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Nordkorea behauptet, von der Pandemie bisher verschont zu sein © APA
Nordkorea behauptet, von der Pandemie bisher verschont zu sein © APA

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Coronavirus - Bald eine Million Infizierte weltweit

02.04.2020

Die Zahl der weltweit mit dem neuartigen Coronavirus infizierten Personen stößt an die Millionengrenze. Laut Statistik der Johns Hopkins Universität in Baltimore (USA) haben sich bis Donnerstagmittag 941.949 Menschen angesteckt, mehr als 47.000 sind an der Krankheit gestorben. Nordkorea ist nach eigenen Angaben bisher ohne Corona-Fall, was internationale Zweifel hervorruft.

NORDKOREA:

Trotz der weltweiten Ausbreitung des Coronavirus behauptet Nordkorea, bisher von der Pandemie verschont geblieben zu sein. "Bisher ist in unserem Land kein einziger Mensch mit dem neuartigen Coronavirus infiziert worden", sagte Pak Myong Su, Direktor der Abteilung für Epidemiebekämpfung Nordkoreas. Angesichts der Nähe Nordkoreas zu China, wo das Virus erstmals auftrat, wird die Aussage aus dem abgeschotteten Staat international angezweifelt.

Pak rühmte die Bemühungen Nordkoreas, das bereits im Jänner seine Grenzen zu China geschlossen und drastische Maßnahmen zur Eindämmung verhängt hatte. "Wir haben präventive Maßnahmen durchgeführt, wie Kontrollen und Quarantäne für alle, die in unser Land einreisen, und eine gründliche Desinfektion aller Waren sowie die Schließung der Grenzen und die Sperrung der See- und Luftwege", sagte der hochrangige Gesundheitsbeamte.

Laut Experten ist das international isolierte Nordkorea wegen seines schwachen Gesundheitssystems besonders anfällig für das Virus. Im März sagte der oberste US-Militärkommandeur in Südkorea, General Robert Abrams, er sei "ziemlich sicher", dass der Norden bestätigte Ansteckungsfälle habe.

Pjöngjang, das wegen seines Atom- und Raketenprogramms zahlreichen internationalen Sanktionen unterliegt, hatte zuvor bereits um Unterstützung im Kampf gegen das Coronavirus gebeten. Im Februar sendete Russland nach eigenen Angaben 1.500 Test-Kits nach Pjöngjang. Auch US-Präsident Donald Trump bot in einem persönlichen Brief an Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un "Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Epidemie" an.

SÜDKOREA:

Die Zahl der täglich erfassten Neuinfektionen in Südkorea ist wieder auf unter 100 gesunken. Am Mittwoch seien 89 Menschen positiv auf den SARS-CoV-2-Erreger getestet worden, teilten die Gesundheitsbehörden mit. Die Gesamtzahl stieg auf 9.976. Die Zahl der Todesfälle in Verbindung mit dem Virus kletterte um vier auf 169.

Zuletzt hatte sich den Angaben der Behörden zufolge die Zahl der neu gemeldeten Infektionen bei etwa 100 "stabilisiert". Südkorea verzichtete bisher auf eine landesweite Ausgangssperre. Ein deutlicher Abwärtstrend stellte sich im März ein, nachdem es Ende Februar mit über 900 Fällen innerhalb eines Tages einen Höhepunkt gegeben hatte.

Sorgen bereiten den Behörden aber weiterhin lokale Häufungen von Infektionen in Kirchengemeinden und Krankenhäusern sowie eine Zunahme "importierter" Fälle. Aufgrund solcher Häufungen wurden am Dienstag und Mittwoch in der Hauptstadt Seoul und der umliegenden Region wieder mehr neue Fälle registriert als im Südosten des Landes, der am stärksten von dem Covid-19-Ausbruch betroffen ist.

Um das Ansteckungsrisiko durch eingeschleppte Fälle aus dem Ausland zu verringern, müssen sich seit Mittwoch sämtliche Ankommende in eine zweiwöchige Quarantäne begeben. Zahlreiche Südkoreaner kehren aus Angst vor einer Ansteckung in Ländern, die eine rasche Ausbreitung des Virus verzeichnen, zurück.

LATEINAMERIKA:

Auch in Lateinamerika und der Karibik breitet sich SARS-CoV-2 schnell aus. Bis Mittwoch stieg die Zahl der nachgewiesenermaßen Infizierten in der Region auf mehr als 20.000. Sie lag damit doppelt so hoch wie noch vor fünf Tagen.

In der ecuadorianischen Hafenstadt Guayaquil bargen Armee und Polizei im Zuge der Corona-Krise binnen drei Tagen 150 Leichen aus Häusern, wie Regierungssprecher Jorge Wated berichtete. Wie viele der Toten tatsächlich an der durch das Virus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 starben, teilte er nicht mit.

Die meisten Coronavirus-Infektionen in Lateinamerika wurden bisher in Brasilien registriert. Dort wurden offiziellen Angaben zufolge 5.717 Fälle nachgewiesen, 201 der Infizierten starben.

INDIEN:

Ein Bewohner aus einem der größten Slums der Welt ist in Indien nachweislich am neuartigen Coronavirus gestorben. Nun fürchten lokale Behörden, dass sich das Virus dort rasch ausbreiten wird. Im Dharavi-Slum leben geschätzt bis zu einer Million Menschen dichtgedrängt auf fünf Quadratkilometern. Oft teilen sich acht bis zehn Menschen ein Zimmer. Viele Haushalte nutzen die gleichen sanitären Anlagen. Um die Verbreitung des Virus im Slum möglichst einzudämmen, dürften sieben Bewohner des Hauses des Verstorbenen ihre Wohnungen nicht verlassen bis ihre Coronavirus-Testresultate vorliegen, sagte der Behördenmitarbeiter. Die Betroffenen würden in dieser Zeit mit Essen und Wasser versorgt.

In Indien - dem zweibevölkerungsreichsten Land nach China mit 1,3 Milliarden Menschen - gibt es zurzeit knapp 2.000 bestätigte Coronavirus-Fälle, unter ihnen 50 Menschen, die an den Folgen der Infektion gestorben sind. Die Zahlen sind relativ niedrig, weil Indien verhältnismäßig wenig testet.

USA:

Die Zahl der Todesopfer in den USA durch die Coronavirus-Pandemie hat die Marke von 5.000 überschritten. Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore nahm die Zahl der Infizierte auf 216.722 zu (Stand Donnerstag, 13.00 Uhr).

US-Präsident Donald Trump rät der Bevölkerung angesichts des Mangels an Atemschutzmasken in der Krise, sich stattdessen mit einem Schal vor einer Ansteckung zu schützen. Schals oder Tücher würden von Experten sehr empfohlen und seien je nach Material "in gewisser Weise" sogar besser geeignet, sagte Trump im Weißen Haus in Washington.

Gesperrt wurde unterdessen der Grand-Canyon-Nationalpark (Arizona). Dieser sei nicht mehr zugänglich, teilten die Behörden mit. Der Nationalpark im Coconino County wird jedes Jahr von Millionen Touristen besichtigt. Vertretern des County und der Navajo-Indianer zufolge hatten in den vergangenen Tagen trotz Versammlungsverbots immer noch Hunderte Menschen das Naturwunder besucht. Im Coconino County wurden bisher mehr als 80 Infektionsfälle mit dem Coronavirus gemeldet, mindestens ein Fall steht im Zusammenhang mit dem Grand-Canyon-Nationalpark.

CHINA:

China hat unterdessen 35 weitere Fälle der Lungenkrankheit gemeldet. Wie die Gesundheitskommission in Peking am Donnerstag mitteilte, wurden sämtliche Erkrankungen erneut bei Menschen nachgewiesen, die nach China eingereist sind. Schon seit Wochen gibt es in der Volksrepublik laut Darstellung der Behörden fast ausschließlich nur noch solche "importierte Fälle". Auch wurden weitere sechs Todesfälle gemeldet.

Zusätzlich gab es demnach 55 weitere Fälle von auf das Virus positiv getesteten Menschen, die aber keine Symptome zeigten. Anders als viele andere Länder zählt China diese nicht in der Statistik der Gesamtinfizierten. Derzeit stünden 1.075 solcher asymptomatischen Infektionen unter Beobachtung, hieß es. Weiterhin machten die Behörden keine Angaben dazu, wie viele Menschen täglich getestet werden. Außerdem scheint unklar, inwieweit die offizielle Statistik die wahre Lage widerspiegelt und wie hoch die Dunkelziffer ist.

Nach dem Nachweis einer Coronavirus-Infektion bei einer Besucherin haben die Behörden für die rund 600.000 Einwohner eines Bezirks in der zentralchinesischen Provinz Henan eine Ausgangssperre verhängt. In Jia dürften die Menschen ihre Häuser nur noch mit einer entsprechenden Genehmigung verlassen, teilte die Bezirksverwaltung von Jia am Donnerstag mit.

Insgesamt wurden auf dem chinesischen Festland offiziell bisher 81.589 Infektionen registriert. Die Gesamtzahl der erfassten Toten lag bei 3.318.

Schon mehr als eine halbe Million Infektionen in Europa

In Europa sind mittlerweile bereits mehr als eine halbe Million Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus registriert worden. Wie die Nachrichtenagentur AFP auf Grundlage von Behördenangaben berechnete, steckten sich auf dem Kontinent 508.271 Menschen nachgewiesenermaßen an, 34.571 der Infizierten starben. Europa ist der am stärksten von der Pandemie betroffene Kontinent.

SPANIEN:

In Spanien sind bisher 10.003 Menschen einer Infektion mit dem Coronavirus erlegen. Binnen 24 Stunden seien 950 Menschen gestorben, teilte das Gesundheitsministerium am Donnerstag in Madrid mit. Mit mehr als zehn Prozent sei das der höchste Anstieg an einem Tag. Die Zahl der bestätigten Infektionen stieg von 102.136 auf 110.238, das ist ein Plus von rund acht Prozent. Mehr als 6.000 Menschen würden intensivmedizinisch betreut. Spanien ist nach Italien das Land mit den meisten Todesfällen weltweit.

Die Regierung unter Ministerpräsident Pedro Sanchez bemüht sich, unter anderem mit weitreichenden Ausgangsbeschränkungen und der Schließung von Schulen, Restaurants und Hotels die Verbreitung des Virus einzudämmen. Nur Beschäftigte, deren Tätigkeit für das Allgemeinwohl unverzichtbar ist, dürfen noch das Haus verlassen und zur Arbeit gehen. Seit Mitte März haben fast 900.000 Menschen ihre Stelle verloren.

BELGIEN:

In Belgien ist die Zahl der Corona-Toten deutlich angestiegen und hat am Donnerstag die Marke von 1.000 Fällen überschritten, teilten die belgischen Gesundheitsbehörden in Brüssel mit. Damit verdoppelte sich die Zahl der Todesopfer binnen drei Tagen. Der deutliche Anstieg hängt auch damit zusammen, dass einige Todesfälle in Seniorenheimen nachträglich registriert wurden. Damit wurden in dem 11,4-Millionen-Einwohner-Land mehr Corona-Tote gezählt als im großen Nachbarland Deutschland. Insgesamt 15.348 Infektionen wurden in Belgien nachgewiesen.

DEUTSCHLAND:

In Deutschland sind bis Donnerstagvormittag mehr als 73.900 Infektionen registriert worden. Besonders hohe Zahlen haben Nordrhein-Westfalen mit mehr als 17.200 Fällen und mindestens 197 Toten und Bayern mit mehr als 17.100 nachgewiesenen Fällen und mindestens 241 Toten. Gerechnet auf 100.000 Einwohner verzeichnet Hamburg mit einem Wert von 132,4 die meisten Infektionen. Im Bundesschnitt waren es 89,0.

ITALIEN:

In Italien starben immer mehr Ärzte am Coronavirus. Die Zahl ist seit Beginn der Epidemie am 20. Feburar auf 69 gestiegen, teilte Italiens Ärztekammer am Donnerstag mit. Rund 10.000 Krankenpfleger haben sich in Italien bisher infiziert, viele von ihnen liegen auf der Intensivstation.

Bergamo ist die von der Epidemie in Italien am stärksten betroffene Stadt. 4.500 Tote werden im Raum um Bergamo seit Beginn der Epidemie beklagt. Laut Angaben der lokalen Tageszeitung "L'Eco di Bergamo", die sich auf Zahlen der Gemeinden rund um die Stadt beziehen, sind in einem Monat 5.400 Personen gestorben, 4.500 davon seien auf das Coronavirus zurückzuführen. Das sind rund ein Drittel aller Covid-Toten in Italien.

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