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Rasterelektronenmikroskop Aufnahme: Histomonas meleagridis mit Escherichia coli Bakterien © Vetmeduni Vienna/Universitätsklinik für Geflügel und Fische
Rasterelektronenmikroskop Aufnahme: Histomonas meleagridis mit Escherichia coli Bakterien © Vetmeduni Vienna/Universitätsklinik für Geflügel und Fische

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Schwarzkopfkrankheit - eine gefährliche Allianz aus Parasiten und Bakterien

05.02.2020

Die gefährliche und mit schweren Auswirkungen verbundene parasitäre Schwarzkopfkrankheit ist bei Puten und Hühnern wegen des Verbots wirksamer Arzneimittel zurückgekehrt. Neue Ansätze zur Prophylaxe und Therapie sind deshalb dringend erforderlich. Ein im Christian Doppler Labor für Innovative Geflügelimpfstoffe (IPOV) der Vetmeduni Vienna entwickelter Impfstoff kann Tiere erfolgreich schützen. Bis zum Einsatz im Feld sind noch einige technische Fragestellungen zu beantworten, dabei ist insbesondere die Interaktion zwischen dem einzelligen Parasiten Histomonas meleagridis und den im Darm vorhandenen Bakterien von grundlegender Bedeutung für den Erfolg einer Impfung oder Infektion, Aspekte die an der Universitätsklinik für Geflügel und Fische der Vetmeduni Vienna erforscht werden.

Aufgrund des Verbots von wirksamen Arzneimitteln zur Prophylaxe und zu therapeutischen Zwecken ist die Histomonose - auch Schwarzkopfkrankheit genannt - bei Puten und Hühnern wieder im Vormarsch. Die vom einzelligen Parasiten Histomonas meleagridis hervorgerufene Krankheit befällt Truthühner und hühnerartige Vögel. Insbesondere bei Puten führt diese Parasitose oftmals zu einem schweren Krankheitsverlauf, generell ist die Erkrankungs- und Sterberate bei infizierten Vögeln extrem hoch - die Todesrate bei infizierten Puten kann bis zu 100 Prozent betragen. Allein in Österreich sind in den letzten Jahren ca. 30.000 Puten verendet oder mussten getötet werden. Aufgrund mangelnder Biosicherheit ist die Schwarzkopfkrankheit bei Tieren in Freilandhaltung von besonderer Bedeutung.

Einzigartiges Zusammenspiel von Parasiten und Bakterien

Eine Besonderheit des Parasiten ist seine intensive Interaktion mit Bakterien, sowohl in vitro als auch in vivo. Ein wichtiger Einflussfaktor, der von Michael Hess, Leiter der Universitätsklinik für Geflügel und Fische der Vetmeduni Vienna, und seinen MitarbeiterInnen in zwei aktuellen Studien zusammenfassend dargestellt wird. Aufgrund aktueller Analysen könnte das Zusammenspiel von Parasiten und Bakterien demnach eine Symbiose darstellen, mit tödlicher Konsequenz für den Wirt, mithin eine einzigartige Allianz in der Medizin. Die zugrundeliegenden Funktionsmechanismen müssen laut Michael Hess jedoch in weiteren Studien geklärt werden.

Wichtiger neuer Ansatzpunkt zur Bekämpfung der Krankheit

"Zukünftige Forschungen sollten sich verstärkt auf die Aufklärung der Wechselwirkung zwischen Bakterien und H. meleagridis konzentrieren, insbesondere auch, um herauszufinden, ob eine gezielte Manipulation des Darmmikrobioms klinische Konsequenzen minimieren könnte. In ähnlicher Weise könnte dieses Wissen auch dazu verwendet werden, um die entwickelte Impfstoffstrategie zu optimieren. Detailliertere Untersuchungen sollten außerdem helfen, die enormen Unterschiede in der Mortalität und die Manifestation des Parasiten in bestimmten Betrieben zu erklären", so Michael Hess.

Weiterer bedeutender Einflussfaktor: Der Fadenwurm Heterakis gallinarum

Besondere Aufmerksamkeit sollte auch dem Parasiten Heterakis gallinarum gewidmet werden, ein im Blinddarm, insbesondere von Haushühnern und Puten, lebender Fadenwurm. Er verursacht zwar nur eine leicht pathogene Infektion, ist jedoch häufig Träger von H. meleagridis der wichtigste Vektor für die Übertragung des einzelligen Parasiten. Die Bedeutung von H. gallinarum ist auch deshalb nicht hoch genug einzuschätzen, da H. meleagridis in den Eiern des Fadenwurms bis zu drei Jahre überleben kann.

Bislang dürftige Forschungslage zum Parasiten und zur Krankheit

Die Kompliziertheit des Erregers, seine Epidemiologie und die verschiedenen Einflüsse auf die Pathogenese der Krankheit erfordern erhebliche Anstrengungen, um eine ausgeklügelte Schutzstrategie zu entwickeln. Doch trotz der - auch wirtschaftlich - großen Schäden der Krankheit sind die aktuellen Forschungsergebnisse zum Parasiten H. meleagridis und zur Schwarzkopfkrankheit sehr begrenzt, was möglicherweise auf verschiedene Faktoren, wie Schwierigkeiten beim Umgang mit dem Parasiten in vitro, zurückzuführen ist, was sich auch in der großen Variation innerhalb der experimentellen Studien widerspiegelt. Auch die Wechselwirkung zwischen H. meleagridis und dem Mikrobiom wurde bislang kaum untersucht, weshalb die wahre Natur des Zusammenhangs zwischen dem Parasiten und bestimmten Bakterien noch nicht geklärt ist.

Service:

Der Artikel "Spotlight on Histomonosis (blackhead disease): a re-emerging disease in turkeys and chickens" von Dieter Liebhart und Michael Hess wurde in Avian Pathology veröffentlicht. Der Artikel "Interplay between Histomonas meleagridis and Bacteria: Mutualistic or Predator-Prey?" von Ivana Bilic und Michael Hess wurde in Trends in Parasitology publiziert. https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/03079457.2019.1654087 / https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1471492220300088?via%3Dihub

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien:

Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Hauptaugenmerk gilt den Forschungsbereichen Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit, Tierhaltung und Tierschutz sowie den biomedizinischen Grundlagen. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.300 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna. Die Vetmeduni Vienna spielt in der globalen Top-Liga mit: 2019 belegt sie den exzellenten Platz 5 im weltweiten Shanghai-Hochschulranking im Fach "Veterinary Science. www.vetmeduni.ac.at

Rückfragehinweis:
Univ.-Prof. Dr. Michael Hess Dipl.ECPVS 
Universitätsklinik für Geflügel und Fische
Department für Nutztiere und öffentliches Gesundheitswesen
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-5150
Michael.Hess@vetmeduni.ac.at
Aussender:
Mag. Nina Grötschl
Wissenschaftskommunikation / Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1187
Nina.Groetschl@vetmeduni.ac.at
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