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Impfstoffe - AstraZeneca unterbrach Tests wegen erkranktem Probanden

10.09.2020

Der Pharmakonzern AstraZeneca hat seine Tests eines Corona-Impfstoffs unterbrochen, weil ein Proband erkrankt ist. Ein unabhängiger Ausschuss solle den Vorfall überprüfen, sagte ein Konzernsprecher in der Nacht auf Mittwoch. Der von AstraZeneca und der Universität Oxford entwickelte Impfstoff zählt zu den wenigen weltweit, die sich bereits in der letzten Phase der klinischen Studien befinden.

Laut dem Sprecher handelt es sich um eine Routinemaßnahme, "die immer dann vorgenommen werden muss, wenn in einer Studie eine potenziell unerklärliche Krankheit auftritt". Damit solle die Zuverlässigkeit der Tests gewährleistet bleiben. Der unabhängige Ausschuss müsse nun klären, ob es sich um einen Zufall handelt oder um eine Nebenwirkung des potenziellen Wirkstoffs.

Nach Angaben des Sprechers handelt es sich um einen Einzelfall. Wo sich der Patient befand und von welcher Art seine Erkrankung war, sagte er nicht. Nach Informationen der medizinischen Internetseite "Stat News" steht der Verdacht einer "schwerwiegenden Nebenwirkung" durchaus im Raum. Vermutlich hat der Erkrankte demnach an den Tests in Großbritannien teilgenommen.

Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf eine informierte Person, dass es sich um eine Transverse Myelitis handle - eine Entzündung, die das Rückenmark trifft und von Vireninfektionen ausgelöst werden kann. Die Krankheit Transverse Myelitis gehe in der Regel mit schweren neurologischen Symptomen einher, erklärte der deutsche Infektiologe Bernd Salzberger vom Universitätsklinikum Regensburg. Ursachen für eine solche Erkrankung könnten etwa Polio und Autoimmunreaktionen wie Multiple Sklerose sein.

Unterbrechungen nicht ungewöhnlich

Unterbrechungen der klinischen Prüfungen von möglichen Impfstoffen sind nicht ungewöhnlich. Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock sagte, es sei nicht die erste Pause bei den Tests mit dem AstraZeneca-Impfstoff. Bei der Überprüfung geht es letztlich darum, festzustellen, ob die gesundheitlichen Probleme des Studienteilnehmers vom Impfstoff ausgelöst wurden. Während des Stopps sollen keine weiteren Probanden geimpft und bisher geimpfte Personen weiter beobachtet werden.

Es sei "höchst professionell" von der Firma, dass sie die Studie unterbrochen und sofort die Öffentlichkeit informiert habe, betonte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Verzögerungen nimmt der Minister in Kauf: Es sei weniger entscheidend, ob es mit der Impfung im Jänner oder erst im Februar etwas werde. "Österreich legt größten Wert darauf, dass die Sicherheit vorgeht."

Die Europäische Kommission hatte im Rahmen eines EU-Beschaffungsvorgangs im Namen der 27 Mitgliedsstaaten mit AstraZeneca einen Vertrag über den Kauf des potenziellen Impfstoffs gegen Covid-19 unterzeichnet. Wenn sich der Impfstoff als sicher und wirksam gegen erweist und von der Europäischen Arzneimittelagentur zugelassen wird, stehen den EU-Bürgern durch diesen Vertrag 300 Millionen Dosen des Impfstoffs - zuzüglich einer Option auf weitere 100 Millionen - zur Verfügung. Österreichs Anteil aus diesem Vertrag umfasst laut Gesundheitsministerium rund sechs Millionen Dosen.

Zudem laufen derzeit nach EU-Angaben erste Gespräche mit dem Mainzer Unternehmen Biontech und dem US-Konzern Pfizer über die Lieferung von mindestens 200 Millionen Dosen eines potenziellen Corona-Impfstoffs. Die EU-Kommission verfolgt die Strategie, mit möglichst vielen Pharmafirmen Vorverträge abzuschließen, um bei einem erfolgreichen Impfstoff rasch Zugriff zu haben.

Als erstes Land weltweit hatte Russland vor einem Monat einen eigenen Impfstoff zugelassen - obwohl die dritte Testphase noch gar nicht begonnen hatte. Am Mittwoch begannen nach Angaben der stellvertretenden Bürgermeisterin von Moskau, Anastasija Rakowa, in allen medizinischen Einrichtungen der Hauptstadt Massentests.

Insgesamt sind demnach 40.000 Moskauer aufgefordert, sich freiwillig testen zu lassen. Zuvor wurden laut Behörden bereits 2.000 Menschen in mehreren Staaten weltweit im Rahmen der Phase III getestet. Wissenschafter in anderen Ländern und auch die WHO üben allerdings Kritik an der Vorgehensweise, sie zweifeln an der Sicherheit der Impfung.

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