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Anders als Vollblutspenden kann man Blutplättchen nicht gekühlt lagern © APA (dpa)
Anders als Vollblutspenden kann man Blutplättchen nicht gekühlt lagern © APA (dpa)

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UV-Lichtsysteme machen Blutprodukte länger haltbar

11.09.2019

Viele Menschen, die an Blut- oder Krebserkrankungen leiden, weisen einen Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten) auf und sind deshalb auf Thrombozyten-Konzentrate angewiesen. Diese Konzentrate müssen innerhalb weniger Tage verbraucht werden, weil sie nicht gekühlt werden dürfen. Neue Methoden zur Pathogen-Inaktivierung könnten die Haltbarkeit jedoch verlängern.

Auf der 52. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin (DGTI) kommende Woche in Mannheim stellen Experten die Ergebnisse neuer Studien vor, welche die Sicherheit dieser Verfahren untersuchen. Blutplättchen, in der Fachsprache Thrombozyten genannt, dichten bei kleineren Verletzungen die Blutgefäße ab und spielen damit eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung. Verschiedene Krankheiten wie beispielsweise Blutkrebs, aber auch moderne Krebstherapien können zu einem Mangel an Thrombozyten führen. Bei Verletzungen, aber auch spontan, kann es dann zu lebensgefährlichen Blutungen kommen. "Um das zu verhindern, müssen betroffene Patienten regelmäßig mit Thrombozyten-Konzentraten transfundiert werden, deren Gewinnung sehr aufwendig ist", sagte Hermann Eichler, Vorsitzender der deutschen Fachgesellschaft.

Empfindliche Blutplättchen müssen rasch verbraucht werden

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland rund 593.000 Thrombozyten-Konzentrate hergestellt. Etwa die Hälfte davon wurde mit einem sogenannten Apherese-Verfahren direkt aus dem Blut von Spendern isoliert; die andere Hälfte wurde aus Vollblutkonserven gewonnen. Blutplättchen sind sehr empfindlich. Anders als Vollblutspenden können sie nicht gekühlt gelagert werden. Wegen des dadurch erhöhten Risikos von bakteriellen Kontaminationen reduziert dies die Haltbarkeit auf nur fünf Tage.

Thrombozyten-Konzentrate müssen deshalb rasch verbraucht und immer wieder nachproduziert werden. Aber nicht immer erreichen sie die Patienten rechtzeitig. "In Deutschland verfallen rund 15 Prozent der wertvollen Thrombozyten-Konzentrate entweder bei den Herstellern oder in den Kliniken", berichtete Eichler, der auch Direktor des Instituts für Klinische Hämostaseologie und Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum des Saarlands in Homburg ist. Dies sei angesichts der Kosten von bis zu mehreren hundert Euro pro Thrombozyten-Konzentrat auch ein wirtschaftlicher Verlust, sagte er.

Haltbarkeit verlängern

Neue Herstellungsverfahren sollen die Haltbarkeit der Thrombozyten-Konzentrate verlängern und damit die Verfügbarkeit erleichtern. Derzeit befinden sich zwei Verfahren (Mirasol und Theraflex) in der klinischen Entwicklung, ein Verfahren (Intercept) ist bereits für Blutspendedienste verfügbar. Im Grunde basieren sie alle auf UV-Bestrahlung der Thrombozyten-Konzentrate. Zum Einsatz kommen dazu noch verschiedene chemische Mittel. Allen ist gemein, dass bestimmte Bakterien, Einzeller und Viren unschädlich gemacht werden können, ohne dabei die Thrombozyten irreversibel zu schädigen. Man spricht dabei von einer sogenannten Pathogen-Inaktivierung. "Die Verfahren schädigen durch unterschiedliche Wirkmechanismen die Vermehrungsfähigkeit bzw. die Infektiosität möglicher Krankheitserreger, die dann keine Erkrankung oder Transfusionsnebenwirkung mehr auslösen können", erläuterte Eichler.

"Zwischenfälle sind zwar selten, da alle Spender sorgfältig befragt und auf Fieber und andere Infektionszeichen untersucht werden", versicherte der deutsche Experte. Nach den Hämovigilanz-Berichten des Paul-Ehrlich-Instituts ist es in den Jahren 2013 bis 2015 in Deutschland zu insgesamt zehn septischen Reaktionen durch Thrombozyten-Konzentrate gekommen, von denen eine tödlich endete. "Alle Spender hatten unerkannte Blutinfektionen mit Bakterien. Diese Erreger gelangten in sehr niedriger Konzentration in die Blutspende, konnten sich aber in den wenigen Tagen bis zur Transfusion im Blutpräparat vermehren", so der Experte.

Die Pathogen-Inaktivierung soll solche bereits sehr seltenen Zwischenfälle in Zukunft ganz verhindern. In Deutschland wird der breite Einsatz der neuen Verfahren auch von den Ergebnissen klinischer Studien abhängen, deren Ergebnisse auf der Jahrestagung der DGTI in Mannheim vorgestellt werden.

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