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325 Millionen Menschen von einer chronischen Hepatitis B oder C betroffen © APA (AFP)
325 Millionen Menschen von einer chronischen Hepatitis B oder C betroffen © APA (AFP)

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Corona gefährdet WHO-Ziel "Hepatitis-freie Zukunft für unsere Kinder"

23.07.2020

Die Covid-19-Pandemie rückt viele andere Erkrankungen in den Hintergrund. Der Großteil der weltweiten Hepatitis-Erkrankungen etwa bleibt unerkannt, viele könnten gut behandelt werden. Der Kampf gegen die Leberentzündung scheint aktuell ins Stocken zu geraten, warnten Experten im Rahmen einer Online-Pressekonferenz.

Die Erkrankung verursacht unterschiedliche, manchmal nicht wahrnehmbare Symptome und tritt in unterschiedlichen Formen wie Virushepatitis (Hepatitis A, B, C, D, E), Virusbegleithepatitis oder Autoimmunhepatitis auf. Die Hepatitis Hilfe Österreich – Plattform Gesunde Leber (HHÖ) hatte geladen, um unter anderem den Zusammenhang von Covid-19 mit Lebererkrankungen zu thematisieren. "Vieles ist in Österreich schon geschehen, um die von der WHO geforderte Elimination von viraler Hepatitis bis zum Jahr 2030 voranzutreiben. Fortschritte werden zunichtegemacht und Erfolge sind in Gefahr, wenn wir jetzt wegen Covid-19 darauf vergessen weiterzumachen", mahnte Obfrau Angelika Widhalm.

325 Millionen Menschen sind Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge weltweit von einer chronischen Hepatitis B oder C betroffen. Zusätzlich dürften drei Millionen mit beiden Viren infiziert sein. 290 Millionen ahnen nichts von ihrer Infektion, umfassende Screenings könnten eine Verbreitung drastisch eindämmen. Durch die Pandemie haben Pläne einer globalen Eindämmung bis 2030 einen Rückschlag erlitten. Es wird weniger getestet und Behandlungen nicht selten herausgezögert. Patienten mit Zirrhose oder nach Lebertransplantationen dürften häufiger schwere Covid-19-Verläufe erleiden.

Eindämmung bis 2030

Chronische Hepatitis-B ist grundsätzlich bereits gut kontrollierbar, Hepatitis C heute praktisch immer heilbar und könnte weltweit eingedämmt werden. Die WHO hat dieses Ziel für 2030 gesetzt.

Seit 2011 wird alljährlich am 28. Juli der Welt-Hepatitis-Tag zur Sensibilisierung der Bevölkerung begangen. Das Datum ist auf den Geburtstag des Mediziners Baruch Samuel Blumberg zurückzuführen, der die durch Viren verursachte infektiöse Leberentzündung Hepatitis B entdeckte und dafür einen Nobelpreis bekam. Dies ist aber nur eine von vielen Varianten der häufigen Entzündung, die viele unterschiedliche Ursachen, Verläufe und Behandlungsmöglichkeiten hat. Im Fokus steht auch in diesem Jahr, die noch unentdeckten Patienten zu finden.

Die HHÖ verwies auf zukunftsfähige, bestehende Maßnahmen für virale Hepatitis und HIV, die erweitert und ausgebaut werden sollten. Die Situation für virale Hepatitis habe sich in Österreich in den vergangenen Jahrzehnten stetig gebessert, wenn auch langsamer als von der WHO gefordert. Die HHÖ empfiehlt, die bestehenden Strukturen aufzubauen, zu stärken und zu erweitern.

Die MedUni Wien teilte in einer Aussendung mit, man habe eine neue Methode zur nicht-invasiven Risikoeinschätzung nach der Heilung von Hepatitis C entwickelt. Eine Forschungsgruppe rund um Mattias Mandorfer und Thomas Reiberger von der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie entdeckte einen einfachen nicht-invasiven Algorithmus zur Einschätzung des Pfortaderhochdrucks und zur Vorhersage von Komplikationen.

Service: Detaillierte Informationen unter www.gesundeleber.at, http://www.welthepatitistag.info, www.meduniwien.ac.at/pr und https://doi.org/10.1002/hep.31462

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