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Polaschek ist seit 2006 Präsident der Forschungsstelle Nachkriegsjustiz © APA (UNI GRAZ/KANIZAJ)
Polaschek ist seit 2006 Präsident der Forschungsstelle Nachkriegsjustiz © APA (UNI GRAZ/KANIZAJ)

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Martin Polaschek: Lange erprobter Vizerektor übernimmt an Uni Graz

11.02.2019

An der Universität Graz ist die Entscheidung über den nächsten Rektor gefallen. Der Universitätsrat hat den amtierenden Vizerektor und Studiendirektor Martin Polaschek (geb. 1965) zum Rektor gewählt, teilte die Uni Graz mit. Im Jahr 2011 war er Christa Neuper, die als erste Frau das Rektorat der Uni Graz übernahm, noch unterlegen - am 1. Oktober folgt er ihr an der Spitze der größten Universität der Steiermark nach.

Für das Amt lagen insgesamt fünf Bewerbungen vor. Eine Frau war - trotz intensiver Bemühungen - nicht darunter. Die Findungskommission, bestehend aus dem Vorsitzenden des Senats und der Vorsitzenden des Universitätsrats, hat im Dezember 2018 die Kandidaten ausgewählt, die zu einem öffentlichen Hearing eingeladen waren. Nachdem ein Kandidat seine Bewerbung überraschend zurück gezogen hatte, verblieben der Leiter des Personalreferats der Uni Graz, Kurt-Martin Lugger, und der amtierende Vizerektor für Studium und Lehre, Martin Polaschek. Der Senat hat dem Universitätsrat daraufhin einen Vorschlag übermittelt, der ausschließlich den Namen von Polaschek enthielt.

"Ich freue mich sehr über die Wahl. Ich bin mir der verantwortungsvollen Aufgabe bewusst und werde mich mit voller Kraft für die Universität Graz einsetzen", so der designierte Rektor in einem ersten Statement. Eine Funktionsperiode dauert vier Jahre.

Unzureichende Studienbedingungen, überlaufene Studienrichtungen und Studienbeiträge, besetzte Hörsäle, neue Zulassungsverfahren, gemeinsame Pädagogenausbildung mit den Hochschulen, abzuerkennende Doktortitel: Seit 2003 hatte Polaschek als Vizerektor für Studium und Lehre an der Universität Graz etliche Herausforderungen zu bewältigen. Nebenbei war er nach wie vor in der Forschung zur jüngeren österreichischen Rechtsgeschichte aktiv und hat auch die Lehrerausbildung an den Hochschulen im Süden und Südosten Österreichs mitgeprägt. Im Jahr 2017 musste er sich als Studiendirektor mit den Plagiatsvorwurf gegen den steirischen Landesrat Christian Buchmann (ÖVP) auseinandersetzen, was letztlich zu der Aberkennung von dessen Doktorat führte.

Fokus auf rechtliche Zeitgeschichte

Polaschek wurde 1965 in Bruck/Mur geboren und besuchte das dortige Gymnasium. An der Universität Graz hat er Rechtswissenschaften studiert. Er habilitierte sich im Jahr 2000 und wurde zum außerordentlichen Universitätsprofessor am Institut für Österreichische Rechtsgeschichte und Europäische Rechtsentwicklung ernannt. Seit 2003 war er sowohl als Vizerektor für Studium und Lehre als auch als Studiendirektor für die Anliegen der mehr als 30.000 Studierenden zuständig.

Der wissenschaftliche Fokus von Polaschek liegt in den Bereichen der Rechtlichen Zeitgeschichte und der Föderalismus- und Kommunalforschung. Für die Steiermark hat er u.a. Publikationen zur Denunziation im Dritten Reich und der juristischen Verfolgung von NS-Verbrechen in der Steiermark durch die sogenannten Volksgerichte vorgelegt. Seit 2006 ist er Präsident der Forschungsstelle Nachkriegsjustiz.

In früheren Jahren zählte die bildende Kunst zu seinen Leidenschaften. Heute greift der 53-Jährige in seiner spärlichen Freizeit eher zu einem Buch als zu den Farben. Wenn es seine Zeit erlaubt, ist er auch im Theater anzutreffen. Seine sportliche Statur ist u.a. dem Radfahren geschuldet - dem er auch im Winter frönt.

Die Universität Graz wurde 1585 gründet, ist damit Österreichs zweitälteste Universität und eine der größten des Landes. Sie führt sechs Fakultäten mit insgesamt rund 32.500 Studierenden und 4.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die rund 120 Studien ziehen jährlich etwa 4.900 Studienanfänger an und bringen pro Jahr an die 3.300 Absolventen hervor.

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