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Die Maschine bleibt als Ding im "als ob" verhaftet © APA (Techt)
Die Maschine bleibt als Ding im "als ob" verhaftet © APA (Techt)

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"Künstliche Intelligenz" - Mehr Schein als Sein

13.02.2020

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 06/2020 und nicht zwingend tagesaktuell

Künstliche Intelligenz (KI) - am besten mit menschlichem Antlitz - ist derzeit einer der im Technologie-Kauderwelsch am häufigsten genannten Begriffe. "Lächelt die Maschine!?", lautet der Titel des 5. Wiener Sozialästhetik-Symposiums am 15. Februar. Doch laut Organisator Michael Musalek ist daran mehr Schein als Sein. Mensch bleibt Mensch, Maschine bleibt Maschine.

"Wenn man den heutigen öffentlichen Diskurs zur künstlichen Intelligenz mitverfolgt, dann zeigt sich jedoch, dass damit viel weit reichendere Assoziationen verbunden werden. So wird befürchtet, dass der Mensch auf diese Weise intelligente 'Wesen' zu erschaffen in der Lage wäre, die ihrerseits dann als selbstlernende 'Wesen' ihre Intelligenz so sehr erweitern könnten, das sie über die menschliche hinausreichte", sagte der Wiener Psychiater, Ärztlicher Leiter des Anton Proksch Instituts und Begründer des Instituts für Sozialästhetik und Psychische Gesundheit der Sigmund Freud Universität in Wien.

Gerade deshalb werde künstliche Intelligenz für viele Menschen auch zu einem höchst bedrohlichen Faktor, weil diese intelligenten "Wesen" dann möglicherweise auch nicht mehr vom Menschen steuerbar wären und ihnen auf diese Weise das Potenzial zu einer nicht mehr beherrschbaren Gefahr innewohnen könnte. Das wenigste davon ist real.

Etikettenschwindel

Musalek: "All diese Ängste sind insofern überzogen als sich die sogenannte künstliche Intelligenz - zumindest dann, wenn man mit diesem Begriff etwas Menschenähnliches oder sogar Menschenübertreffendes verbindet - letztendlich doch nur als ein Etikettenschwindel entpuppt. Auch die komplizierteste sich selbst weiterentwickelnde Maschine bleibt eine Maschine, auch das komplizierteste Rechenprogramm bleibt ein mathematischer Algorithmus."

Bei allen Umsatzerwartungen für solche Systeme - vom Rasenmäher-Steuerungsprogramm bis hin zu medizinischen Systemen mit Diagnose- und Behandlungsprogrammen - bleibe der Mensch ein Mensch, die Maschine immer eine Maschine. Der Psychiater: "Zentraler Unterschied ist der Umstand, dass der Mensch lebt, die Maschine nur ist. Als Lebewesen, als lebendes und lebendiges Wesen, kann der Mensch sich selbst reflektieren, sich fühlen und spüren und sich auf diese Weise selbst erleben. Die Maschine bleibt als Ding hier im "als ob" verhaftet - die Maschine kann immer nur so tun als ob sie fühlt, spürt oder etwas erlebt. Der Mensch kann warmherzig lächeln und auch herzlich lachen, die Rechenmaschine kann ein Lächeln und Lachen nur vortäuschen."

Service: 5. Wiener Sozialästhetik-Symposium "Lächelt die Maschine!? Zur Sozialästhetik der künstlichen Intelligenz"; Veranstaltet vom Institut für Sozialästhetik und Psychische Gesundheit Wien der Sigmund Freud Privatuniversität Wien gemeinsam mit dem Forschungsverein CliniClowns und dem Erwin Ringel Stiftungsfonds; 15. Februar, 9.00 - 18.00 Uhr; 1020 Wien, Freudplatz 1, https://www.sfu.ac.at/de/events-2/

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