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Neobiota wie Aga-Kröte führen zu sozio-ökonomischen Problemen © APA (dpa)
Neobiota wie Aga-Kröte führen zu sozio-ökonomischen Problemen © APA (dpa)

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Eingeschleppte Arten: Neues Schema misst Auswirkungen auf Mensch

10.08.2017

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 28/2017 und nicht zwingend tagesaktuell

Anhand eines Einstufungssystems, das eine Forschergruppe mit österreichischer Beteiligung entwickelt hat, können die Auswirkungen eingeschleppter Arten auf den Menschen erstmals objektiv eingeschätzt werden. Die im Fachblatt "Methods in Ecology and Evolution" vorgestellte Methode soll bei der Bekämpfung schädlicher Neulinge in Gebieten helfen, in denen sie ursprünglich nicht heimisch sind.

Vor allem durch Aktivitäten des Menschen hat sich der Austausch von Tieren, Pflanzen oder auch Krankheitserregern zwischen den Regionen in den vergangenen Jahrhunderten sprunghaft erhöht. Für Forscher, die sich mit dem Phänomen invasiver Arten beschäftigen, stellt die Entdeckung Amerikas 1492 den Ausgangspunkt dieser Entwicklung dar. Durch den globalisierten Warenverkehr und den weltumspannenden Tourismus hat sie sich in den vergangenen Jahrzehnten nochmals stark beschleunigt. "Das betrifft natürlich auch Österreich", sagte der an der Arbeit beteiligte Biodiversitätsforscher der Universität Wien, Franz Essl, zur APA.

Probleme vor allem für Menschen oder Natur

Schwierig gestaltet sich der Umgang mit den sogenannten Neobiota in ihrer neuen Heimat. Die Beantwortung der Frage, ob und wie aktiv gegen Eindringlinge wie die asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) in Europa oder die berüchtigte Aga-Kröte (Rhinella marina) in Australien aktiv vorgegangen werden sollte, ist vielschichtig. Probleme können jedenfalls vor allem den Menschen oder die Natur (andere Arten und Lebensräume) betreffen. So hat beispielsweise die Aga-Kröte die Kleintierfauna Australiens stark dezimiert. Für die Auswirkungen auf die Umwelt durch Neobiota hat das Team bereits vor zwei Jahren ein Bewertungssystem (EICAT) entwickelt, das mittlerweile breite Anwendung findet.

Für den Menschen bringt etwa die Tigermücke einige Ärgernisse mit sich. Denn anders als angestammte Gelsen-Arten sticht sie beispielsweise gerne untertags. Viel gefährlicher ist jedoch, dass sie als Überträgerin gefährlicher Krankheiten wie Denguefieber fungieren kann. Essl sowie Wolfgang Rabitsch vom Umweltbundesamt geht es in ihrer aktuellen, von Schweizer Kollegen geleiteten Arbeit daher darum, "objektivierbare Kriterien zu finden, die es erlauben, diese Auswirkungen nachvollziehbar zu beurteilen", so Essl zu dem neuen auf den Menschen fokussierten Bewertungssystem (SEICAT).

Manko rein wirtschaftlicher Bewertungssysteme

Das Ausmaß der Veränderungen für menschliche Aktivitäten wird dort auf einer 5-Punkte-Skala erfasst. Inhaltlich geht es auch um die Einschränkung, die invasive Arten für das menschliche Wohlbefinden mit sich bringen - von der Gesundheit über die materielle Situation und Sicherheit bis hin zu sozialen und kulturellen Belangen. Diese würden von rein wirtschaftlich orientierten Bewertungssystemen übersehen, wie es in einer Aussendung des deutschen Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei heißt.

Auf Basis der Bewertungen sollten dann auch politische Maßnahmen getroffen werden - etwa wenn sich zeigt, dass eine weitere Ausbreitung große negative Effekte mit sich brächte. Für Österreich haben die Wissenschafter SEICAT noch nicht flächendeckend angewandt. Klar sei aber, dass hier beispielsweise der aus Nordamerika stammende Maiswurzelbohrer, das bei Pollenallergikern gefürchtete, ebenfalls aus Nordamerika kommende Ragweed (Ambrosia artemisiifolia) oder der für das Eschensterben verantwortliche eingeschleppte Schlauchpilz Hymenoscyphus fraxineus nicht gut aussteigen würden.

Service: http://dx.doi.org/10.1111/2041-210X.12844

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