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Weltweit werden derzeit über 15 Vakzin-Kandidaten entwickelt © APA (AFP/Magno)
Weltweit werden derzeit über 15 Vakzin-Kandidaten entwickelt © APA (AFP/Magno)

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Coronavirus - Strategien gegen das Virus: Ablenken, Eindämmen, Impfen

28.03.2020

Ablenken, Aussperren, Vermehrung unterbinden, Antikörper von bereits Genesenen, Verhindern von Entzündungsstürmen oder Impfstoffe - im Kampf gegen das neue Coronavirus werden momentan viele Ansätze verfolgt. Chinesische Forscher geben im Fachjournal "Antimicrobial Agents and Chemotherapy" einen Überblick über die Strategien gegen SARS-CoV-2.

Im Gegensatz zu andern vergleichbaren Coronaviren wie etwa SARS oder MERS ist SARS-CoV-2 zwar weniger tödlich, jedoch deutlich ansteckender, schreiben die Wissenschafter vom Zhongnan Hospital der Universität Wuhan - jener Stadt, in der die Pandemie bekanntlich ihren Ausgang nahm. Im Zuge der Covid-19-Infektion schafft es das mit den charakteristischen "Spike"-Proteinen ausgestattete neue Virus recht gut, in Zellen der Lunge einzudringen und das Organ zu schädigen. Um hinein zu gelangen nutzt es das Enzym ACE2 auf der Außenhülle der Zellen als Einfallstor. Das "Spike"-Protein von SARS-CoV-2 dürfte menschliches ACE2 besser erkennen als SARS. Daher versuchen Wissenschafter, die Interaktion dieser beiden Strukturen zu beeinflussen.

Wiener Wirkstoff-Kandidat

Das versucht etwa ein Team um den österreichischen Genetiker Josef Penninger mit dem Wirkstoff-Kandidaten APN0 der Wiener Biotechnologiefirma Apeiron. Die Idee besteht darin, das biotechnologisch hergestellte menschliche Angiotensin Converting Enzym 2 (rhACE2) in der Therapie einzusetzen. Dieses gaukelt dem Virus sozusagen vor, dass es hier richtig ist und lenkt es so vom eigentlichen Einfallstor weg. Außerdem soll es vor Lungenversagen schützen. Ob dem so ist, muss sich allerdings erst in klinischen Studien zeigen.

Einiges erhoffen sich Wissenschafter auch von antiviralen Wirkstoffen, die bereits zur Behandlung anderer Krankheiten eingesetzt werden: So etwa das Ebola-Medikament Remdesivir oder die gegen HIV eingesetzten Arzneimittel Lopinavir und Ritonavir, die in ersten Studien aber nicht die gewünschten Ergebnisse brachten. Auch die bei Malaria eingesetzten Wirkstoffe Choloquin und Hydroxychloroquin könnten bei SARS-CoV-2 anschlagen.

All diese Medikamente könnten das neue Virus an seiner Weitervermehrung hindern. So wird etwa Remdesivir bei der Virusvermehrung in Zellen als falscher Baustein in die entstehende RNA-Erbsubstanz eingebaut und stoppt dann die Bildung neuen Virus-Erbguts. In Laboruntersuchungen konnte das bereits nachgewiesen werden, es bedarf aber noch klinischer Studien, so die Autoren des Überblicksartikels.

Ein weiterer Beitrag im Fachblatt "Antimicrobial Agents and Chemotherapy" bringt mit dem Wirkstoff Tilarone ein etwa 50 Jahre altes antiviral wirkendes Mittel im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 ins Spiel. Der Wirkstoff wird vor allem in Russland eingesetzt, ist aber außerhalb des Landes nicht zugelassen.

Seren von Genesenen

Ebenfalls im Gespräch ist der Einsatz von Seren von Menschen, die eine Covid-19-Infektion bereits überstanden haben, besonders starke Immunantwort auf das Virus zeigen und viele Antikörper dagegen entwickelt haben. Angeraten wird diese Strategie aber derzeit nur bei sich rapide verschlechternden Erkrankungen und Menschen in sehr kritischen Zuständen, so die Forscher in ihrem Überblick. Momentan seien hier zwar einige Studien am Weg, die Befundlage aber noch unklar.

Ein weiterer Behandlungsansatzpunkt ist das Unterbinden des sogenannten "Zytokinsturms", einer der gefürchteten Komplikationen bei Patienten mit schwerer Covid-19-Erkrankung. Hier kommt es zu einer überschlagenden und den ganzen Körper schädigenden Entzündungsreaktion. Aktuell wird das Biotech-Polyarthritismedikament Tocilizumab auf seine Wirksamkeit dagegen untersucht. Der Wirkstoff blockiert den Rezeptor für den entzündungsfördernden Immunbotenstoff Interleukin-6 (IL-6).

Suche nach Impfstoffen auf Hochturen

Auf Hochtouren läuft nicht zuletzt die Suche nach Impfstoffen. Auch hier konzentriert man sich vor allem auf das "Spike"-Protein. Laut den Studienautoren bietet es viele potenzielle Ansatzpunkte. "Momentan werden weltweit mehr als 15 Vakzin-Kandidaten gegen Covid-19 entwickelt", halten sie fest. Diese seien extrem wichtig, um Prävention zu betreiben und die Verbreitung einzudämmen.

Die chinesischen Wissenschafter räumen sogar einer Kombination von Präparaten aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) mit westlicher Medizin ein gewisses Potenzial ein, betonen aber, das die Befundlage hier sehr dünn sei.

Service: https://dx.doi.org/10.1128/AAC.00483-20

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