Medizin & Biotech

Zahl der Blitze in Österreich schwankt von Jahr zu Jahr stark © APA (dpa/Pleul)
Zahl der Blitze in Österreich schwankt von Jahr zu Jahr stark © APA (dpa/Pleul)

APA

Blitze - Alltäglich, aber immer noch rätselhaft

24.07.2019

Obwohl das Phänomen Blitz alltäglich ist, ist es immer noch nicht restlos erforscht. "Man könnte überspitzt formuliert sagen: Je genauer wir messen und forschen, desto mehr werden die offenen Fragen", erklärte Gerhard Diendorfer, Leiter des Blitzortungssystems ALDIS (Austrian Lightning Detection and Information System).

Ein Wolke-Erde-Blitz (ein sogenannter Flash) besteht aus mehreren messbaren - für das menschliche Auge kaum erkennbaren - Einzelentladungen. Die unterschiedlichen Blitzarten und Bezeichnungen führen gelegentlich zu Verwirrungen, was die Zahl der Blitze in Österreich betrifft. International wird aber die durchschnittliche Zahl der Wolke-Erde Blitzschläge pro Quadratkilometer und Jahr gezählt. "Das heißt, Wolken-Entladungen ohne Erdkontakt sind nicht zu berücksichtigen und mehrere Einzelentladungen bei einem Blitz sind zu einem Flash zusammenzufassen", sagte Diendorfer.

Bei den Wolke-Erde-Blitzen unterscheidet man zwischen Abwärts- und Aufwärtsblitzen sowie zwischen positiven und negativen Blitzen, je nach Entstehung und Richtung des Stromflusses. Die seltenen Aufwärtsblitze entstehen, wenn von einem hohen Objekt auf der Erde (z.B. ein Sendemast oder ein Windrad mit einer Höhe von über 100 Meter) die Entladung in der Gewitterluft ausgelöst wird. "Selbst bei schwach geladenen Wolken beobachten wie immer wieder Blitzeinschläge in Windräder und dies gehäuft in den eher kälteren Jahreszeiten. Diese Aufwärtsblitze sind oft mit hohen elektrischen Ladungen verbunden und können so massive Schäden verursachen."

Die Zahl der Blitze in Österreich schwankt von Jahr zu Jahr stark und liegt meist zwischen 100.000 und 200.000 Blitzeinschlägen in den Boden pro Jahr. Rechnet man zu den Einzelentladungen in den Wolke-Erde Blitzen auch die Wolke-Wolke-Entladungen dazu, gibt es in Österreich pro Jahr durchschnittlich zwischen 700.000 und 800.000 Entladungen.

Intensive Forschungen zu Blitzauslösung

Blitze geben den Wissenschaftern teilweise immer noch Rätsel auf. "Zum Beispiel wird weltweit intensiv geforscht, was genau in den Bruchteilen einer Sekunde passiert, wenn ein Blitz in der Wolke ausgelöst wird und sich dann seinen Weg zur Erde sucht. Die bisher gemessenen Feldstärken in der Wolke sind meistens zu gering und können nicht der Grund sein. Eine mögliche Erklärung ist, dass Elektronen der kosmischen Strahlung im elektrischen Feld der Gewitterwolke plötzlich extrem schnell und somit extrem energiereich werden, und damit die Blitzentladung auslösen", erklärte Diendorfer.

Viele Mythen ranken sich auch um das Thema Kugelblitz. Laut einem technischen Memorandum der European Cooperation in Science and Technology, unterzeichnet von den 30 führenden Blitzforschern Europas, gilt der Kugelblitz immer noch als ungelöstes Phänomen. Eine Initiative von Universität Salzburg, Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) und ALDIS vergleicht derzeit Bilder und Berichte von möglichen Kugelblitzen mit den Messdaten des jeweiligen Tages. Um die Fragen zum Thema Kugelblitz noch besser zu untersuchen, ersucht das Forscher-Team um Fotos und Berichte aus der Bevölkerung. "Ob neue oder ältere Fälle, ob schriftlicher Bericht oder Foto - alle Meldungen sind für uns wertvoll", sagte Rainer Kaltenberger von der ZAMG. Informationen werden unter klima@zamg.ac.at gerne entgegengenommen.

STICHWÖRTER
Wetterphänomen  | Wien  | Österreich  | Österreichweit  | Wetter  |
Weitere Meldungen aus Medizin & Biotech
APA
Partnermeldung