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Ohne Subventionen könnte verstärkt auf Kohle zurückgegriffen werden © APA (dpa)
Ohne Subventionen könnte verstärkt auf Kohle zurückgegriffen werden © APA (dpa)

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Aus für Subventionen als Hebel zur CO2-Reduktion überschätzt

08.02.2018

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 05/2018 und nicht zwingend tagesaktuell

In der Beseitigung von staatlichen Förderungen für fossile Brennstoffe sehen manche Experten und Politiker einen wichtigen Hebel, um die CO2-Reduktion voranzutreiben. Einer Studie unter der Leitung von Forschern des Internationalen Instituts für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien im Fachblatt "Nature" zufolge würde sich der Effekt jedoch in Grenzen halten.

Die Modellrechnungen der Forschungsgruppe um Jessica Jewell ergaben, dass die Streichung der Subventionen im Endeffekt die prognostizierten CO2-Emissionen im Jahr 2030 nur um ein bis fünf Prozent unter die Marke drücken würde, die ohne die Maßnahme erreicht würde. Das habe vor allem zwei Gründe: "Einerseits beziehen sich die Subventionen nur auf Gas, Öl und Elektrizität. In manchen Fällen könnte ihr Wegfallen dazu führen, dass auf emissionsintensivere Kohle zurückgegriffen wird", so Jewell in einer Aussendung des IIASA.

Der andere Grund sei, dass sich die staatlichen Förderungen zwar auf weltweit Hunderte Milliarden Dollar summieren, ihr Anteil am Preis für eine Energieeinheit jedoch trotzdem relativ gering ist. Verschwinden die Stützen, würde laut den Berechnungen der Energieverbrauch lediglich um ein bis sieben Prozent sinken. Mit einem Boom im Ausbau der erneuerbaren Energiegewinnung sei nach einer Subventionsstreichung auch eher nicht zu rechnen.

Größte Effekte im Nahen Osten, Russland und Lateinamerika

Die größten Effekte hätte ein Auslaufen der Stützungen laut der Analyse in erdöl- und erdgasfördernden Ländern im Nahen Osten, in Russland oder in Lateinamerika. Betrachte man die aktuell niedrigen Öl- und Gaspreise, tue sich hier vielleicht eine politische Chance auf, so Jewell.

Wird eine solche Maßnahme durchgeführt, müsse man auf die Auswirkungen auf die ärmsten Bevölkerungsschichten achten. Gerade Menschen in Entwicklungsländern mit besonders niedrigen Einkommen könnten sich ein Ausweichen auf andere Energiequellen kaum leisten. Sie würden in der Folge auf das noch klimaschädlichere Verbrennen von Holz und Holzkohle zurückgreifen.

"Wir sagen nicht: Streicht die Subventionen nicht. Wir zeigen aber, dass man sich darüber im Klaren sein sollte, dass die Effekte vielleicht nicht so groß sein werden. Außerdem könnten die Auswirkungen auf die Ärmsten überproportional sein", so Studien-Koautor Keywan Riahi.

Service: http://dx.doi.org/10.1038/nature25467

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