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NK-CAR-Zellen müssen nicht individuell hergestellt werden © APA (AFP/Julien)
NK-CAR-Zellen müssen nicht individuell hergestellt werden © APA (AFP/Julien)

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Neue CAR-Zelltherapie gegen Blutkrebs

07.02.2020

Speziell bei Hämatologen gelten derzeit CAR-T-Zellen als mögliche Hoffnung bei bestimmten Blutkrebsformen. Um die 50 Prozent der Behandelten sprechen auf die von ihnen stammenden genetisch veränderten Abwehrzellen an. Doch andere Immunzellen des Menschen könnten eine ähnliche Wirkung bei "Produktion von der Stange" entwickeln. Darauf deutet eine neue Studie von US-Spezialisten hin.

"Gegen CD19 gerichtete Antigen-Rezeptor-T-Zell-Therapie hat beachtenswerte Effektivität bei B-Zell-Krebs (Blutkrebs von B-Zellen; Anm.) gezeigt. Allerdings rufen CAR-T-Zellen deutliche toxische Effekte hervor. Ihre Herstellung ist komplex", schrieben Enli Liu (Anders Cancer Center/Houston) und die Co-Autoren in einer neuen Studie im New England Journal of Medicine.

Bei der CAR-T-Zelltherapie werden T-Lymphozyten aus dem Körper des Patienten gentechnologisch verändert und können dann mittels chimärem Antigenrezeptor Krebszellen erkennen, attackieren und abtöten. Recht häufig kommt es im Rahmen dieser Behandlung aber zu einem "Zytokinsturm" mit massiven Immunreaktionen. Die Therapie ist mit 320.000 Euro Listenpreis pro Patient - noch nicht eingerechnet die Begleittherapien - extrem teuer.

Alternative zu CAR-T-Zelltherapie

Wissenschafter haben schon vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass andere gentechnisch veränderte Immunzellen für die CAR-Zelltherapie eine Alternative sein könnten. Die US-Experten verwendeten in einer kleinen Studie mit elf Patienten mit Rückfällen oder nicht mehr behandelbarem Non-Hodgkin-Lymphom oder Chronisch Lymphatischer Leukämie (CLL) sogenannte Natural Killer Cells (NK-Zellen), die Teil des angeborenen Immunsystems des Menschen sind. Der größte Vorteil: Diese Zellen müssen nicht individuell von dem Patienten gewonnen werden, der für eine Behandlung vorgesehen ist.

In der wissenschaftlichen Untersuchung isolierten die Forscher die NK-Zellen aus Nabelschnurblut-Proben. Dann wurde das Gen für CD19-Rezeptoren eingefügt, die Zellen vermehrt und den Patienten zurückgegeben. Das Ergebnis: Es gab in keinem Fall einen "Zytokinsturm" mit potenziell lebensgefährlicher Immunreaktion. Auch Nerventoxizität oder immunologische Unverträglichkeit trat nicht ein.

"Von den elf Patienten, die behandelt wurden, zeigten acht (73 Prozent) ein Ansprechen, sieben (vier mit Lymphom und drei mit CLL) hatten eine komplette Remission (...)", schrieben die Autoren im New England Journal of Medicine. Das Ansprechen sei schnell und innerhalb von 30 Tagen nach der Behandlung bemerkbar geworden. Die gentechnisch veränderten NK-Zellen hätten sich im Körper der Patienten vermehrt und seien auf niedrigem Niveau auch zwölf Monate nach der Therapie feststellbar geblieben.

Dadurch, dass die NK-CAR-Zellen nicht individuell für jeden einzelnen Patienten hergestellt werden müssen, könnte eine "Herstellung von der Stange" möglich sein. Das sollte auch zu Kostenreduktionen führen.

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