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Potenzial in der besseren Koordinierung der Leistungen © APA
Potenzial in der besseren Koordinierung der Leistungen © APA

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Autoren von Studie zu Gesundheitsausgaben fordern politische Reformen

09.10.2019

Eine Vergleichsstudie der Gesundheitsausgaben in Österreich, Deutschland und der Schweiz verortet unnötig hohe Kosten im stationären Bereich und einen Mangel an Nachwuchs. Die Autoren sahen im Zuge eines Pressegesprächs politischen Handlungsbedarf. Die Studie der Wirtschaftsuniversität Wien und des IGES Instituts Berlin wurde aus dem Budget der WU Wien finanziert.

In Österreich entfallen 10,3 Prozent des BIP auf Gesundheitsausgaben, so Dr. Martin Albrecht, Geschäftsführer und Bereichsleiter Gesundheitspolitik bei IGES. In Deutschland sind es 11,2, in der Schweiz 12,2 Prozent. Alle drei Länder liegen im OECD-Vergleich in den Top Ten, sowohl im Anteil an der Wirtschaftsleistung, als auch in den Pro-Kopf Ausgaben. Im Dreiländervergleich gibt Österreich am wenigsten aus, zudem steigen die Kosten vergleichsweise langsamer.

Leistungen besser koordinieren

Potenzial sieht Albrecht vor allem in der besseren Koordinierung der Leistungen. Durch einen Ausbau der ambulanten Versorgung, könnte der kostenintensive stationäre Bereich entlastet werden. Österreich und Deutschland waren 2017 mit jeweils mehr als 23.000 Krankenhausaufenthalten pro 100.000 Einwohner OECD-Spitzenreiter. Die Schweiz verzeichnete im Vergleich nur etwa 15.000 Aufenthalte. Der stationäre Bereich bindet somit in Österreich 44 Prozent der Mittel, in Deutschland sind es 39, in der Schweiz nur 36 Prozent.

Johannes Steinhart, Vizepräsident der Österreichischen und der Wiener Ärztekammer, fühlt sich von der Studie in seiner Ansicht darin bestätigt, dass "Potenzial nach oben in der Ausgestaltung unseres Gesundheitssystems" ist. Seine größte Sorge galt dem Mangel an professionellem Nachwuchs. In die OECD-Berechnung von 5,17 Ärzten je 1.000 Einwohner seien die Ärzte in Ausbildung einberechnet. Auch sei zu beachten, dass die durchschnittliche Arbeitszeit pro Kopf seit 2012 um etwa neun Prozent abgenommen habe, wodurch sich die Zahl auf 3,56 Vollzeitäquivalente pro 1.000 Einwohner reduziere.

Pensionierungswelle wird Bedarf weiter steigern

Einem jährlichen Bedarf von etwa 1.450 Ärzten stünden 1.400 Absolventen für Humanmedizin gegenüber, von denen aber 40 Prozent nicht in Österreich arbeiten würden. Das mache sich insbesondere im niedergelassenen Bereich und außerhalb der Städte bereits bemerkbar, "es wird noch ärger werden, als es jetzt ist", so Steinhart. Grund ist, dass in etwa 10 Jahren eine Pensionierungswelle zu erwarten ist. Zu Bedenken ist, so Steinhart weiter, dass jede Maßnahme erst mit etwa fünf bis zehn Jahren "Latenzzeit" wirke. Um junge Mediziner im Land und im Beruf zu halten, müssen sich laut Steinhart vor allem die Rahmenbedingungen bessern. Das betrifft nicht nur die Entlohnung, sondern auch die Möglichkeiten der Ausbildung und Spezialisierung, sowie flexible Arbeitszeitmodelle.

Leo Chini von der Wirtschaftsuniversität Wien erklärte die Motivation der Studie damit, dass man der Politik "richtige Zahlen" als Entscheidungsgrundlage zur Verfügung stellen wollte. Die OECD-Studien, die vielen Entscheidungen zugrunde liegen würden, seien problematisch, weil die Vergleichsgruppe sehr heterogen und zudem die Datengrundlage oft unterschiedlich sei. Bei Österreich, Deutschland und der Schweiz seien sowohl die Qualität der Versorgung als auch die Rahmenbedingungen ähnlich, denn "Gesundheitskosten werden vor allem durch sozioökonomische Faktoren bedingt", so Chini.

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