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Fossilien lagen seit rund 150 Jahren weitgehend unerforscht im NHM © Screenshot youtu.be/BrdwIQKPCHY
Fossilien lagen seit rund 150 Jahren weitgehend unerforscht im NHM © Screenshot youtu.be/BrdwIQKPCHY

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Rätsel um Phantom-Dicynodont mittels historischer NHM-Sammlung gelöst

21.03.2018

In den 1950er-Jahren wurden in Afrika direkt neben Dinosaurier-Spuren Abdrücke entdeckt, die jenen von Dicynodonten ähnelten. Weil diese Reptilien ihre Blüte lange vor den Dinos hatten, gab es Zweifel, dass sie parallel lebten. Ein US-Paläontologe hat nun mit einer historischen Sammlung des Naturhistorischen Museums Wien das Rätsel gelöst und dabei gleich eine neue Dicynodonten-Art beschrieben.

Dicynodonten zählen zu den frühen Vorfahren der Säugetiere und hatten ihre große Zeit vor 260 Mio. Jahren. Die meisten davon waren nach dem größten Massenaussterben der Erdgeschichte an der Wende vom Perm zur Trias vor 252 Millionen Jahren verschwunden.

Als dann in den 1950er-Jahren im südlichen Afrika Dicynodont-ähnliche Fußabdrücke neben Dinosaurier-Spuren entdeckt wurden, "waren diese so fehl am Platz, dass ihnen als Beweis für das Überleben von Dicynodonten keine Beachtung geschenkt wurde", so der Paläontologe Christian Kammerer vom North Carolina Museum of Natural Sciences in Raleigh (USA) in einer Presseaussendung. Schließlich kamen die Dinos erst vor 235 Mio. Jahren auf, es konnte sich also nur um einen "Phantom-Dicynodont" handeln.

Entscheidender Hinweis in Sammlung entdeckt

Doch Kammerer ist sich sicher, dass Dicynodonten mit frühen pflanzenfressenden Dinosaurieren koexistierten, wie er im Fachjournal "Palaeontologia africana" berichtet. Die entscheidenden Hinweise hat er in einer Sammlung von Fossilien entdeckt, die seit rund 150 Jahren weitgehend unerforscht im Naturhistorischen Museum (NHM) Wien lagerte.

Gesammelt wurden die Fossilien in den 1870er-Jahren vom Amateur-Paläontologen Alfred "Gogga" Brown in Südafrika. Jahrelang hatte er mit wenig Erfolg versucht, europäische Forscher für seine Funde zu interessieren. Er schickte Material nach London und Paris, die dort aber auf kein besonderes Interesse stießen, wie Mathias Harzhauser, Leiter der Geologisch-Paläontologische Abteilung am NHM, gegenüber der APA erklärte. In Wien schien er mehr Erfolg zu haben, 1876 und 1886 kam Fundmaterial von Brown ans NHM, als Gegenleistung wurde er Mitglied der k.k Geographischen Gesellschaft.

Schließlich hat sich auch in Wien kaum jemand für seine Funde interessiert. Das mag daran liegen, dass das Material "sehr unattraktiv ist", so Harzhauser. "Das Präparieren dieser roten, wahnsinnig harten Klumpen aus Sandstein ist ein Alptraum, weil die Knochen wesentlich weicher als das Material rundherum sind; es vergehen Hunderte Stunden, bis man das vernünftig präpariert hat."

Neue Fragestellung

Wohl deshalb sei das Material so lange im Dornröschenschlaf gelegen. Bis Kammerer gekommen ist und sich die Funde mit einer neuen Fragestellung angeschaut hat - "was die Bedeutung von solchen historischen Sammlungen zeigt", so Harzhauser.

"Ich wusste, dass die Brown-Sammlung in Wien weitgehend unerforscht war und es gab allgemeine Übereinstimmung, dass es sich nur um Dinosaurierfossilien aus der späten Trias handelt", so Kammerer. Doch zu seiner Überraschung entdeckte der Paläontologe unter den vermeintlichen Dino-Knochen zahlreiche Überreste von Dicynodonten, darunter Teile des Schädels, der Gliedmaßen und der Wirbelsäule.

Bis zu Kammerers Entdeckung waren die Fußabdrücke neben den Dino-Spuren der einzige Hinweis auf einen Dicynodonten aus der späten Trias (vor 235 bis 201 Mio. Jahren) - wie zweifelhaft ihre Herkunft war, zeigt der Name, den man ihnen gegeben hatte: "Pentasauropus incredibili", der "unglaubliche Fünf-Zehen-Eidechsen-Fuß". Kammerer hat dagegen den von ihm in der NHM-Sammlung neu beschriebenen Dicynodonten in Erinnerung an den ursprünglichen Entdecker "Pentasaurus goggai" genannt.

Service: https://hdl.handle.net/10539/24148; Video zu der Arbeit: https://youtu.be/BrdwIQKPCHY

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