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Tauziehen um Impfstoff © APA (dpa)
Tauziehen um Impfstoff © APA (dpa)

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Deutsche Regierung ringt mit USA um Entwickler von Coronavirus-Vakzine

15.03.2020

Angesichts der weltweiten Suche nach Medikamenten gegen das Coronavirus bahnt sich ein deutsch-amerikanisches Tauziehen um die Tübinger Firma CureVac an. "Die Bundesregierung hat ein hohes Interesse, Wirkstoffe und Impfstoffe in Deutschland und Europa zu produzieren", teilte eine Sprecherin des deutschen Wirtschaftsministeriums am Sonntag mit.

Sie reagierte damit auf einen Bericht der Zeitung "Welt am Sonntag", wonach die US-Regierung prüft, wie sie Zugriff auf CureVac bekommen kann, die an einem Coronavirus-Impfstoff arbeitet. Dadurch wollten sich die USA den Impfstoff exklusiv sichern. Ein Geschäftsführer der dievini Hopp BioTech Holding des SAP-Gründers Dietmar Hopp, die 80 Prozent an dem Unternehmen hält, erklärte allerdings, ein Exklusivvertrag mit den USA komme nicht infrage.

Impfstoff für Menschen "auf der ganzen Welt"

CureVac selbst teilte mit, man entwickle einen Impfstoff mit dem Ziel, Patienten weltweit zu helfen. Auch Hopp selbst meldete sich zu Wort: "Wenn es uns hoffentlich bald gelingt, einen wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus zu entwickeln, soll dieser Menschen nicht nur regional, sondern solidarisch auf der ganzen Welt erreichen, schützen und helfen können." Ihm gehe es auch um Arbeitsplätze in Deutschland.

Ein Beamter der US-Regierung bezeichnete den Zeitungsbericht als "vollkommen übertrieben". Die US-Regierung habe mit mehr als 25 Unternehmen gesprochen, die womöglich helfen könnten, einen Impfstoff zu entwickeln. "Wir werden weiter mit jeder Firma sprechen, die vielleicht helfen kann. Und jede Lösung würde mit der Welt geteilt."

Die Sprecherin des deutschen Wirtschaftsministeriums wollte sich zu einem möglichen Interesse der USA an CureVac nicht äußern. Sie verwies aber auf das Außenwirtschaftsrecht, wonach die deutsche Regierung Übernahmen aus Drittstaaten prüfen kann, "wenn es um nationale oder europäische Sicherheitsinteressen geht".

Deutschland "nicht zum Verkauf"

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) lobte dann in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin" am Sonntagabend die Tübinger Firma dafür, dass sie für die US-Avancen "nicht zur Verfügung steht. Das ist eine großartige Entscheidung und eine großartige Position." Es sei eine "gute Nachricht, dass die Unternehmensleitung Klartext gesprochen hat". Deutschland stehe "nicht zum Verkauf", sagte Altmaier.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der mitregierenden SPD, Bernd Westphal, forderte, die Bundesregierung müsse einen Verkauf von CureVac in die USA verhindern. Notfalls müsse die Firma mit öffentlichem Geld in Deutschland gehalten werden. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach twitterte: "Der exklusive Verkauf eines eventuellen Impfstoffes an die USA muss mit allen Mitteln verhindert werden. Der Kapitalismus hat Grenzen."

Die Tübinger Bundestagsabgeordnete der Linken, Heike Hänsel, schrieb am Sonntag: "Angesichts der schnellen globalen Verbreitung des Covid19-Virus muss die Welt geschlossen gegen diese Krankheit vorgehen. Die Firma Curevac ist aufgerufen, ihrer internationalen Verantwortung gerecht zu werden."

Fieberhafte Suche nach Impfstoff

Weltweit wird derzeit fieberhaft nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus geforscht. CureVac hofft, bis Juni oder Juli einen experimentellen Impfstoff entwickelt zu haben, um dann Grünes Licht der Aufsichtsbehörden für Erprobungen mit Menschen zu bekommen. Man sei mit CureVac in Kontakt, bestätigten sowohl Sprecher des deutschen Forschungs- als auch des Gesundheitsministeriums. Zuvor hatte die "Welt am Sonntag" ohne Nennung von Quellen berichtet, die deutsche Regierung versuche, das Unternehmen mit finanziellen Angeboten in Deutschland zu halten.

Auf ihrer Internetseite berichtete CureVac, dass sich der ehemalige Vorstandschef Daniel Menichella Anfang März auf Einladung des Weißen Hauses mit US-Präsident Donald Trump, Vizepräsident Mike Pence, Mitgliedern der Coronavirus-Task-Force und weiteren hochrangigen Pharma- und Biotechmanagern getroffen habe. Dabei seien Strategien und Möglichkeiten zur schnellen Entwicklung und Produktion eines Impfstoffes diskutiert worden. Am Mittwoch gab das Unternehmen bekannt, dass CureVac-Gründer und Aufsichtsratschef Ingmar Hoerr Menichella als Vorstandschef ablöse.

Die dievini Hopp BioTech Holding, ist der größte Investor in CureVac. Der Unternehmer Friedrich von Bohlen gehört ebenfalls zu den Geschäftsführern der Holding. Sein Kollege Christof Hettich sagte dem "Mannheimer Morgen", Hopp halte entschlossen an dem Unternehmen, den Mitarbeitern und dem Hauptstandort in Tübingen fest.

Ein Sprecher des Forschungsministeriums sagte, die Förderung der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus und von Medikamenten gegen COVID-19 habe für die deutsche Regierung höchste Priorität. Die finanzielle Förderung sei zuletzt stark ausgeweitet worden. So hat der Haushaltsausschuss 140 Millionen Euro für die internationale Impfinitiative Cepi freigegeben, die sechs Firmen mit der Entwicklung eines Serums gegen das Coronavirus beauftragt hat - darunter CureVac. Die Firma hatte 2015 and 2018 auch Geld von der Bill & Melinda Gates Stiftung bekommen, um an Medikamenten gegen Malaria und Influenza zu arbeiten.

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