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Ärzte können bei Routinetätigkeiten durch Algorithmen entlastet werden © APA (dpa)
Ärzte können bei Routinetätigkeiten durch Algorithmen entlastet werden © APA (dpa)

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Austrian Health Forum - Ärzte mit KI-Panik gehören ersetzt

14.06.2019

Existenzängste traditioneller Gesundheitsberufe und Besitzstandswahrung bremsen im Gesundheitswesen viele neue Entwicklungen. "Ärzte, die Angst haben, von Maschinen ersetzt zu werden, gehören ersetzt", sagte beim Austrian Health Forum in Leogang (bis 15. Juni) der renommierte Experte für Künstliche Intelligenz (KI), Bart de Witte.

Der ehemalige Chef-Manager für digitale Gesundheitsleistungen von IBM in Österreich, der Schweiz und Deutschland und Gründer einer Open Source NGO für Künstliche Intelligenz in der Medizin, sieht in KI zunächst einmal eine Möglichkeit, weltweit schreckliche Benachteiligungen zu beenden: "Wir sprechen über eine Welt, in der die Hälfte der Bevölkerung keinen Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen und Ärzten hat. Im südlichen Afrika müssen Sie zehn Ärzte ausbilden, damit einer bleibt. Auf diese Weise benötigen Sie in Nigeria 300 Jahre, um auf unseren Stand in Europa zu kommen." An den Fingern einer Hand abzuzählende Fachärzte eines medizinischen Gebietes für viele Millionen Menschen seien in den Entwicklungsländern an der Tagesordnung.

De Witte: "Geht nach Afrika"

Hier können digitale Bildübermittlung, Breitbandkommunikation und maschinell lernende Systeme Enormes leisten. So lassen sich per Handy angefertigte Augenhintergrundbilder (Netzhauterkrankungen) oder von ausgebildeten Krankenpflegern abgenommene Gebärmutterhals-Abstriche (Zervixkarzinom-Früherkennung) verschicken, automatisch vorselektieren und begutachten. "Ich sage KI-Unternehmen immer wieder: 'Geht nach Afrika.' Da gibt es keine Ärzte, keine Ärztekammer, keine Krankenkasse, nur Probleme, die zu lösen sind."

In der modernen Medizin werden täglich Milliarden normierte Aktionen - speziell bei Diagnoseschritten - gesetzt, zumeist steckt in der Analyse - auch der größten Routinedaten - noch immer der Mensch dahinter. "Der Arzt macht zu 80 Prozent Mustererkennung", sagte der Experte. Doch gerade auf dem Gebiet der Mustererkennung ist die EDV mit ihren Algorithmen, die auch noch 24 Stunden lang selbst lernen können, mittlerweile besser.

Bart de Witte nannte sogar ein "tierisches Beispiel": Nehmen Sie die Begutachtung von Gewebeschnitten auf ein Mammakarzinom. Der Mensch ist dabei durch sein Gehirn (Muster, Erfahrung; Anm.) und durch seine Augen limitiert. Vögel aber sehen ein breiteres Lichtspektrum als Menschen. In einem Versuch erkannten Tauben am Beginn 50 Prozent von Tumormaterial, was dem Zufall entspricht. Nach zwei Wochen waren es 86 Prozent. Das war so gut wie ein durchschnittlicher Pathologe."

Algorithmen erstellen Diagnosen

Die Entwicklung in Richtung Unterstützung der Ärzte bei Routinetätigkeiten durch Algorithmen und KI ist voll im Laufen. "Vergangenes Jahr hat die US-Arzneimittelbehörde FDA 16 Algorithmen zugelassen, darunter einen zur erstmaligen maschinellen Erkennung der diabetischen Retinopathie (Netzhautschäden bei Diabetikern; Anm.). Im Jahr 2027, meine ich, werden 80 Prozent der klassischen Diagnosen durch Algorithmen gestellt werden."

Die Angst, dass damit die Ärzte verschwinden würden, sei unbegründet. "Wenn Mensch und Maschine zusammenarbeiten, werden sie immer stärker sein. Sie werden bessere Diagnosen stellen. (...) Wir werden den Menschen nicht wegrationalisieren." Empathie, Intuition und menschliche Zuwendung seien die wahren Aufgaben der Ärzte - sie könnten mehr Zeit dafür finden, wenn Routineaufgaben maschinell durchgeführt würden.

Was aber laut dem Experimenten verhindert werden muss: die Ausbildung von Monopolen und Oligopolen auf der Basis von Daten und Technologien. "Wir müssen über die Werte reden", sagte Bart de Witte. Sonst würden die Ungleichheiten weltweit nur noch verstärkt statt beseitigt werden.

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