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Schweizer Studie untersuchte Einfluss von Clostridium difficile © APA (dpa)
Schweizer Studie untersuchte Einfluss von Clostridium difficile © APA (dpa)

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Bakterium erhöht Risiko der Organabstoßung nach Transplantationen

19.01.2018

Eine Infektion mit dem Bakterium Clostridium difficile verdoppelt das Risiko einer Organabstoßung nach einer Transplantation. Dies zeigt eine groß angelegte Studie aus der Schweiz. "Wir waren sehr überrascht vom Resultat, das einigen Wirbel verursachen dürfte" sagte Christian van Delden, Infektiologe an den Genfer Universitätsspitälern (HUG) und Professor an der Universität Genf.

Er leitete die Untersuchung im Rahmen der Schweizerischen Transplantations Kohortenstudie (STCS). Clostridium difficile ist ein Bakterium, das sich nach der Einnahme von Antibiotika in der Darmflora vermehren kann. Es setzt ein Toxin frei, das sich an die Darmwand heftet. Dies kann Durchfall und Entzündungen der Dickdarmschleimhaut verursachen. In schlimmen Fällen können Komplikationen tödlich enden.

In den USA ist das Bakterium für 250.000 Infektionen, 14.000 Todesfälle und zusätzliche Kosten von einer Milliarde Dollar pro Jahr verantwortlich. In Österreich unterliegen schwer verlaufende Clostridium difficile-Infektionen (CDI) seit 2010 der Meldepflicht nach dem Epidemiegesetz, heißt es auf der Onlinepräsenz der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES).

Antibiotika und längere Spitalaufenthalte

Organempfänger haben ein höheres Risiko, sich mit Clostridium difficile zu infizieren. Dies kommt unter anderem daher, dass sie sich oftmals Antibiotika- und Immunosuppressionsbehandlungen sowie längeren Spitalaufenthalten aussetzen müssen, wie die Forschungsgruppe im "American Journal of Transplantation" berichtet.

Wissenschafter von den sechs Schweizer Transplantationszentren wollten herausfinden, wie sich eine solche Infektion auf Organempfänger auswirkt. Sie analysierten Daten aus der Kohortenstudie, welche Angaben fast aller Organempfänger in der Schweiz enthält. Insgesamt wurden 2.158 Patienten in die Studie miteinbezogen.

Die Resultate, welche die unterschiedlichen Gründe für eine Organabstoßung berücksichtigen, zeigen: Ein Organempfänger, der sich mit dem Bakterium infiziert, hat verglichen mit einem nicht infizierten Organempfänger ein 2,24-faches Risiko, dass er sein Organ verliert.

Für van Delden öffnet die Studie die Tür zu einem wichtigen Forschungsfeld. Man werde die Rolle, welche die Darmflora für den Erfolg einer Organtransplantation spielt, weiter untersuchen müssen.

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