Ablauf des Projekts bezeichnete der auf alte DNA spezialisierte Bioarchäologe Jan Cemper-Kiesslich vom Fachbereich Gerichtsmedizin und Forensische Neuropsychiatrie der Universität Salzburg im Gespräch mit der APA als "mein persönliches Dan Brown-Erlebnis". Der US-Autor feierte nicht umsonst mit seinen Thrillern rund um das Vermächtnis der legendenbehafteten Tempelritter große Erfolge.

Wissenschaft trifft auf Abenteuer

Im Gegensatz zu den Brownschen Kopfgeburten ist der Stoff in dem Forschungsprojekt der Partner aus Italien, Österreich und der Schweiz viel wissenschaftlicher und trotzdem abenteuerlich: So stieß der Magister der Katholischen Templer Italiens (Templari Cattolici d'Italia), Mauro Ferretti, bei der Renovierung der Kirche von San Fermo in Verona auf einen Steinsarkophag, der mit Zeichen versehen war, die stark auf einen dort begrabenen "sehr wichtigen Tempelritter" schließen ließen, sagte Cemper-Kiesslich.

Über den Rechtshistoriker Daniele Mattiangeli von der Uni Salzburg stieß das Team um den forensischen Molekularbiologen im Herbst 2019 zur Analyse des Fundes dazu. Die Wissenschafter nahmen dort eine erste Sichtung vor und entnahmen Proben am Skelett. "Unsere Fragestellung ist, ob die Gebeine in dem Sarkophag diejenigen des Arnau de Torroja sind", so Cemper-Kiesslich.

Bei ihren Analysen gingen die Wissenschafter zunächst genau so vor, wie dies bei einem völlig unbekannten Skelettfund der Fall wäre. So wurden Körpergröße, Geschlecht und Händigkeit des Verstorbenen festgestellt und Rückschlüsse auf vorhandene Krankheiten oder Verletzungen gezogen. Mittels Radiokarbondatierung schätzten die Forscher außerdem die Zeit, die seit dem Tod vergangen ist.

Im so eingegrenzten Zeitfenster zwischen 1166 und 1259 liegt auch das überlieferte Sterbejahr des einstigen Großmeisters (1184). Der in Verona gefundene Verstorbene war überdies Rechtshänder und zum Todeszeitpunkt zwischen 50 und 70 Jahre alt. All das passe sehr gut zu allem, was man heute über die historische Figur des einflussreichen Templers weiß.

Erbgutanalysen sollen Identitätsfrage klären

Um diese Hinweise abzusichern, bedarf es jedoch weiterer Erbgutanalysen von Verwandten des fraglichen Mannes. Man weiß, dass mögliche Mitglieder der Familie Torroja in einigen katalanischen Städten und in ehemaligen Templerburgen bestattet wurden. Würde man hier DNA-Parallelen finden, "könnten wir eine Zusammenschau sämtlicher Befunde aufstellen und anhand der Daten die Hypothese beantworten", erklärte Cemper-Kiesslich, der die Vorgehensweise gewissermaßen als "mittelalterlichen Vaterschaftstest" bezeichnete. Aufgrund der Corona-Pandemie konnten die notwendigen Untersuchungen der Überreste der Verwandten allerdings noch nicht durchgeführt werden.

Abseits davon gibt es um die Frage, ob der Orden letztendlich 1312 aufgelöst oder nur "vorübergehend suspendiert" wurde, einen anhaltenden Zwist, so Mattiangeli in einer Aussendung der Uni Salzburg. Könne man nun festmachen, wo die Überreste des Großmeisters Arnau de Torroja liegen, wäre das ein "wichtiger Anhaltspunkt" für die nachträgliche Legitimation zeitgenössischer Templerorden, sagte Cemper-Kiesslich.

Anfang des 14. Jahrhunderts waren es vermutlich die Macht, der Einfluss und der Reichtum des ursprünglichen Ordens, die dem französischen König Philipp IV. und Papst Clemens V. ein Dorn im Auge war. Die als gewissermaßen militärische Eliteeinheit fungierenden Tempelritter waren daraufhin in einen aufsehenerregenden, langwierigen Prozess verwickelt. "Wir haben uns die originale Version des Pergaments von Chinon aus dem Jahr 1308 angesehen, in dem es um die Anklage gegen die Templer geht. Sie wurden von der Inquisition der Blasphemie und des Satanismus beschuldigt", so Mattiangeli.

Doch die neuen Ergebnisse der Rechtswissenschafter "lassen uns daran zweifeln, dass der Orden tatsächlich für immer aufgehoben worden ist", so Mattiangeli. Demnach wurde in der nun wiederentdeckten päpstlichen Bulle "dignum esse conspicimus" festgehalten, dass diese eigentlich nicht bestraft oder exkommunizieren werden durften. "Dieses Verbot würde aus juristischer Sicht die Nichtigkeit der Entscheidung über die Aufhebung des Templerordens durch Clemens dem V. zur Folge haben und ein ganz neues Licht auf das - nur vorläufige - Ende der Templer werfen", so der Rechtshistoriker.

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