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Unterschiedliche Ausgangssituationen © APA (dpa)
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Studie: Quereinsteiger-Programm so gut wie gängige Lehrerausbildung

18.07.2019

Programme, bei denen Quereinsteiger für den Unterricht an Schulen ausgebildet werden, können ebenso gute Ergebnisse liefern wie die klassische Lehrerausbildung. Das zeigt ein Erasmus+-Projekt in fünf EU-Ländern. In Österreich waren Lehramtsabsolventen und Teilnehmer der Initiative Teach For Austria demnach zwei Jahre nach Berufseinstieg fachlich und pädagogisch zumindest auf demselben Niveau.

Für das Projekt "A New Way for New Talents in Teaching" (NEWTT) wurden ab Anfang 2016 drei Jahre lang die Quereinsteiger-Programme von Teach For-Organisationen in Bulgarien, Lettland, Österreich, Rumänien und Spanien analysiert und danach die ersten zwei Dienstjahre der Quereinsteiger mit jenen von Lehramtsabsolventen verglichen. Ziel des Projekt war herauszufinden, ob alternative Programme zum Seiteneinstieg als Mittel gegen den Mangel an qualifizierten Lehrern geeignet wären. Insgesamt wurden dafür 300 Teach-For-Quereinsteiger und 240 klassisch ausgebildete Lehrer begleitet.

Das Ergebnis der Evaluierung durch die Universität Duisburg-Essen: Teilnehmer der Quereinsteiger-Programme hatten in Österreich laut Befragung mehr theoretische und praktische Lernmöglichkeiten und haben sowohl beim Test "Pädagogisches Unterrichtswissen" (PUW) als auch bei einem von den deutschen Wissenschaftern erstellten Test zu Unterrichtskompetenzen teils deutlich besser abgeschnitten als Absolventen der Pädagogischen Hochschulen (PH).

Besser für Schülerfragen gerüstet

Außerdem fühlen sich traditionell ausgebildete Lehrer laut der Studie signifikant schlechter auf das Unterrichten vorbereitet. Dabei haben 95 Prozent der Quereinsteiger - die meisten haben davor ein Studium der Sozialwissenschaften, Jus oder Wirtschaft abgeschlossen - angegeben, dass ihnen ihr Fachwissen hilft, Schülerfragen abseits des eigentlichen Unterrichtsstoffs zu beantworten. Unter den PH-Absolventen gaben das nur 41 Prozent an.

Eines der wichtigsten Motive für die Berufswahl war für beide Gruppen die Arbeit mit Kindern. Während jedoch bei Lehramtsabsolventen das Interesse am Fach und Jobsicherheit als weitere Hauptmotive dazukommen, ist es bei den Quereinsteigern "Soziale Verantwortung". Unterschiede gab es bei der Ausgangssituation der Lehrer: Die Quereinsteiger haben deutlich öfter hervorragende Schulabschlüsse, im Ausland studiert oder gearbeitet und Freiwilligenarbeit geleistet.

Lehrer der Initiative Teach For Austria sind seit 2012 an österreichischen Brennpunktschulen aktiv. Für das Programm werden Uni-Absolventen ausgewählt, die dann in einer Sommerakademie auf den Unterricht an Neuen Mittelschulen (NMS) und Polytechnischen Schulen vorbereitet werden. Zum Einsatz kommen sie an Standorten, an denen die Schüler ein hohes Risiko von Bildungsabbruch haben. Während des zweijährigen Programms finden laufend Fortbildungen statt, etwa die Hälfte der Quereinsteiger bleibt auch nach Programmende für mindestens ein weiteres Jahr an den Schulen. Seit diesem Frühling werden über das Programm auch Kindergartenpädagogen vermittelt.

Service: Evaluierungsbericht der Universität Duisburg-Essen: http://www.newtt.eu/sites/default/files/Final_Report_NEWTT.pdf

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