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HGM-Tagungsinitiatoren: "Wollten keine Konsensveranstaltung machen"

22.01.2020

Im Vorfeld der Tagung "#HGMneudenken" rund um die Kritik am Heeresgeschichtlichen Museum haben die beiden Organisatoren Elena Messner und Nils Olger im APA-Interview erklärt, wie es zur Veranstaltung kam, was sie sich von den Ergebnissen erhoffen und für die nahe Zukunft wünschen.

APA: Sie beide arbeiten als Schriftstellerin und Kulturwissenschafterin bzw. als Künstler und Filmemacher. Wie kamen Sie zur Organisation der Ausstellung und Tagung "#HGMneudenken"?

Messner: Ich habe seit sieben Jahren immer wieder mit Kollegen aus der Wissenschaft darüber diskutiert, was im HGM schief läuft. Dann habe ich mit "Das lange Echo" einen Roman zur Thematik geschrieben. Durch die aktuelle Medienrecherche bin ich nun wieder tiefer ins Thema eingetaucht.

Olger: Ich bin irgendwann ins HGM reingestolpert und war sehr vor den Kopf gestoßen, was ich dort gesehen habe. Daraufhin habe ich 2015 in der Zeitschrift "Malmoe" auch einen Artikel darüber publiziert.

APA: Wie kam es zur Auswahl der Tagungsteilnehmer?

Messner: Zunächst zum wissenschaftlichen Teil: Das sind alles renommierte Historikerinnen und Historiker und Politologinnen und Politologen. Ausgewählt haben wir nach inhaltlichen Gesichtspunkten und haben Menschen eingeladen, die sich im Vorfeld zum HGM zu Wort gemeldet haben oder zu relevanten Themen publiziert haben.

Olger: Das Konzept beruht auf Mischung: Es geht uns um Positionen zwischen Kunst und Wissenschaft. Die eingeladenen Künstler sind danach ausgesucht, inwieweit sie politische Kunst machen oder einen aktivistischen Ansatz verfolgen.

APA: Inwiefern kooperieren Sie dabei mit dem HGM? Wurde eine Teilnahme angefragt?

Messner: Wir haben bewusst auf Redebeiträge des HGM verzichtet. Wir wollen gegenüber der dominanten Position des HGM einen Raum für Kritik und andere Standpunkte schaffen. Wir wollten keine Konsensveranstaltung machen. Wir haben das HGM jedoch eingeladen, ausgehend von unserer Kritik zu debattieren. Es gab Versuche der Kontaktaufnahme im Vorfeld, aber man ignoriert das eher. Die Veranstaltung ist in der wissenschaftlichen Community allerdings so groß geworden, dass man dem nicht mehr ausweichen kann. Einige Mitarbeiter kommen zum Zuhören. Die Direktion ist jedoch nach wie vor nicht greifbar.

Olger: Das ist etwas, das sich durchzieht. Als ich damals für meinen Artikel recherchiert habe, habe ich versucht, Kontakt aufzunehmen. Die Anfrage wurde aber mit fadenscheinigen Gründen vom Tisch gewischt. Auch zu der Kritik im Herbst gibt es nach wie vor keine Stellungnahme. Die Kritik wird nicht aufgenommen und eingearbeitet, sie wird abgeblockt und ausgesessen.

APA: Was geschieht mit den Ergebnissen der Tagung?

Olger: Da gibt es verschiedene Ideen. Ein erster Schritt ist es, sich auf wissenschaftlicher und künstlerischer Ebene zusammenzutun und im positiven Sinne zu schauen, welche Perspektiven es für eine Neuausrichtung gibt. Es geht uns nicht nur ums bloße Kritisieren.

Messner: Für die Museumscommunity wird sehr viel bleiben. Es wird mitgefilmt, wir haben schriftliche Stellungnahmen. Wir sind in Kontakt mit dem Museumsbund, dem Institut für Staatswissenschaften, dem Bundeskanzleramt, dem Wien Museum und der Akademie der Wissenschaften. Diese Institutionen haben jeweils ein Interesse, die Forschung über das und mit dem HGM besser zu gestalten.

APA: Was halten Sie von Zukunftsideen wie der Bundesmuseums-Holding und einer Zusammenarbeit zwischen hdgö und HGM?

Messner: Ich bin der Meinung, dass das hdgö an anderem Ort als eigenständiges Haus entstehen soll. Auch das HGM soll bestehen bleiben, schließlich ist es eine zentrale Institution. Es gibt aber gute Gründe, dass die beiden getrennt bleiben. Geschichte ist nicht Heeresgeschichte und umgekehrt schon gar nicht.

Olger: Was man anregen kann, ist eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Museen.

APA: Was wünschen Sie sich persönlich für das HGM in der unmittelbaren Zukunft?

Messner: Es wäre sehr wichtig, dass die Besetzung der demnächst ausgeschriebenen HGM-Direktion nicht stattfindet, bevor der Rechnungshofbericht öffentlich gemacht wird und man sich damit auseinandersetzen kann.

Olger: Es geht ja auch um den oft vom HGM gebrauchten Spruch "Kriege gehören ins Museum". Kriege gehören verhindert und nicht als Heldentaten verherrlicht. Da fordern wir einen kritischen Umgang. Aber es geht uns nicht nur ums Kritisieren, sondern um das Neudenken eines multiperspektivischen, transdisziplinären, wissenschaftlich und gesellschaftlich relevanteren HGM.

(Das Gespräch führte Sonja Harter/APA)

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