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Irina Kubadinow © NHM Wien, Kurt Kracher
Irina Kubadinow © NHM Wien, Kurt Kracher

APA

"Das Naturhistorische Museum Wien macht seine Sammlungen digital zugänglich"

30.01.2020

Irina Kubadinow, Pressesprecherin Naturhistorisches Museum Wien

Das NHM Wien beherbergt zirka 30 Millionen naturkundliche sowie urgeschichtliche Sammlungsobjekte, die für die Beantwortung aktueller und zukünftiger Forschungsfragen von größter Bedeutung sind.

Ein vom Bundeskanzleramt gefördertes Projekt (2016 bis 2019) gab den Startschuss für eine systematische Digitalisierung der wertvollen Sammlungsbestände, die von leidenschaftlichen Naturforscherinnen und Naturforschern von vor über 250 Jahren bis heute zusammengetragen wurden und aktuell sowie in Zukunft laufend ergänzt werden.

Steine, Mineralien, Meteoriten, Pflanzen, Tiere, Skelette sowie ur- und frühgeschichtliche Objekte werden von rund 60 Wissenschafterinnen und Wissenschaftern des NHM Wien, von GastwissenschafterInnen und von ehrenamtlichen AmateurwissenschafterInnen gesammelt, für die Nachwelt aufbewahrt und wissenschaftlich erforscht. Das NHM Wien versteht sich nicht nur als naturkundliches Museum der Evolution, der Geo- und Biodiversität, sondern auch als wichtiges Kompetenzzentrum für öffentliche naturkundliche Fragen und gilt als eine der größten außeruniversitären Forschungsinstitutionen Österreichs.

Durch das Digitalisierungsprojekt wurde eine Infrastruktur geschaffen, die es den Kuratorinnen und Kuratoren ermöglicht, die Inventare elektronisch zu erfassen, von den Objekten 2D- und 3D-Scans herzustellen, aber auch die unterschiedlichen Datensätze im Haus zu vernetzen. Eine große Herausforderung dabei ist vor allem die große Unterschiedlichkeit sowie die enorme Anzahl der Objekte:

Neben zweidimensionalen Objekten wie Schriftstücken, Bildern, Zeichnungen, Fotografien, Herbarbögen etc. sind auch unzählige dreidimensionale Objekte wie z.B. Insekten, Dermoplastiken, Bälge, Skelette, Mineralien und Gesteine zu digitalisieren. Beispielweise liegt eine Vielzahl an Objekten als Alkoholpräparate vor. Diese dauerhafte Konservierungsart erschwert nicht nur die Handhabung bei der Digitalisierung, aber oft liegen sogenannte Konvolute von hunderten Organismen in einem einzigen Behältnis vor. Prähistorische Textilobjekte müssen bei speziellen Temperaturen gelagert und bearbeitet werden und sind besonders fragil in der Manipulation. Für die Erstellung von digitalen 3D-Modellen aus computertomographischen Scans von Knochen oder Insekten ist eine hohe Rechnerleistung notwendig. Besonders heikel waren fragile Objekte, handschriftliche Überlieferungen oder historisch besonders wertvolle Stücke, deren "digitale Sicherungskopien" besonders von Vorteil sind.

Nur eine kleine Auswahl (rund ein Prozent!) des Sammlungsbestandes ist in den Schausälen öffentlich ausgestellt. Der enorme Hauptteil der Bestände ruht in den wissenschaftlichen Abteilungen und deren Depots, wie z.B. auch besonders wertvolle Sammlungen an sogenannten Typusexemplaren. Das sind Objekte, anhand derer eine Art das erste Mal beschrieben wurde, vergleichbar mit dem Urmeter. Je mehr Typusexemplare ein Museum besitzt, desto bedeutender gilt es. Diese Referenzexemplare sind bei der Beschreibung neuer Arten enorm wichtig. Potenzielle neue Arten werden bei der Beschreibung mit bereits bekannten Arten verglichen. Durch die Digitalisierung und das Online-Verfügbarmachen werden jene Objekte, die in den Depots und Sammlungsräumen abseits der Schausammlung aufbewahrt und erforscht werden, allen an Forschung interessierten Menschen zugänglich gemacht.

22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren von 2016 bis 2019 mit der Digitalisierung der heterogenen Sammlungsobjekte beschäftigt. Die Ziele der Digitalisierung decken neben dem Zugang für die Öffentlichkeit noch weitere, für die Forschungswelt relevante, Bereiche ab. Durch die Erweiterung des Datenbestandes und die Schaffung einer zentralen Infrastruktur werden einzelne Sammlungen verknüpft und die interne und externe Recherche sowie die Aktualisierung verschiedener Informationen erleichtert. Außerdem wird über Schnittstellen der Datentransfer mit internationalen Sammlungsplattformen, wie etwa Europeana oder GBIF, ermöglicht, die bereits Sammlungsteile aus einzelnen Disziplinen am NHM Wien zur Vernetzung beinhalten.

Das Digitalisierungsprojekt ist natürlich noch lange nicht abgeschlossen. Es dient als Basis für ein zukünftiges Datenmanagement und die Weiterentwicklung der Bestände des NHM Wien.

Die im Rahmen des geförderten Projekts digitalisierten Daten werden auf zwei Webportalen präsentiert:

Für ein sogenanntes "Science Portal" wurden 735.179 Datensätze und 134.290 Bilder aus 27 Sammlungen von acht Abteilungen vorbereitet. In diesem nach wissenschaftlichen Kriterien zusammengestellten Portal werden in Zukunft die Daten für Forschungsarbeiten online zur Verfügung gestellt. Daran wird noch gearbeitet.

Eine kuratierte Auswahl an Objekten, die einen Einblick in die Vielfalt der Sammlung und die Forschungstätigkeiten des Museums gibt, befindet sich auf: objekte.nhm-wien.ac.at.

Auf dieser Seite sind 1.011 digital aufbereitete Objekte mit vertiefenden Informationen, gegliedert in 128 Themenbereiche aus neun Abteilungen, zu finden. Wissenschafterinnen und Wissenschafter des NHM Wien haben gemeinsam zahlreiche Objekte ausgewählt und digital aufbereitet, um ein möglichst ausgewogenes und abwechslungsreiches Bild der Objektvielfalt und der wissenschaftlichen Arbeitsmethoden am Museum für das Publikum zu schaffen. Von dieser gratis zugänglichen Online-Sammlung und von dem Wissen um die Objekte können alle jederzeit und überall auf der ganzen Welt profitieren.

Weiterführende Links:
https://www.nhm-wien.ac.at/museum/sammlungen
https://www.nhm-wien.ac.at/museum/online_sammlung
http://objekte.nhm-wien.ac.at/home

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