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Eine Kamera fotografiert die Netzhaut © MedUni Wien/Kovic
Eine Kamera fotografiert die Netzhaut © MedUni Wien/Kovic

APA

Roboter kann Netzhauterkrankungen bei Diabetes diagnostizieren

21.11.2019

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 42/2019 und nicht zwingend tagesaktuell

Mit einer kleinen Roboterkamera, die via Computer mit dem Internet verbunden ist, können Diabetespatienten in wenigen Minuten erfahren, ob sie eine bisher unbemerkte Netzhauterkrankung haben. So können viele Patienten vor dem Erblinden gerettet werden, erklärten Experten bei einer Pressekonferenz der MedUni Wien.

"Der Roboter macht den Befund ganz alleine", sagte Ursula Schmidt-Erfurth, Leiterin der Wiener Universitäts-Augenklinik. Patienten müssen sich nur vor eine Kamera setzen, die die Netzhaut fotografiert und von einer zweiten Person bedient wird. "Über eine Cloud kann direkt eine Diagnose gestellt werden, ohne Arzt, ohne Krankenschwester oder eine andere Person, die an Ort und Stelle sein muss", sagte sie. Denn laut Schmidt-Erfurth könne jeder nach einer kurzen Einschulung das Gerät bedienen.

Im Zweifel positiv

Nach fünf bis zehn Minuten ist dann eine Diagnose fertig. "Es gibt immer Klassifizierungen, wann eine Erkrankung wie eingestuft wird", sagte Bianca Gerendas von der Wiener Universitäts-Augenklinik. Entweder werden keine, moderate oder sehbedrohliche Veränderungen festgestellt. "Der Roboter entscheidet sich im Zweifelsfall eher zu einem falsch positiven Ergebnis, damit geht der Patient zum Augenarzt und erhält in jedem Fall eine sichere Diagnostik", sagte sie. Bei den ersten 450 in Wien untersuchten Personen wäre es nur zu einem Fall gekommen, bei dem ein Arzt eine genauere Diagnostik vorgeschlagen hätte als das Gerät.

Laut Gerendas darf jeder so untersucht werden, seit einigen Wochen sogar Kinder. "Das Gerät ist seit 2013 in Europa zulassen und seit 2018 in den USA." Seit vergangenem Jahr gelte es als eigenständiges diagnostisches System und darf somit offiziell bei Diabetespatienten genutzt werden. Ziel ist es nun, dass die Krankenkassen die Kosten der Untersuchung tragen.

Insgesamt drei der rund 20.000 Euro teuren Geräte mit künstlicher Intelligenz gibt es bereits in Österreich. Je früher eine Diagnose damit gestellt wird, desto früher kann mit einer Behandlung begonnen werden. Die MedUni Wien spricht in Österreich von circa 5.600 Patienten jährlich, bei denen eine Diabeteserkrankungen zur Schädigung der Netzhaut führt. Bei Diabetes Typ 1 würden insgesamt 67 Prozent der Erkrankten innerhalb von fünf Jahren eine solche Erkrankung entwickeln, bei 36 Prozent der neu entdeckten Patienten mit Typ 2 läge bereits eine Erkrankung vor.

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