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Forscher: Maßnahmen haben "Österreich vor Schlimmerem bewahrt" © APA (AFP)
Forscher: Maßnahmen haben "Österreich vor Schlimmerem bewahrt" © APA (AFP)

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Coronavirus - Dunkelziffer bei Toten in Österreich derzeit unklar

07.04.2020

Datenauswertungen in der Provinz Bergamo legen den Verdacht einer hohen Dunkelziffer bei Covid-19-Todesfällen in Italien nahe. Ob es auch in Österreich eine solche Dunkelziffer gibt, also dass Patienten dem Coronavirus ohne ärztliche Untersuchung zu Hause erliegen und damit nicht in die offizielle Statistik eingehen, darüber kann man derzeit noch keine seriöse Auskunft geben, so ein Experte.

"Zur Zeit lassen sich noch nicht wirklich allzu valide Aussagen über Veränderungen im Sterbegeschehen in Österreich aufgrund von Covid-19 treffen", erklärte Erich Striessnig vom Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) auf Anfrage der APA. Bei den Gesamttodeszahlen würde sich bisher nicht viel zeigen. Das liege einerseits an der hierzulande bisher sehr geringen Anzahl an mit dem Virus assoziierten Todesfällen. Andererseits lasse sich aufgrund der Tatsache, dass Covid-19 größtenteils bei älteren Patienten mit Vorerkrankungen tödlich endet, nicht sagen, ob diese Menschen nicht auch ohne das Virus gestorben wären. Wenn man aber die Veränderungen in wesentlich stärker von der Pandemie betroffenen Ländern wie Italien, Spanien, Frankreich oder Großbritannien beobachte, "kann man doch schlussfolgern, dass die frühzeitig getroffenen Quarantänemaßnahmen Österreich vor Schlimmerem bewahrt haben dürften".

Man könne natürlich nicht ausschließen, dass ein Todesfall aufgrund einer bereits bestehenden Vorerkrankung mit einer Covid-19 Infektion in Zusammenhang stehe. Dazu müssten flächendeckende Obduktionen durchgeführt werden, um die genaue Todesursache zweifelsfrei festzustellen. Die derzeit vom Sozialforschungsinstitut SORA durchgeführte Zufallsstichprobe werde helfen, zumindest für die Anzahl der Erkrankten die Dunkelziffer besser abschätzen zu können. Für die Todeszahlen werde sich das aber wohl erst im Nachhinein sagen lassen, verweist Striessnig auf die monatlich exakte Erfassung der Sterbefälle in allen europäischen Ländern. "Wenn es hier eine Erhöhung über die offiziell bestätigten Covid-19 Toten hinaus gibt, dann geht dies vermutlich auf die Dunkelziffer zurück", so der Demograph.

Er gibt auch zu bedenken, dass es durch die Quarantänemaßnahmen beispielsweise zu einer starken Reduktion des Straßenverkehrs gekommen sei, wodurch es auch weniger Verkehrsunfälle mit Todesfolge gebe. Das würde einen eventuellen Anstieg in den Todeszahlen aufgrund der Pandemie ebenfalls zumindest teilweise verschleiern. Dasselbe gelte auch für die verringerte Gefahr einer Ansteckung mit der gewöhnlichen Grippe. "Umso wichtiger ist es, dass der Wissenschaft möglichst bald der bestmögliche Zugang zu den vorhandenen Daten gewährt wird", so Striessnig.

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