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Ein Muss: Vernetzt denken und komplexe Zusammenhänge erfassen © Martin Lifka Photography
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APA

Ist und Soll: Ausbildung für Industrie 4.0 in Österreich

08.02.2018

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 05/2018 und nicht zwingend tagesaktuell

Während die Digitalisierung alle Branchen erfasst, verändert sich besonders in der Industrie der Anspruch an die Ausbildung der künftigen Mitarbeiter. Eine Studie unter der Leitung der Fachhochschule St. Pölten erhob die einschlägigen heimischen Bildungsangebote, verglich sie mit dem Bedarf der Unternehmen und leitete Empfehlungen ab.

Für die Studie wurden Experten aus 40 Klein-, Mittel- und Großunternehmen befragt. Drei Viertel gaben an, dass Industrie 4.0 für ihr Unternehmen relevant sei, heißt es in einer Aussendung der FH St. Pölten. Veränderungen würden sich laut Studie für alle Jobprofile ergeben, nicht nur im Bereich der technischen Berufe. Steigen dürfte nicht nur die Nachfrage nach IT-Kompetenzen wie IT-Sicherheit, Mechatronik und der Umgang mit digitalen Technologien. Mehr Augenmerk würde auch auf Prozess- und Projektmanagement, Interdisziplinarität, Kommunikation und Teamfähigkeit gelegt werden. Interdisziplinäres Fachwissen und vernetztes Denken sei bei vielen Tätigkeiten erforderlich, etwa bei der Wartung und Reparatur von komplexen Produktionssystemen. Spezialisten- und Generalistenwissen seien in Zukunft gleichermaßen gefragt. Einfache manuelle Hilfstätigkeiten werden hingegen stark zurückgehen.

Empfehlungen für Bildungseinrichtungen

Die unter dem Schlagwort "Industrie 4.0" zusammengefassten neuen Formen der Produktion brauchen erweiterte und auch gänzlich neue Kompetenzen. Die Antworten der für die Studie befragten Mitarbeiter wurden mit dem Status quo in der Aus- und Weiterbildungslandschaft an österreichischen Universitäten, Fachhochschulen und außeruniversitären Einrichtungen verglichen und der inhaltliche sowie geografische Bedarf von Angeboten abgeleitet.

Für ein zeitgemäßes Ausbildungsangebot schlagen die Studienautoren vor, Interdisziplinarität, lebenslanges Lernen, einfachere Übergänge, Durchlässigkeit, fachbereichsübergreifende Wissensvermittlung, Fremdsprachen und interkulturelle Kompetenzen zu fördern. Es brauche Kompetenzorientierung, innovatives Denken sowie neue Lernorte, Lernwege und didaktische Methoden, heißt es in der Aussendung weiter.

Entscheidend sei auch "Lernen zu lernen", Kooperationen zwischen Unternehmen und Hochschulen zu intensivieren, Interesse an Technik bereits in der Schule zu wecken, IT-Basiskompetenzen zu fördern und "Industrie-4.0-Natives" auszubilden. Auch eine Aufwertung der Lehre empfiehlt die Studie, sowie das Einbinden aktueller Themen und Entwicklungen in Lehrpläne.

Arbeitsplätze werden durch die Digitalisierung nicht verloren gehen, wird einer der Studienautoren zitiert: "Technischer Fortschritt hat immer neue Arbeit geschaffen. Die Arbeit wird uns auch im Zeitalter der Industrie 4.0 nicht ausgehen."

Service: Webseite zum Projekt: https://www.fhstp.ac.at/aeiqu ; Studie: http://go.apa.at/BXGXwFz7

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