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Initiative will Eindrücke des wissenschaftlichen Arbeitens im Feld vermitteln © APA (Gindl)
Initiative will Eindrücke des wissenschaftlichen Arbeitens im Feld vermitteln © APA (Gindl)

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Sozialforscher wollen ihre Arbeit "selbst erzählen"

25.01.2018

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 03/2018 und nicht zwingend tagesaktuell

Die Wissenschaft arbeitet vielerorts an einer neuen "Beziehung" zur Gesellschaft - sei es aufgrund politischer Vorgaben oder aus eigenem Bedürfnis heraus. Sozialwissenschafter der Universität Wien wollen auf einer neuen Online-Plattform eine neue Verbindung schaffen, indem sie dort Geschichten "selbst erzählen", wie Projektleiterin Ulrike Felt der APA sagte.

Dem Thema "Verantwortungsvolle Forschung und Innovation" (Responsible Research and Innovation, RRI) widmet man sich an der Uni Wien beispielsweise seit 2016 verstärkt im Rahmen einer fächerübergreifenden Forschungsplattform, die ebenfalls von Felt geleitet wird. Der Fokus liege hier jedoch u.a. darauf, wie die "Reflexion über Gesellschaft in die Wissenschaft hineingebraucht werden kann", so die Wissenschaftsforscherin. Die "Societal Impact-Plattform" (impact-sowi.univie.ac.at) richte sich jedoch direkt an Interessierte auch außerhalb des Wissenschaftsbetriebs.

"Was die Sozialwissenschaften von vielen anderen Fächern unterscheidet, ist, das wir meistens schon in den Projekten selbst sehr viel Interaktion mit den Menschen haben. Den Forschungsprozess selbst und wie wir dort quasi mit der Gesellschaft interagieren, versuchen wir ein Stück näher darzustellen und zu kommunizieren", sagte Felt. Die zum Start sieben Beiträge sollen vor allem den Weg eines Projekts beleuchten und den Fokus ein wenig von der Konzentration auf das Ergebnis wegrücken.

Unsichtbares Wissen soll dargestellt werden

Außerdem möchte man mit "Erzählungen" aus der Kultur- und Sozialanthropologie, Politikwissenschaft, Publizistik, Kommunikationswissenschaft, Soziologie sowie aus der Pflegewissenschaft und der Wissenschafts- und Technikforschung das oftmals "ein bisschen unsichtbare" Wissen aus diesen Disziplinen darstellen. Ansprechen will man auch junge Menschen, die sich für ein Studium interessieren bzw. Studienanfänger sowie die Politik und Medien. So soll ein Eindruck davon entstehen, wie wissenschaftliche Arbeit im Feld aussieht und wie unterschiedlich diese Art der Forschung beispielsweise von der Arbeit im Labor ist. Felt: "Wenn wir immer wieder sagen, wie wichtig Sozialwissenschaften sind, um Gesellschaft zu verstehen, ist es auch wichtig zu erklären, wie dieses Wissen zustande kommt."

Auf der Plattform soll auch Platz für Projekte sein, die nicht von großen Forschungsfördereinrichtungen unterstützt werden, sowie für solche, die im Auftrag Dritter durchgeführt werden, erläuterte die Dekanin für Sozialwissenschaften. Pro Semester sollen zwei neue Beiträge online gestellt werden. Über die Website will man mit Interessenten in Kontakt treten. Felt: "Das sind die Chancen des Internets - wir nutzen das noch zu wenig."

Dass sich die Wissenschaft noch stärker als Teil der Gesellschaft begreift und mit ihr in Kontakt kommt, habe etwa in Nordeuropa bereits eine lange Tradition. In Österreich sei man hier "ziemlich spät dran", sagte die Wissenschaftsforscherin. Je stärker sich die Wissenschaft spezialisiert, desto größer sei die Gefahr, dass sie auch von der Gesellschaft weg rücke, und umso dringender werde es, "dem Ganzen wieder in einem gesellschaftlichen Kontext Sinn zu geben", betonte Felt. Trotzdem müsse man aufpassen, dass es nicht zu einer Verarmung kommt, wenn nämlich nur noch Dinge geforscht werden, die unmittelbar umsetzbar sind.

Service: Webplattform: impact-sowi.univie.ac.at

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