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Atmosphärenforscher Thomas Karl: "Luftreinhaltegesetze wirken" © Uni Innsbruck
Atmosphärenforscher Thomas Karl: "Luftreinhaltegesetze wirken" © Uni Innsbruck

APA

Forscher erschnüffelten Bukett der Innsbrucker Innenstadt

25.01.2018

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 03/2018 und nicht zwingend tagesaktuell

Vom Duft frischer Semmeln bis zum Verkehrsgestank sind viele Geruchsstoffe "flüchtige organische Verbindungen". Innsbrucker Forscher haben sie allesamt in der Innenstadt gemessen und so deren momentanes Gesamtbukett festgehalten. Der Mensch emittiert viel mehr solcher Stoffe, als bisher angenommen, aber keinen einzelnen in gesundheitsschädlicher Menge, erklären sie im Fachjournal "Pnas".

"Flüchtige organische Verbindungen" (englisch: volatile organic compounds, abgekürzt: VOCs) sind organische Stoffe, die leicht verdampfen und daher schon bei Umgebungstemperatur als Gas vorliegen. Manche davon sind giftig, wie etwa solche aus Auspuffabgasen oder die Lösungsmittel Benzol und Toluol, erklärte Studienleiter Thomas Karl vom Institut für Atmosphären- und Kryosphärenwissenschaften der Universität Innsbruck im Gespräch mit der APA: "Man versucht sie aber auch generell niedrig zu halten, weil VOCs zur bodennahen Ozonproduktion beitragen."

Deshalb sei es nicht gerade positiv zu beurteilen, dass die Gesamtmenge der städtischen Emissionen bisher deutlich unterschätzt wurde. Rechnet man die Messergebnisse aus Innsbruck auf die ganze Welt um, wären die VOC-Emissionen in den Städten mindestens doppelt so hoch, als man bisher geschätzt hat. Weil dadurch auch mehr Feinstaub in der Atmosphäre ist, was wiederum die Wolkenbildung beeinflusst, müssten nun auch die regionalen und globalen Klimamodelle angepasst werden.

VOC-Emissionen aus dem Verkehr stark zurückgegangen

Allerdings zeigen die Messungen auch, dass die VOC-Emissionen aus dem Verkehr in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen sind, erklärte Karl: "Hier sieht man, dass die Luftreinhaltegesetze wirken." Auch die schädlichen Lösungsmittel Benzol und Toluol seien im Beobachtungszeitraum (Juli bis Oktober 2015) selten in den Messdaten aufgetaucht. Dies sei auf EU-Verordnungen zurückzuführen, wonach zum Beispiel bei Farben statt giftigen organischen Lösungsmitteln wasserlösliche Stoffe verwendet werden müssen. "Es gibt keine einzige Komponente dieser flüchtigen organischen Verbindungen, bei der man bedrohlich nah am Grenzwert ist und sich deshalb Gedanken machen müsste, wie man sie wegbekommt", sagte Karl.

Die meisten dieser Stoffe seien ohnehin unbedenklich, zum Beispiel wurden viele flüchtige Verbindungen aus Kosmetika, Wasch- und Putzmitteln gefunden. Einen großen Anteil hatten auch Stoffe aus der Lebensmittelproduktion, also etwa vom Kochen, Kaffeerösten und Backen, berichtete er. Dazu mischen sich etwa flüchtige Verbindungen aus der Klinik, was der Stadt einen speziellen Geruch verleiht, der gleich einem Fingerabdruck charakteristisch sei.

Gemessen haben die Forscher der Uni Innsbruck die VOCs mit einem speziell entwickelten "Protonentausch-Transfer-Reaktions-Massenspektrometer", das Spurengase auch in geringsten Konzentrationen "erschnüffelt", erklären sie in einer Aussendung. Indem sie die Konzentration der Spurengase in Abhängigkeit von der Strömungsrichtung ermittelten, konnten sie die Emissionsquellen im Umkreis von einem Kilometer des Unicampus nahe der Innsbrucker Innenstadt orten.

Service: http://dx.doi.org/10.1073/pnas.1714715115

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