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Indexfall ist schon zwischen 21. und 25. Jänner aufgetreten © APA (AFP/Fong)
Indexfall ist schon zwischen 21. und 25. Jänner aufgetreten © APA (AFP/Fong)

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Coronavirus - Kreuzfahrten bergen hohes Ansteckungsrisiko

04.03.2020

Die Reise auf riesigen Kreuzfahrtschiffen birgt bei ansteckenden Erkrankungen ein erhebliches Risiko in sich. Ein Wissenschafterteam hat die Ereignisse rund um den Covid-19-Ausbruch an Bord der "Diamond Princess" analysiert. Zu Beginn steckte eine infizierte Person an Bord fast 15 weitere an.

Ob "Diamond Princess", die mit rund 3.700 Menschen wochenlang im Hafen von Yokohama festsaß oder zuletzt die "Aida Aura" in Haugesund in Norwegen mit 1.200 Passagieren - im Fall des Ausbruchs einer hoch ansteckenden Krankheit sind die Kreuzfahrtschiffe offenbar ein besonderes Risiko. Das belegt aktuell eine Studie "Covid-19-Ausbruch auf dem Diamond Princess-Kreuzfahrtschiff; Abschätzung des Epidemie-Potenzials und die Effektivität von Gegenmaßnahmen der Öffentlichen Gesundheit" in der Fachzeitschrift "Journal of Travel Medicine".

Das Autorenteam von der Universität Umea (Abteilungen für Öffentliche Gesundheit und Epidemiologie) von der London School of Hygiene und vom Institut für Globale Gesundheit der Universität Heidelberg in Deutschland belegt das mit ihrer Analyse des Coronavirus-Ausbruchs, der am 3. Februar gemeldet wurde. Zu diesem Zeitpunkt hätte es an Bord bereits zehn Erkrankungen gegeben. Der Indexfall sei aber schon zwischen 21. und 25. Jänner aufgetreten.

Gegenmaßnahmen getroffen

"Mit dem 4. Februar wurden die Gegenmaßnahmen in Sachen öffentlicher Gesundheit getroffen: Der Abtransport und die Isolierung von kranken Passagieren und die Quarantäne der gesunden Personen an Bord. Bis zum 20. Februar wurden dann 619 der 3.700 Passagiere und Besatzungsmitglieder (17 Prozent der an Bord Befindlichen) positiv getestet", schrieben die Fachleute.

Nach dem Hergang des Ausbruchs an Bord der "Diamond Princess" verbreitete sich die Krankheit zu Beginn sehr stark. "Die Basisreproduktionsrate (R0; wie viele Personen ein Infizierter ansteckt; Anm.) war zu Beginn vier Mal höher als im Epizentrum (der Epidemie; Anm.) in Wuhan. Die Gegenmaßnahmen verringerten die R0-Rate aber deutlich."

Anfänglich sei die Basisreproduktionsrate für das neue Coronavirus SARS-CoV-2 auf dem riesigen Kreuzfahrtschiff bei 14,8 gelegen. Das bedeutet, dass eine angesteckte Person statistisch knapp 15 weitere infizierte. Das reicht an Werte des Masern-Virus (Faktor 12 bis 18) oder an die Keuchhustenerreger heran. Die Massenansammlung von Personen auf einem Kreuzfahrtschiff mit den beengten Verhältnissen ist dafür wahrscheinlich ausschlaggebend. Die Gegenmaßnahmen zeigten Wirkung, wie die Wissenschafter feststellten: Die Basisreproduktionsrate des Virus sank an Bord auf den Faktor 1,78. Das ist etwas geringer als der Wert, den man derzeit insgesamt in einer großen Bevölkerungsgruppe (in einem betroffenen Land; Anm.) annimmt.

"Wir schätzen, dass ohne diese Interventionen zwischen dem 21. Jänner und dem 19. Februar (auf der "Diamond Princess"; Anm.) 2.920 der 3.700 an Bord Befindlichen infiziert worden wären. Die Isolations- und Quarantänemaßnahmen verhinderten 2.307 Erkrankungsfälle", stellten die Experten fest. Hätte man das Schiff allerdings bereits am 3. Februar vollständig evakuiert, wären damit rechnerisch 76 infizierte Personen noch innerhalb der Inkubationszeit von Bord gegangen.

Die Experten: "Die Bedingungen eines Kreuzfahrtschiffs multiplizierten eine sonst bereits hoch ansteckende Erkrankung." In der Vergangenheit ist es immer wieder auf Kreuzfahrtschiffen zu Krankheitsausbrüchen gekommen. In mehreren Fällen handelte es sich bei den Erregern um hoch ansteckende Noroviren, die Übelkeit und Erbrechen auslösen. 2014 war beispielsweise die "Crown Princess" zweimal von großen Ausbrüchen mit Magen-Darm-Infektionen betroffen. In einem Fall wurde eine Kreuzfahrt in der Karibik beendet.

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