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Studiendaten stammen von Stefan Kiechl (li.) und Hanno Ulmer © Martin Vandory/MUI (Bullock)
Studiendaten stammen von Stefan Kiechl (li.) und Hanno Ulmer © Martin Vandory/MUI (Bullock)

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Weltweite Studie - Cholesterinwerte sinken in reichen Ländern

03.06.2020

Laut einer weltweiten wissenschaftlichen Studie mit österreichischer Beteiligung zeigen die Cholesterinwerte fallende Tendenz - aber offenbar nur in den reichen "westlichen" Ländern. Auf Entwicklungs- und Schwellenländer im Süden und im Osten trifft das nicht zu, heißt es in einer in "Nature" publizierten Untersuchung.

Die Blutfette sind einer der wesentlichsten Faktoren für den Schutz vor bzw. das Entstehen von Atherosklerose mit Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Senkung des Cholesterinspiegels gilt seit den 1980er-Jahren als vordringliches präventives Ziel. "Eine weltweite Studie unter Federführung des Imperial College London, an der auch Tiroler Forscher beteiligt waren, hat die Entwicklung der Cholesterinspiegel von 1980 bis 2018 anhand der Daten von über 100 Millionen Menschen in 200 Ländern berechnet", hieß es am Mittwoch in einer Aussendung der MedUni Innsbruck.

Seit den 1980er-Jahren ist laut der Studie mit Auswertung vorhandener Daten das Gesamtcholesterin (auch das Non-HDL-Cholesterin) in den einkommensstarken Industrieländern, wie in Nordamerika und Nord-Westeuropa, gesunken, in Ländern mit mittleren und niedrigen Einkommen, im Besonderen in Ost- und Südostasien, jedoch stark angestiegen. Das sei das zentrale Ergebnis der Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation WHO unter der Leitung von Majid Ezzati vom Imperial College London, der auch assoziierter Forschungspartner des Tiroler COMET-Zentrums VASCage ist. Dieses Resultat war erwartbar, weil in den westlichen Industriestaaten das Risikobewusstsein für hohe Cholesterinwerte seit Jahrzehnten gestiegen ist und mit den sogenannten Statinen wirksame Medikamente zur Senkung vor allem des LDL-Cholesterins auf breiter Basis zur Verfügung stehen.

Österreich schneidet gut ab

Die Trends für Österreich in der Untersuchung basieren auf Studiendaten der Innsbrucker Univ.-Klinik für Neurologie (Direktor: Stefan Kiechl) und der Univ.-Klinik für Pädiatrie II sowie von Biostatistiker Hanno Ulmer von der MedUni Innsbruck in Kooperation mit dem Arbeitskreis für Vorsorge- und Sozialmedizin in Bregenz.

Österreich schneidet relativ gut ab. Das mittlere Gesamtcholesterin bei Männern und bei Frauen ist um etwa zehn Milligramm pro Deziliter Blut (mg/dl) pro Jahrzehnt zurückgegangen. Im Detail sanken die Cholesterin-Spiegel von 1980 bis 2018 bei Männern von 232 mg/dl auf 193 mg/dl, bei Frauen von 228 mg/dl auf 189 mg/dl. Kiechl: "Die Senkung des Cholesterin-Spiegels ist maßgeblich für Prävention und Therapie von kardiovaskulären Erkrankungen. Trotzdem liegen wir von den Werten, welche die Guidelines für die Atherosklerose-Prävention vorgeben, noch immer weit entfernt."

Ein Beispiel dafür: Laut einer Innsbrucker Studie haben 70 Prozent aller Schlaganfallpatienten in Österreich zu hohe Cholesterinwerte, doch nur weniger als ein Drittel wird mit Cholesterin-Senkern behandelt. Seit 2015 stehen - speziell für Menschen mit exorbitant hohen Cholesterinwerten durch eine erbliche Belastung - auch sogenannte PCSK9-Inhibitoren zur Verfügung.

Für Personen ohne diagnostizierte Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder chronische Nierenleiden sollten die Werte bei unter 200 Milligramm Gesamtcholesterin pro Deziliter Blut und davon beim "bösen" LDL-Cholesterin bei unter 130 Milligramm pro Deziliter liegen (Triglyzeride als dritter Wert: weniger als 150 Milligramm je Deziliter).

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