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Forscher entwickelten neuen Indikator zur Berechnung der (Schul-)Bildung © APA (dpa)
Forscher entwickelten neuen Indikator zur Berechnung der (Schul-)Bildung © APA (dpa)

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Schulbildung ist seit den 1970ern in Österreich effizienter geworden

30.07.2020

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 28/2020 und nicht zwingend tagesaktuell

Im Vergleich zu 1970 verbringt der Durchschnittsösterreicher heute nicht nur mehr Jahre mit (Schul-)Bildung, diese ist auch effizienter geworden, zeigen Berechnungen von Demographen des Wiener Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital um Claudia Reiter. "Die Bildungsqualität bzw. das Skill Level ist über diese Zeit stärker gestiegen als die durchschnittliche Zahl an Schuljahren."

Für ihre Berechnungen haben die Forscher einen neuen Indikator entwickelt, der nicht nur die durchschnittliche Anzahl an Schuljahren in einem Land berücksichtigt, sondern auch die tatsächlichen Fähigkeiten der Bevölkerung im erwerbstätigen Alter. Auf Grundlage von Studien wie PIAAC, einer Art PISA-Studie für Erwachsene der OECD, oder des STEP-Programms der Weltbank haben sie eine qualitätsbereinigte durchschnittliche Zahl an Schuljahren (Skills Adjusted Mean Years of Schooling, kurz: SAMYS) errechnet, mit der das Bildungsniveau der erwerbstätigen Bevölkerung verschiedener Länder global und auch über einen längeren Zeitraum besser vergleichbar sein soll.

Die Wissenschafter haben auch einen historischen Vergleich bis zum Jahr 1970 gezogen und auf Basis einer Kohortenanalyse jeweils die damalige Durchschnittszahl an Schuljahren sowie den SAMYS-Indikator geschätzt. In Österreich hat die Bevölkerung zwischen 20 und 64 damals im Schnitt 8,63 Jahre im Bildungssystem verbracht, die qualitätsbereinigte durchschnittliche Zahl an Schuljahren lag mit 8,13 noch darunter. Im Vergleichsjahr 2015 hingegen lag der Mittelwert über die gesamte Bevölkerung bei 12,16 Schuljahren, der SAMYS-Wert mit 12,48 Jahres sogar noch darüber. "Die Qualität ist also stärker gestiegen als die Quantität", so Reiter gegenüber der APA.

Schuldauer allein wenig aussagekräftig

Die Berechnungen der Wissenschafter zeigen außerdem, wie wenig die durchschnittliche Zahl der Schuljahre in einem Land teilweise über das tatsächliche Bildungsniveau der Bevölkerung aussagt. Vor allem beim Vergleich verschiedener Länder oder der zeitlichen Entwicklung eines Landes seien Indikatoren wie Schuljahre oder Anteil der Hochschulabschlüsse allein kaum geeignet. Immerhin könne man einen Universitätsabschluss von heute nicht mit einem von vor 40 Jahren vergleichen und auch ein Master-Abschluss in Finnland und in Nigeria sei nicht ohne weiteres gleichzusetzen.

Tatsächlich zeigt die Studie der Forscher, dass lediglich in Ozeanien die Fähigkeiten der Bevölkerung recht genau auf jenem Niveau liegen, das für die dortige Durchschnittszahl an Schuljahren zu erwarten wäre. In Europa und in Nordamerika liegt die qualitätsbereinigte durchschnittliche Zahl an Schuljahren leicht über jener der Schuljahre. In allen anderen Ländern werden allerdings in der formalen Schulbildung weniger Kompetenzen vermittelt als aufgrund der Zahl der Schuljahre erwartbar wäre. Österreich liegt bei der Auswertung in Europa im guten Mittelfeld, seit 2000 sind die Ergebnisse laut den Schätzungen der Wissenschafter leicht über dem OECD-Schnitt.

Das Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital wird von den Instituten für Demographie der Universität Wien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) sowie dem Internationalen Institut für Angewandte System Analyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien getragen.

Service: http://pure.iiasa.ac.at/id/eprint/16477/

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