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Reiseführer durch die Chemie © Residenzverlag
Reiseführer durch die Chemie © Residenzverlag

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Nuno Maulide: Wir würden alle von besserem Ruf der Chemie profitieren

10.03.2020

Der Chemiker Nuno Maulide ist ein engagierter Botschafter seines Fachs. Für seine Bemühungen, seine Forschung der Öffentlichkeit zu vermitteln, wurde er 2019 zum "Wissenschafter des Jahres" gekürt. Nun hat er sein erstes populärwissenschaftliches Buch veröffentlicht, mit dem er einen "kleinen Beitrag dazu leisten will, dass weniger Menschen die Nase rümpfen, wenn von Chemie die Rede ist".

"Die Chemie stimmt! Eine Reise durch die Welt der Moleküle" nennt sich das 208-seitige Buch, das der Professor für Organische Synthese an der Universität Wien gemeinsam mit der Physikerin und Journalistin Tanja Traxler geschrieben hat. Diese Reise erinnert ein wenig an das Konzept "Europe in 10 days", wo viele Destinationen angesteuert, einige Highlights betrachtet, aber nirgendwo lang verweilt wird.

Vom Essen über Dünger bis zur Klimawende

Ausgangspunkt des Reiseführers durch die Chemie sind "Chemikalien im Essen", dann geht es mit dem "Körper als Chemiebaukasten" und medizinisch wirkenden Molekülen weiter zu den Themen Dünger und Plastik bis zur "Chemie für die Klimawende" und der "Schönheit in der Chemie". Begleitet wird dies von Strukturformeln wichtiger Moleküle, diese allerdings vereinfacht und quasi entschärft durch unterlegte grafische Elemente. Er wolle damit "dazu verführen, die Welt mit den Augen eines Chemikers oder einer Chemikerin zu betrachten", schreibt Maulide in der Einleitung des Buchs.

Für ihn haben Chemieunfälle, Treibhausgase oder krebserregende Chemikalien das Image des Fachs "nachhaltig beschädigt". Dieses einseitige Bild hält er für "bedauerlich, werden doch oft die positiven Beiträge der Chemie für unser Leben vergessen". Dabei ist Maulide überzeugt, dass von einem besseren Image der Chemie die Gesellschaft profitieren würde, "denn chemisches Un- oder Halbwissen führt bisweilen zu Entscheidungen, die für den Einzelnen oder gar uns alle nachteilig sind".

Furcht vor Chemie im Essen

Unter dem Titel "Wir fürchten uns vor dem Falschen" geht Maulide etwa auf die Furcht vor Chemikalien im Essen ein: "Das ist ja reine Chemie", würden sich viele Menschen bei den Inhaltsangaben diverser Lebensmittel denken. "Das stimmt natürlich - trifft aber auf die Himbeeren aus Omas Garten genauso zu wie auf die Tiefkühlpizza aus dem Supermarkt", so Maulide. Dass eine Tiefkühlpizza definitiv ungesünder sei als Himbeeren, liege nicht an künstlich erzeugten Chemikalien in der Pizza und rein natürlichen im Obst. "Es liegt nur an der Menge und Art der jeweiligen Inhaltsstoffe. Daher ist es wichtig, zu unterscheiden, was in welcher Menge schädlich ist oder die Qualität eines Produkts beeinflussen kann."

In dieser Tour geht es durch die Welt der Chemie, etwa mit einem "Best of Böse" der Nahrungsmittelinhaltsstoffe, wie man am besten tränende Augen beim Zwiebelschneiden vermeidet, warum manche Haare gelockt und andere glatt sind, wie man einen "Gegenduft" zum Fäkalgeruch findet oder aus Luft Brot erzeugt, welche Rolle der Zufall in der Forschung spielt und warum Maulide gerne ein Knöllchenbakterium sein würde. Es ist also ein Buch für Einsteiger und alle, denen es bisher beim Wort Chemie die Haare aufstellt, die sich aber von der Begeisterung des Wissenschafters anstecken lassen wollen.

Service: Nuno Maulide, Tanja Traxler: "Die Chemie stimmt! Eine Reise durch die Welt der Moleküle", Residenz Verlag, 208 S., 22 Euro, ISBN: 978-3-7017-3505-1

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