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"Wir sind alle GUT" © APA (Pfarrhofer)
"Wir sind alle GUT" © APA (Pfarrhofer)

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Streit um Ziffernnoten in Vorarlberg vorerst beigelegt

07.02.2020

Im Streit um die Vergabe von Ziffernnoten an der Vorarlberger Volksschule Lustenau-Kirchdorf haben Direktor, Lehrer und Eltern eingelenkt. Man habe sich dazu entschieden, ein gesetzeskonformes Ziffernzeugnis auszustellen, so Direktor Christoph Wund. Den Protest gegen die ungeliebten Noten will man aber fortsetzen. Alle Beteiligten hoffen auf einen weiteren Dialog.

Es waren betriebsame Tage für Wund und seine Lehrerkolleginnen. Seitdem vor einigen Wochen bekannt wurde, dass die Lehrerinnen der reformpädagogischen Klassen aus Protest gegen die Abschaffung der Wahlfreiheit in der Leistungsbeurteilung der Kinder vorhaben, die rund 40 Drittklässler in der Schulnachricht einheitlich mit "Gut" zu beurteilen, stand Wunds Telefon nicht mehr still.

Unter dem Motto "Du bist GUT! Und so viel mehr als eine Note!" wollte man einen Nachdenkprozess in Gang setzen über die verpflichtende Wiedereinsetzung von Ziffernnoten, eine Maßnahme der ÖVP-FPÖ-Regierung, die auch im Regierungsprogramm von Türkis-Grün nicht infrage gestellt wird. Zugleich machten Eltern mit der Petition "Nein zum Notenzwang" dagegen mobil, bis Freitag früh sammelte man 8.200 Unterstützungserklärungen. Auch in der Volksschule Frastanz-Hofen regte sich Widerstand. Hier kündigten Direktor, Eltern und Lehrer an, die Schulnachrichten mit Protestschreiben an Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) zu schicken.

"Sanktionsdrohungen" und "Dialogverweigerung"

Die Bildungsdirektion stellte schließlich disziplinarrechtliche Konsequenzen für die "Einheitszweier" in den Raum. Man müsse darauf pochen, dass korrekte Schulnachrichten ausgestellt würden, hieß es. Tagelang diskutierten die Beteiligten, hielten Gesprächsrunden ab. Am Vorabend der Zeugnisvergabe lenkte die Volksschule schließlich ein. Man habe sich dazu entschieden, ein gesetzeskonformes Ziffernzeugnis auszustellen, so Direktor Wund und die Eltern-Lehrer-Partnerschaft in einer Mitteilung kurz vor Donnerstag Mitternacht. "Die massiven Sanktionsandrohungen aus der juristischen Landesverwaltung haben uns sehr betroffen gemacht, die Dialogverweigerung der Politik, namentlich von Herrn Bundesminister Prof. Dr. Heinz Faßmann, wütend", hieß es weiter.

Mit dem gemeinsam mit Schülern und Eltern gestarteten Protest habe die Schule "unsere von Differenzierung, Individualisierung, Ganzheitlichkeit und Ressourcenorientierung geprägte pädagogische Haltung" ebenso zum Ausdruck bringen wollen "wie unser Unverständnis für einen in unseren Augen sachlich nicht nachvollziehbaren bildungspolitischen Rückschritt in der Leistungsbeurteilung und Stärkung der Schulautonomie". Allerdings sei es nicht die Absicht gewesen, als Gesetzesbrecher wahrgenommen zu werden. Und schon gar nicht habe man "den für uns so wichtigen und freudvollen Lehrerberuf" riskieren wollen.

"Gerechte Noten gibt es nicht"

Klein bei gibt die Schule deshalb aber noch lange nicht: Am Zeugnistag wurden die Schulnachrichten von Eltern, Kindern und Lehrern feierlich kuvertiert und mit einem gemeinsam formulierten Protestbrief an Faßmann versandt. "Gerechte Noten gibt es nicht", heißt es darin unter anderem. Zudem wurde an der Schulfassade ein entsprechendes Transparent entrollt. "Es geht jetzt darum, im Gespräch zu bleiben. Wir sagen: Wir sind alle 'gut' - Jetzt lasst uns über gute Bildung reden", so Wund am Freitag zur APA. Er stehe weiter hinter seinen Lehrern, denn "die sind die Experten für die pädagogische Arbeit". Man wolle weiter zur Wahlfreiheit zurück. "Es ist uns klar, dass es keine schnelle Lösung gibt. Das nach Wien zu tragen, ist ein langer Weg. Dazu brauchen wir auch die Unterstützung der Vorarlberger Verantwortlichen", betonte er. Die "Vergleicherei" der Leistungen der Kinder müsse ein Ende haben.

Birgit Sieber-Mayr, Sprecherin der betroffenen Lehrerinnen, erklärte: "Es ging uns nie um persönliche Befindlichkeiten, auch nicht um unseren Arbeitsplatz - wir wollen für die Kinder kämpfen." Beide zeigten sich enttäuscht von der juristischen Seite der Landesverwaltung. "Nur mit dem Gesetz zu kommen, ist in der Arbeit mit Kindern zu wenig - ein Armutszeugnis", so Sieber-Mayr. Die pädagogischen Verantwortlichen hätten sich dagegen konstruktiv und gesprächsbereit gezeigt. Man freue sich auf den von Landesrätin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP) und der Bildungsdirektion angebotenen Austausch und hoffe auch auf ein persönliches Gespräch mit Faßmann bei seinem nächsten Vorarlberg-Besuch, sagte Sieber-Mayr, die von großer Unterstützung für den Protest berichtete.

Erleichterung in der Bildungsdirektion

Seitens der Bildungsdirektion Vorarlberg zeigte man sich am Freitag erleichtert. "Wir sind erfreut, dass diese Lösung zustande gekommen ist. Die Gespräche waren sehr intensiv", so Sprecherin Elisabeth Mettauer-Stubler zur APA. Man wolle den inhaltlichen Austausch fortsetzen, wie gesetzlich vorgesehene Ziffernnote und alternative Leistungsbeurteilung in Einklang gebracht werden könnten. "Denn das ist an mehreren Schulen Thema", betonte Mettauer-Stubler. Sie wandte sich zudem gegen den Vorwurf der Androhung von dienstrechtlichen Konsequenzen. Man habe lediglich aufgeklärt, welche möglichen rechtlichen Folgen das geplante Vorgehen der Lehrer haben könnte. Auch mit dem Bildungsministerium strebe man einen Austausch an. Landesrätin Schöbi-Fink werde das Anliegen in Wien vorbringen.

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