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100 Jahre Frauenstudium an der BOKU

17.10.2019

Anlässlich der Festveranstaltung an der Universität für Bodenkultur ließen die Podiumsgäste den historischen Bogen von den körperlich fordernden Anfängen bis ins digitale Zeitalter Revue passieren. Nachhaltigkeitsministerin Patek hielt eine bewegende Festrede.

Vor genau hundert Jahren wurde es Frauen - nach 47 Jahren reinen Männerstudiums - erstmals gestattet, an der Hochschule für Bodenkultur zu studieren. Die Inskriptionszahlen bewegten sich damals zwischen 9 und 24 Studentinnen pro Semester gegenüber einer Zahl von durchschnittlich 700 Hörern. "100 Jahre später haben wir rund 12.500 Studierende mit einen Frauenanteil von 50 Prozent", freute sich Rektor Hubert Hasenauer in seiner Eröffnungsrede. "Ähnliches sehen wir bei der Anzahl der abgeschlossenen Dissertationen mit 50 Prozent Doktorinnen." All diese Entwicklungen zeigen deutlich, dass der rasante Aufstieg der BOKU von einer kleinen land- und forstwirtschaftlich ausgerichteten Hochschule zu einer modernen Life Science Universität ohne Frauen nicht möglich gewesen wäre. "Diesen erfolgreichen Weg gilt es fortzusetzen, um die BOKU fit für die Zukunft zu machen", so Hasenauer.

Zu den zahlreichen Ehrengästen zählte auch Nachhaltigkeitsministerin Maria Patek, selbst Absolventin des Forstwirtschaftsstudiums an der BOKU. "Anfangs war mein Berufseinstieg in eine männerdominierte Branche - trotz bester Ausbildung und Praxiskenntnissen - schwer und von Vorurteilen geprägt. Daher ist es mir ein besonderes Anliegen, Frauen in der Forstwirtschaft zu fördern und zu vernetzen", so Patek. Im Blickpunkt sozialer Nachhaltigkeit ist Geschlechtergerechtigkeit ein wichtiges Element und auch fixer Bestandteil internationaler, politischer Zukunftsprogramme wie die Sustainable Developement Goals oder die Sendai Frameworks.

Neues Mentoring-Programm für Frauen in der Forstwirtschaft

In Rahmen der Jubiläumsfeier gaben das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus gemeinsam mit der BOKU den feierlichen Startschuss für das neue Forschungsvorhaben Frauenmentoring in der Forstwirtschaft. "Die Evaluierung dieser Pilotstudie ist uns ein besonderes Anliegen, um zu verstehen, wie Frauen in der Forstwirtschaft in Österreich gestärkt werden können", sagte Doris Damyanovic, Stellvertretende Leiterin am Institut für Landschaftsplanung. Das Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) unterstützt das Frauenmentoring-Projekt mit Weiterbildungskursen und Coachings. Am BFW gibt es dazu einen eigenen Frauenförderplan.

Gekommen, um die Gesellschaft verändern

"Dass Frauen in Österreich erst 20 Jahre nach der Öffnung der Universitäten auch technische Studien inskribieren durften, war in erster Linie rechtlichen Erwägungen zu verdanken, die eine Diskriminierung von Frauen mit gültigen Zulassungsvoraussetzungen nicht erlaubten", erläuterte Juliane Mikoletzky, Historikerin an der Technischen Universität Wien, in ihrer Zeitreise. "Dazu kamen nachdrückliche Forderungen durch die Zivilgesellschaft in Form von Elterngruppen, Frauenvereinigungen und nicht zuletzt die Studienwerberinnen selbst. Schließlich schufen auch die gesellschaftlichen Veränderungen durch den Ersten Weltkrieg und der politische Systemwechsel 1919 neue Berufs- und Rollenbilder für Ingenieurinnen." Pionierin an der BOKU Inge Dirmhirn war die erste Frau, die im Jahre 1981 den Ruf als Professorin an die BOKU erhielt. Sie war Vollblutwissenschaftlerin, Institutsleiterin und Pionierin auf dem Gebiet der Strahlungsmessung.

Ihr zu Ehren enthüllten Rektor Hubert Hasenauer und Monika Sieghardt, eine Wegbegleiterin der ersten BOKU-Professorin, die Inge-Dirmhirn-Vitrine. Die darin ausgestellten Exponate wie ihr Eispickel - in der Größe eines Bihänders - lassen erahnen, dass die Arbeit von Forscherinnen an der BOKU noch vor knapp 40 Jahren neben Wissen und Können auch aus harter Arbeit bestand. Eine wissenschaftliche Karriere führte nur unter dem Einsatz der ganzen Persönlichkeit zum Erfolg. "Der Lebenslauf von Inge Dirmhirn als Naturwissenschaftlerin, Universitätslehrerin und weltoffener Mensch hilft, Frauen an der BOKU zu motivieren, die gläserne Decke zu durchstoßen", so Sieghardt.

Gleichberechtigung ist selbstverständlich

Johannes Schützenhofer, Vorsitzender der Österreichischen Hochschülerschaft an der BOKU, schwenkte auf die Sichtweise der heutigen Studierenden: "Gerade die Bildung ist eines der wertvollsten Güter unserer Gesellschaft und sollte für alle frei zugänglich sein.

Viele starke Frauen und Männer haben sich vor 100 Jahren dafür eingesetzt und es liegt in unserer Pflicht, diesem Beispiel auch heute zu folgen. Für die ÖH-BOKU ist ein gleichberechtigtes Miteinander selbstverständlich. Es liegt in der Verantwortung der Universität für Bodenkultur, dieses Bewusstsein weiterhin zu leben, in ihrer Lehre an nächste Generationen weiterzugeben und der Öffentlichkeit zu zeigen, welche hervorragenden WissenschaftlerInnen aus der BOKU hervorgehen." Eine sehr originelle Auseinandersetzung mit diesem Thema zeigte auch die Präsentation der GewinnerInnen des Kreativ-Wettbewerbs für BOKU-Studierende.

WissenschaftlerInnen unterstützen und sichtbar machen

Auch wenn heute die Abschlüsse bei den männlichen und weiblichen Studierenden im Bachelor- und Masterstudiengang ebenso wie beim Doktoratsstudium ausgeglichen sind, nimmt mit zunehmender Karrierestufe der Frauenanteil ab", betonte Doris Damyanovic in ihren Gedanken zur Karriere von Frauen in der Wissenschaft und an Universitäten. "Sind es bei den wissenschaftlichen Mitarbeitenden rund 43 Prozent Frauen, wird der Gap mit nur mehr 25 Prozent bei den assoziierten, außerordentlichen und ordentlichen Professorinnen deutlich größer. Es wäre wünschenswert, gäbe es in allen Studienprogrammen mehr Professorinnen."

Damals wie heute ist die Verknüpfung von Naturwissenschaft, Sozialwissenschaft und Technik zentrales Element der BOKU-Forschung.

Damals wie heute steht Nachhaltigkeit im Zentrum der BOKU-Lehre. "Der Einzug der Digitalisierung wird dazu beitragen, die noch immer geteilte Arbeitswelt in Frauen- und Männerberufe in Zukunft aufzulösen", so Vizerektorin Andrea Reithmayer abschließend. "Um wieviel ärmer wären Forschung und Lehre ohne fähige Frauen, und um wieviel reicher, wären Frauen schon vor hundert Jahren gleichberechtigt gewesen."

Rückfragehinweis:
astrid.kleber@boku.ac.at
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