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Auch Kandidaten für das "Unwort des Jahres" finden sich rund um das Virus © APA (dpa)
Auch Kandidaten für das "Unwort des Jahres" finden sich rund um das Virus © APA (dpa)

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Coronavirus-Pandemie dominiert Wahl zum "Wort des Jahres 2020"

29.10.2020

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 39/2020 und nicht zwingend tagesaktuell

Babyelefant, Absonderungsbescheid, G'sund bleiben - die Coronavirus-Pandemie dominiert in diesem Jahr auch die Wahl zum "Wort des Jahres 2020". So gut wie alle Kandidaten zum Wort, Unwort, Spruch und Unspruch des Jahres haben Bezug zu SARS-CoV-2. Einzig beim Jugendwort stehen ausschließlich Nicht-Corona-Wörter zur Wahl. Abgestimmt werden kann bis 1. Dezember online auf www.oewort.at, am 3. Dezember wird dann das Ergebnis präsentiert.

Die Forschungsstelle Österreichisches Deutsch der Uni Graz hat in Kooperation mit der APA - Austria Presse Agentur wieder eine Liste mit Kandidaten zusammengestellt. Insgesamt 1.935 Personen gaben für mindestens eine Kategorie einen Vorschlag ab. Somit hatte die Jury heuer die Wahl zwischen 1.720 Kandidatenwörtern und -sprüchen.

Anwärter für das "Wort des Jahres" sind neben dem bereits erwähnten erst eingeführten, später abgeschafften und nun wieder gültigen "Babyelefanten" - das Abstandmaß um Ansteckungen zu vermeiden - etwa auch das simple "Corona", wie auch "Ampelkommission", "Kurzarbeit", "Maskenpflicht" oder die "Reisewarnung". Eingang in die Auswahl fand auch die "Reproduktionszahl", also wie viele Menschen ein SARS-CoV-2-Infizierter ansteckt.

Ein Kandidat für das "Wort des Jahres" hat keinen Bezug zu Covid-19: "verblümeln". Das geht auf Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) zurück und wird als Synonym für "beschönigen", "herunterspielen" oder auch "für dumm verkaufen" verwendet. Blümel hatte beispielsweise im Ibiza-Untersuchungsausschuss behauptet, für seine Arbeit als Minister nie einen Laptop benutzt zu haben - zahlreiche Fotos beweisen jedoch das Gegenteil.

"Unwort des Jahres" ebenfalls mit Corona-Bezug

Auch die Kandidaten für das "Unwort des Jahres" finden sich rund um das Coronavirus: Dazu gehören etwa "Absonderungsbescheid", "Coronaparty", "Fensterklatscher", die sogenannte "Covid-Lockerungsverordung", die auch zahlreiche Verschärfungen mit sich brachte, bis sie im September aufgrund der strengeren Regelungen auf "COVID-19-Maßnahmenverordnung" unbenannt wurde. Auch "Maskenwahn", "Superspreader" oder "Herdenimmunität" können als Unwort gewählt werden. Mit "Abschiebepatenschaft" steht auch hier ein Begriff ohne Bezug zu Corona zur Wahl. Diese Wortschöpfung stammt von der EU-Kommission. Länder, die sich weigern, selbst Flüchtlinge aufzunehmen, sollen sich verpflichten die Abschiebung von Migranten ohne Asylberechtigung in Drittstaaten zu organisieren.

Beim Spruch des Jahres steht unter anderem "Bleiben Sie gesund! / G'sund bleiben!" zur Wahl, diese Aussage hat sich mittlerweile zu einem oft verwendetem Abschiedsgruß entwickelt. Die im März von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ausgegebene Parole "Testen, testen, testen" ist ebenso Anwärter wie eine Mahnung zur Einhaltung der Coronaregeln von Wirtschaftskammer-Chef Harald Mahrer. "Der Weg von der Hirnlosigkeit Weniger zur Arbeitslosigkeit Vieler ist ein kurzer", sagte er im September.

Einmal mehr stehen beruhigende Worte von Bundespräsident Alexander Van der Bellen als "Spruch des Jahres" zur Wahl. "Wir kriegen das schon hin" ermunterte das Staatsoberhaupt in einer Ansprache im Lockdown im März. Mit diesen Worten gewann Van der Bellen die Wahl bereits im Vorjahr. "Nur Mut und etwas Zuversicht, wir kriegen das schon hin", appellierte er anlässlich des Ibiza-Skandals an die Bevölkerung.

Zwei Kandidaten für "Unspruch des Jahres"

Zwei Kandidaten für den "Unspruch des Jahres" lieferte heuer Bundeskanzler Kurz. "Es wird bald die Situation kommen, dass jeder irgendjemanden kennt, der aufgrund es Coronavirus gestorben ist", malte Kurz im März düstere Bilder und wurde für übertriebene Angstmache kritisiert. "Das Virus kommt mit dem Auto", behauptete der Bundeskanzler im August, um die Reisewarnung gegen Kroatien zu rechtfertigen. "Die Behörden haben alles richtig gemacht" behauptete der Tiroler Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) wiederholt nach Ischgl. Sogar die der Untersuchungskommission zur Aufarbeitung des Corona-Krisenmanagements in Tirol hat diese Behauptung mittlerweile widerlegt, Tilgs Aussage kann nunmehr zum "Unspruch des Jahres" gewählt werden.

Auch Blümel schaffte in dieser Kategorie eine Nominierung. "Ich habe aber gar keinen Laptop gehabt. Ich habe [im Bundeskanzleramt] über das Handy gearbeitet ...", behauptete der Finanzminister im Ibiza-Untersuchungsausschuss.

Jugendwort: Von "Boomer" bis "weird"

Gewählt wird 2020 auch wieder das Jugendwort des Jahres. Neben "Boomer" (Bezeichnet die Generation der Babyboomer, Anm.) stehen auch "cringe" (etwas höchst peinlich finden, Anm.) oder auch "ghosten" (plötzlicher Kontaktabbruch, Anm.) zur Wahl. "Lost", "nice", "no front" (Erklärung, dass etwas nicht verletzend oder beleidigend ist, Anm.) sowie "weird" können ebenso zum österreichischen Jugendwort gekürt werden.

2019 lautete das Wort des Jahres "Ibiza". Das Unwort "B'soffene G'schicht " sowie Unspruch "Zack, zack, zack" lieferte damals der Ex-FPÖ-Chef Heinz Christian Strache.

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