Natur & Technik

Versuch mit Weizensamen zeigte reduzierte Abbautätigkeit im Boden © APA (dpa)
Versuch mit Weizensamen zeigte reduzierte Abbautätigkeit im Boden © APA (dpa)

APA

Saatgut-Behandlung mit Pestiziden wirkt auf Bodenorganismen

13.03.2017

Die Behandlung von Saatgut mit Pestiziden hat nicht nur Folgen etwa für Bienen, sondern beeinträchtigt auch Bodenorganismen. Wie Wiener Forscher in zwei Studien gezeigt haben, reduziert sich die Abbautätigkeit im Boden und die Aktivität von Regenwürmern ging zurück. Verstärkt wurden die negativen Wirkungen der Saatgut-Beizung durch Behandlung mit einem Glyphosat-Herbizid.

Landwirtschaftliches Saatgut ist häufig mit Pestiziden und Fungiziden behandelt, um die jungen Pflanzen vor Insektenfraß oder Pilzerkrankungen zu schützen. In Verruf geraten sind dabei Neonicotinoide, die mit dem Massensterben der Bienen in Europa in Zusammenhang gebracht werden und daher von der EU-Kommission 2013 teilweise verboten wurden. Zusätzlich zur Saatgut-Beizung werden auf den Äckern weitere Pestizide etwa zur Unkrautkontrolle ausgebracht.

Um die bisher unklaren Wirkungen dieser unterschiedlichen Pestizidgruppen auf Bodenorganismen zu erforschen, haben Wissenschafter der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien zwei Glashausversuche durchgeführt. In einem Experiment wurden in 28 Liter fassenden, mit Regenwürmern bestückten Versuchstöpfen Weizensamen, die mit Insektiziden und Fungiziden gebeizt waren, in der praxisüblichen Saatstärke angesät. Nach der Ernte wurde in einem zweiten Experiment in der selben Erde erneut gebeiztes Saatgut angesät und später noch ein Glyphosat-Herbizid ausgebracht.

Es zeigte sich, dass verschiedene Bodenorganismen unterschiedlich reagieren: Nach einmaliger Aussaat mit gebeiztem Saatgut zeigten Springschwänze und Bodenmikroorganismen eine erhöhte Aktivität. "Die Springschwänze vermieden tiefere Bodenschichten und tummelten sich vermehrt an der Oberfläche", sagte Johann Zaller vom Institut für Zoologie der Boku gegenüber der APA. Durch die Beizung würden auch Nährstoffe in den Boden kommen, die zu einer Stimulierung der Mikroorganismen führen könnten. Dennoch war die Abbautätigkeit im Boden reduziert. Regenwürmer blieben nach dem ersten Experiment unbeeinflusst.

Aktivität der Regenwürmer ging zurück

Nach der zweiten Aussaat von gebeiztem Saatgut ging dagegen die Aktivität der Regenwürmer zurück, während die Mikroorganismen im Boden unverändert blieb, "die haben sich offensichtlich bereits an das neue Milieu angepasst". Als "vielleicht wichtigstes Ergebnis" der in den Fachjournalen "BMC Ecology" und "Frontiers in Plant Science" veröffentlichten Studien bezeichnete Zeller, dass die negative Wirkung der Saatgut-Beizung speziell auf die Regenwürmer durch Glyphosat-Herbizide noch verstärkt wurde. Solche Kreuzwirkungen würden bei der Zulassung von Pestiziden nicht untersucht, "man konzentriert sich nur auf einzelne Wirkstoffe, wie mehrere davon sich beeinflussen, ist ein komplett weißer Fleck".

Der Ökologe gibt zu bedenken, dass diese Effekte von nur 18 gebeizten Weizenkörnern in relativ großen Versuchstöpfen ausgelöst wurden. Zudem würden sich in der Praxis die Pestizide durch jährliche Anwendungen im Boden ansammeln und könnten dort langfristig wirken.

Service: http://dx.doi.org/10.1186/s12898-016-0092-x; https://doi.org/10.3389/fpls.2017.00215

STICHWÖRTER
Forschung  | Chemische Industrie  | Ackerbau  | Wien  | Wissenschaft  | Wirtschaft und Finanzen  | Branchen  | Agrar  |
Weitere Meldungen aus Natur & Technik
APA
Partnermeldung