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Virtueller Rundflug über zerstörtes Eisenerz © APA (Kolb)
Virtueller Rundflug über zerstörtes Eisenerz © APA (Kolb)

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Steirische Erdbebenübung - High Tech hilft und führt Einsatzkräfte

19.09.2019

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 33/2019 und nicht zwingend tagesaktuell

Die Erdbebenübung "Ironore 2019" im steirischen Raum Eisenerz steckt nicht nur voller Einsatzbereitschaft der großteils freiwilligen Bergungskräfte, sondern auch voller High Tech. Daran beteiligt sind das Rote Kreuz, das Austrian Institute of Technology (AIT) und die niederländische Firma XVR Simulation. So ist für Einsatzkräfte ein virtueller Überflug über das "teils zerstörte" Eisenerz möglich.

Das Rote Kreuz verwendet bei der Übung ein Führungssimulationssystem, mit dem die Einsatzkräfte in den diversen Stäben in Echtzeit verschiedene Lagen "vorgespielt" bekommen. Eisenerz wurde komplett digitalisiert, sodass es aus jeder beliebigen Lage, auch aus der Luft, etwa von einer Drohne oder einem Hubschrauber aus visualisiert werden kann. So kann etwa die Tankstelle im Ort "in Brand gesetzt" werden, ein Switchen von Tag und Nacht ist ebenfalls möglich. Der übende Katastrophenschützer erhält eine Virtual Reality-Brille, die es ihm ermöglicht, mit den dort "aktiven" Einsatzkräften zu kommunizieren.

Diese virtuellen Figuren wiederum werden von Rollenspielern bedient und interagieren und sprechen in Echtzeit. "80 Prozent der Bewegungen der Rollenspieler im VR sind vorbereitet, der Rest wird improvisiert", sagte Steven van Campen von der niederländischen Entwicklerfirma XVR Simulation zur APA. "Der Instrukteur ist gleichzeitig auch der Rollenspieler", sagte der Niederländer. 74 virtuelle Einsatzkräfte hat man so in petto. Indem sich der Rollenspieler etwa als fremdsprachig darstellt, kann man den Übungs-Druck auch individuell erhöhen, sagte Rotkreuzmann Markus Karlseder: "Es ist unglaublich, was da alles möglich ist."

Experten sind beeindruckt

Von der Echtheit der Simulation konnte sich der steirische Katastrophenschutzreferent Michael Schickhofer (SPÖ) selbst überzeugen. Er nahm mittels VR an einem Hubschrauberrundflug über dem teils vom Beben der Stärke 6,8 zerstörten Eisenerz teil - und zeigte sich tief beeindruckt von den Möglichkeiten. So konnte er virtuell etwa unmittelbar an das teils eingestürzte Gemeindeamt der Erzberg-Stadt herangehen und dabei sogar die Einsatzfahrzeuge und die Bevölkerung "sehen".

Ein weiteres Asset ist eine Software, die dem Einsatzführer vom Roten Kreuz das sofortige "Einpflegen" eintreffender Hilfseinheiten in die EDV-gestützte Evidenz und Einsatzführung ermöglicht - in Personalstärke, Verfügbarkeit und mit allen Fahrzeugen und Geräten. Auch ein Personalerfassungssystem wird bespielt - damit können Vermisste und Verletzte besser erfasst werden.

Digitales Lagebild entsteht

"Driver+" - ein Projekt des AIT - umfasst Digitallösungen für Einsatzkräfte. Sie testen selbst ihre Abläufe und Kapazitäten. Die Daten werden in "Driver+" und für ein digitales Lagebild verwendet, das wiederum den Einsatzkräften bei der optimalen Planung und Bewältigung der Katastrophenschutzübung hilft. "Driver+" steht für Driving Innovation in Crisis Management for European Resilience und ist ein von der Europäischen Union finanziertes Projekt, das die Akteure des Krisenmanagements dabei unterstützt, die besten Wege zur Bewältigung von Katastrophen wie eben dem angenommenen Erdbeben im Raum Eisenerz zu finden.

Ein Teil davon ist der Crowd-Tasker des AIT. Damit kann eine große Anzahl von nicht-institutionellen - zum Beispiel spontanen oder vorregistrierten - Freiwilligen mit anpassbaren Aufgaben beauftragt werden.

Den Übenden wird auch ein System virtueller sozialer Medien geboten, in dem verschiedene Übungs-Szenarien gestreut werden, von Gerüchten bis Echt-Informationen. Der EU-Beobachter Jose Almodovar Araez zeigte sich von der Übung sehr angetan: "Das ist wirklich sehr nahe an der Realität."

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