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Forschung und Entwicklung rund um Nahrung thematisiert © APA (ERWIN SCHERIAU)
Forschung und Entwicklung rund um Nahrung thematisiert © APA (ERWIN SCHERIAU)

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Lebensmittel im Mittelpunkt: Symposium diskutierte Zukunft des Essens

06.09.2019

Was haben ein Steak, ein Smartphone und ein Schimmelpilz gemeinsam? Sie alle wurden am 5. September beim "food & feed 4.0"-Symposium im niederösterreichischen Schloss Grafenegg diskutiert. Bei der von der Wirtschaftsagentur Ecoplus sowie der ERBER Group veranstalteten Konferenz sprachen internationale Experten über zukunftsträchtige Ideen und Herausforderungen der Lebensmittelindustrie.

Gleich zu Beginn der sieben Vorträge stand das Thema Fleisch im Mittelpunkt. Während ein immer größerer Anteil der Weltbevölkerung ihren Fleischkonsum verringern, um den Klimawandel nicht noch stärker voranzutreiben, drängte Wirtschaftsforscher und Unternehmer Peer Ederer zwar nicht unbedingt in die entgegengesetzte Richtung, aber doch dazu, den westlichen Vegetarismus zu überdenken. "Umso mehr fleischliches Protein, desto besser", so Ederer. Die Treibhausgasemissionen von europäischen Rindern seien sehr viel geringer als die von afrikanischen, stellte er infrage, wie sehr die Fleischproduktion tatsächlich zum Treibhausgasausstoß beiträgt.

Auch David Hughes, emeritierter Professor für Nahrungsmittel-Marketing des Imperial College in London, sprach in seinem Vortrag "Driving the protein economy: Unprecedented challenges and opportunities" über Fleisch und die Herausforderung, einer wachsenden Weltbevölkerung genügend Eiweiß zur Verfügung stellen zu können, ohne der Erde zu schaden. "Die Welt der Eiweißstoffe expandiert eindeutig, die Konsumenten interessieren sich mehr und mehr für pflanzliche Alternativen", so der Experte. "Sie sind eine klare Konkurrenz für die Tierzüchter und Fleischindustrie."

Mykotoxine, unbekanntes Gift

Mehrfach aufgegriffen wurde auch die Thematik der Mykotoxine, beispielsweise von Rudolf Krska, Leiter des Instituts für Bioanalytik und Agro-Metabolomics der Universität für Bodenkultur und Kurator des Symposiums. "Während Pestizide alle kennen und fürchten, sind Mykotoxine trotz weit größerer Toxizität in der Öffentlichkeit kaum bis nicht bekannt", betonte der Chemiker die Gefahr, die von diesen Stoffwechselprodukten von Schimmelpilzen ausgeht. Durch die Klimaerwärmung sei mit einem Anstieg der Stoffe zu rechnen, die nicht nur die Landwirtschaft sondern auch die Gesundheit der Tiere schädigen können.

Gefahr im Darm von Kuh und Co. witterten auch Franz Waxenecker und Gerd Schatzmayr von der BIOMIN Holding. "Störungen der Darmgesundheit sind die häufigste Krankheitsursache bei Nutztieren", erklärte Waxenecker. BIOMIN führt dazu ein umfangreiches, weltweites Mykotoxin-Monitoring-Programm durch, aus den daraus resultierenden Big-Data-Sets wurde ein Prognosemodell entwickelt, das vor den Giftstoffen warnen soll.

Digitalisierung, Sicherheit und Integrität

Die Digitalisierung ist mittlerweile auch in der Nahrungsmittelbranche angekommen. So arbeitet beispielsweise Michel Nielen, Leiter des EU Marie Curie Innovative Training Networks "Foodsmartphone" und Professor der niederländischen Wageningen Universität, an der Entwicklung von "Food-Smartphones", mit deren Hilfe Nutzer ganz einfach Qualität und Sicherheit der von ihnen konsumierten Lebensmittel und Speisen kontrollieren können.

Dem Untertitel der Veranstaltung, "sichere Lebensmittel für die Zukunft", widmete sich auch Eva Wanzenböck, Geschäftsführerin von Romer Labs, Anbieter diagnostischer Lösungen für die Lebens- und Futtermittelindustrie, mit denen Allergene in Produkten nachgewiesen werden können. Kontrolle und Transparenz der Lieferkette standen im Mittelpunkt ihres Vortrages, der sich mit der Produktion allergenfreier Lebensmittel beschäftigt. "Totale, weltweite Lebensmittelsicherheit ist unmöglich, da Fehler nie ausgeschlossen werden können", so die Expertin. Die allergenfreie Produktion stelle die Industrie vor eine Herausforderung, auch weil die Zahl der Allergiker zunimmt.

Lebensmittel sollen aber nicht nur sicher, sondern auch integer sein - zumindest wenn es nach dem britischen Ernährungssicherheitsexperten Chris Elliott geht. In "The challenges in the integrity of the world's food supply chain" sprach er über die "Lebensmittel-Integrität", einen von ihm eingeführten Begriff, der die Lebensmittelsicherheit um die Aspekte der Nachhaltigkeit und der Ethik ergänzen soll. "Wir versuchen gerade, unsere gesamten Forschungsprogramme hier an der Queens University in Irland zu überdenken und für die gesamte Insel einen Weg zu finden, von der Nahrungsmittelsicherheit mehr in Richtung der umfangreicheren Nahrungsmittelintegrität zu kommen", beschrieb Elliott seine Forschungsarbeit an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik.

Abgerundet wurden die Vorträge von einer Diskussionsrunde mit Martin Wagner, dem wissenschaftlichen Leiter des Austrian Competence Centre for Feed and Food Quality Safety and Innovation (FFoQSI), sowie einem klassischen Konzert des Königlichen Concertgebouw-Orchester Amsterdam und Bratschistin Tabea Zimmermann.

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