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Zentrale Überwachung der Daten birgt "massives Missbrauchspotenzial © APA (AFP)
Zentrale Überwachung der Daten birgt "massives Missbrauchspotenzial © APA (AFP)

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CD-Labor für private digitale Authentifizierung an Uni Linz eröffnet

28.05.2020

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 21/2020 und nicht zwingend tagesaktuell

Digitale Authentifizierung mittels biometrischen Daten könnte Vorteile bieten, etwa Reisen ohne Pass. Doch die Methode öffnet auch Missbrauch Tür und Tor und ist anfällig für Fehler. Wie es dennoch möglich ist, die Vorteile der Technologie zu nutzen, will das neue, an der Uni Linz eröffnete "CD-Labor für private digitale Authentifizierung in der physischen Welt" (DIGIDOW) erforschen.

Schon in naher Zukunft wäre es technisch möglich, Authentifizierung etwa beim Übertritt einer Staatsgrenze oder der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel auf Basis biometrischer Daten durchzuführen, betonte der Präsident der Christian Doppler Forschungsgesellschaft (CDG), Martin Gerzabek, in einer Aussendung. Notwendig für solche digitalen Identitätsnachweise wären zentralisierte Datenbanken, wo sämtliche biometrische Daten von Nutzern gespeichert werden. Eine zentrale Überwachung und Speicherung dieser Daten sowie aller Nutzerbewegungen und -interaktionen birgt allerdings "massives Missbrauchspotenzial, bis hin zur Fälschung und Löschung digitaler Identitäten".

Überwachung nicht mit Grundrechten vereinbar

Die dadurch mögliche vollständige Überwachung und Kontrolle aller Nutzer sei aktuell nicht mit den universellen Grundrechten auf Privatsphäre vereinbar und mit europäischen Konzepten des Datenschutzes unverträglich, erklärte der Leiter des neuen CD-Labors, René Mayrhofer, Vorstand des Instituts für Netzwerke und Sicherheit der Universität Linz. Die zentrale Frage, um die sich die Forschung in dem neuen Labor dreht, ist daher, wie man die digitale Identität zur Authentifizierung in der physischen Welt nutzen kann, ohne die Privatsphäre der Nutzer zu gefährden.

Ziel sei es, mittels dezentralen Ansätzen allen Nutzern bessere Kontrolle über ihre Interaktionen in der digitalen und physischen Welt und damit über die Datenspuren, die sie notwendigerweise hinterlassen, zu geben. In der interdisziplinären Forschungsarbeit sollen auch Wissenschaft und Ethik kombiniert werden, gearbeitet wird in den Bereichen Kryptographie, Netzwerke, verteilte Systeme, biometrische Authentifizierung, maschinelles Lernen und Sicherheit von Programmcodes sowie an den zugehörigen sozialen, rechtlichen und ethischen Aspekte.

In den von der CDG für jeweils sieben Jahre genehmigten CD-Laboren kooperieren Wissenschafter mit Unternehmen im Bereich der anwendungsorientierten Grundlagenforschung. Das Budget - im Fall des neuen CD-Labors mehr als eine Million Euro - kommt dabei jeweils zur Hälfte von der öffentlichen Hand und den Industriepartnern. Bei diesen handelt es sich um die NXP Semiconductors Austria GmbH, die Österreichische Staatsdruckerei, das Kepler Universitätsklinikum und die 3 Banken IT GmbH.

Service: https://www.cdg.ac.at/

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