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Insgesamt gab es in Österreich bisher sechs Verdachtsfälle © APA (dpa)
Insgesamt gab es in Österreich bisher sechs Verdachtsfälle © APA (dpa)

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Coronavirus - Detektivarbeit im Wiener Virenlabor

29.01.2020

Die bisher in Österreich aufgetauchten Verdachtsfälle des neuen Coronavirus sind in den Labors des Zentrums für Virologie an der Medizinischen Universität Wien in Wien-Alsergrund untersucht worden. Virologe Stephan Aberle gab im APA-Gespräch einen Einblick in das Testverfahren.

Um festzustellen, ob das Coronavirus (2019-nCoV) in einer Probe vorhanden ist, wird in einem ersten Schritt das möglicherweise infektiöse Material, etwa tiefes Rachensekret, das mittels Abstrich entnommen worden ist, in eine Lösung (sog. Lysis-Puffer) eingebracht. Diese kann Proteinhüllen aufbrechen und sorgt dafür, dass das Material nicht mehr infektiös ist. Bei diesem Schritt wird laut Aberle Kleidung getragen, die dem Labormitarbeiter einen gewissen Schutz bietet. Diese ist danach aber nicht mehr nötig. Der Vorgang dauert etwa eine halbe Stunde und passiert in einer Sicherheits-Werkbank.

Polymerase-Kettenreaktion in Echtzeit

Das Röhrchen mit dem Material und der Lösung kommt daraufhin in ein anderes Labor, wo eine RNA(Ribonukleinsäure)-Extraktion durchgeführt wird. Die RNA wird maschinell herausgelöst. "Wir schauen, ob RNA drin ist, diese befindet sich dann in der Flüssigkeit", erklärt Aberle. Der dritte Schritt des Testverfahrens umfasst eine "Real-Time-Polymerase-Kettenreaktion" (PCR). Das Virus-Genom wird vervielfältigt, und in einem vierten Schritt am Computer analysiert. "Wenn sich das Material ansammelt, entsteht ein Lichtsignal, dessen Stärke am Computer analysiert wird", sagte der Virologe. Am Bildschirm wird dies als Kurve angezeigt - ein Anstieg dieser Kurve zeigt, dass ein Virus vorhanden ist. Das Verfahren ist für andere festzustellende Viren gleich, bei Influenza sei das Sicherheitsniveau im Labor allerdings niedriger.

Der gesamte Testvorgang dauert mehrere Stunden, ein bis zwei Personen aus dem Labor-Team sind beteiligt. Der Transfer der Probe - die fachgerecht abgenommen und transportiert werden muss - ins Labor dauert innerhalb von Wien in etwa ein bis zwei Stunden. Aus anderen Teilen Österreichs kann der Transport auch vier bis fünf Stunden dauern. Proben, die im östlichen Teil Österreichs genommen wurden, werden praktisch immer an das Zentrum für Virologie der MedUni geschickt, sagte Aberle.

Der Befund wird nach erfolgter Analyse an der Einsender der Probe geschickt, etwa an Ärzte bzw. Krankenhäuser. "Wenn es bei einer meldepflichtigen Krankheit wie jetzt beim Coronavirus einen positiven Befund gibt, muss das Ergebnis auch in das Labormeldesystem eingetragen werden", so Aberle. Auf dieses hätten nur ausgewählte Personen Zugang, darunter die Landessanitätsbehörden. Da die Daten zum Virus rasch veröffentlicht worden sind, konnten weltweit Testsysteme auf 2019-nCoV etabliert werden.

Kein großer Ausbruch in Europa erwartet

Der Virologe erwartet keinen großen Ausbruch von 2019-nCoV in europäischen Städten. Weil es mittlerweile Hinweise auf eher milde Verläufe bei vielen Patienten gibt, könne die Krankheit als weniger schwer eingeschätzt werden. Ob die Übertragung des Coronavirus auch von Mensch zu Mensch erfolgt, muss erst definitiv geklärt werden. Wenn sich zeige, dass eine solche Übertragung möglich ist, könnte es jedoch auch viel leichter weit verbreitet werden.

Insgesamt gab es in Österreich bisher sechs Coronavirus-Verdachtsfälle, die sich alle nicht bestätigt haben. Der aktuelle Ist-Stand wird täglich auf der Website des Sozialministeriums publiziert.

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