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V.l. Hellmut Samonigg, Wolfgang Fleischhacker und Markus Müller © APA
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Rektoren: Verdoppelung der Medizin-Plätze "völlig falsch"

26.09.2019

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 34/2019 und nicht zwingend tagesaktuell

Die Rektoren der drei österreichischen Medizin-Universitäten halten die unter anderem von ÖVP-Spitzenkandidat Sebastian Kurz erhobene Forderung nach einer Verdoppelung der Medizin-Studienplätze für einen "völlig falschen Ansatz". Österreich habe genügend Ärzte - die Probleme bei der ärztlichen Versorgung entstünden an anderen Stellen, hieß es bei einer Pressekonferenz.

Hauptproblem: Stadt-Land-Verteilung

Österreich bilde im internationalen Vergleich überdurchschnittlich viele Studenten aus, betonte etwa der Rektor der Medizin-Uni Wien, Markus Müller. Allein die Medizin-Uni Wien nehme pro Jahr mehr Studenten auf als die Harvard Medical School insgesamt Studenten habe. "Österreich hat de facto genügend Ärzte. Wir haben aber Verteilungsprobleme zwischen ländlichem und städtischem Bereich und ein Verteilungsproblem, was verschiedene Disziplinen betrifft - etwa Allgemeinmedizin in ländlichen Gegenden. Das Problem wird nicht vor, sondern erst nach dem Studium erzeugt."

"Es gibt ein zentrales Missverständnis von politischer Seite", betonte der Rektor der Medizin-Uni Innsbruck, Wolfgang Fleischhacker. "Eine Verdoppelung der Plätze bringt keine einzige zusätzlich Landärztin ins Waldviertel oder ins Lesachtal." Der Hauptgrund für die abnehmende Attraktivität Österreichs für Jungärzte seien fehlende Basisausbildungsplätze nach dem Studium. Hierzulande würden Absolventen auf einen Platz warten müssen. "In Garmisch-Partenkirchen, das sind 45 Autominuten von uns, können sie am Montag nach dem Abschluss anfangen."

Ungeliebte Kassenmedizin und mangelndes Pflegepersonal

Dazu käme die mangelnde Attraktivität von Kassenstellen, so Müller. Viele Ärzte wollten keine "Drei-Minuten-Medizin" praktizieren, als Landarzt für einen Hausbesuch auf einer entfernten Alm mit im Schnitt 30 Euro abgespeist werden und ihre Kinder in einem Umfeld ohne Kindergarten aufwachsen lassen. "Das Wahlarztproblem wird nicht dadurch gelöst, dass wir mehr Studenten ausbilden", so auch Fleischhacker.

Für "nahezu absurd" hält auch der Grazer Rektor Hellmut Samonigg eine Verdoppelung der Plätze. Diese Forderung solle nur von allem ablenken, was bisher versäumt wurde. Selbst wenn man sie realisiere, wären die ersten Absolventen dieser Maßnahme frühestens in elf Jahren einsatzfähig. "Dann ist die anstehende Pensionierungswelle längst vorbei." Tatsächlich ein "dramatisches" Problem sei dagegen die Unterversorgung mit Pflegekräften, so Müller und Samonigg.

Österreich als Standort unattraktiv

Und schließlich müsse Österreich an der Standortqualität arbeiten. Laut AMS seien in Österreich knapp 500 Ärzte als arbeitslos gemeldet, Österreich sei ein Netto-Exporteur von Ärzten, so Samonigg. In der Schweiz seien 35 Prozent der dort tätigen Ärzte im Ausland ausgebildet worden, in Österreich liege dieser Prozentsatz bei vier Prozent, betonte Müller.

Auf ein soziales Problem verwies der Rektor der Universität Linz, die auch über eine Medizin-Fakultät verfügt. Mit längeren Wartezeiten bei Kassenärzten sowie mehr Wahlärzten könne das Einkommen über einen raschen Zugang zur medizinischen Versorgung entscheiden, betonte Meinhard Lukas in einer Aussendung. Diese Entwicklung mache der Politik zu Recht Sorge. "Bevor allerdings über neue Studienplätze nachgedacht wird, sind Systemfragen anzugehen. Es braucht genügend Ausbildungsplätze für StudienabsolventInnen, die im europäischen Vergleich attraktiv sind. Ansonsten wandern unsere AbsolventInnen ins Ausland ab."

Auch Ärztekammer dagegen

Auch die Ärztekammer spricht sich gegen eine Verdoppelung der Medizin-Studienplätze aus. Vielmehr müssten die Arbeits- und Rahmenbedingungen für Ärzte verbessert werden, so Präsident Thomas Szekeres zur APA.

Von zehn Medizin-Absolventen würden derzeit nur sechs in Österreich zu arbeiten beginnen. "Wenn wir die Platzzahl verdoppeln, produzieren wir für das Ausland. In Deutschland und der Schweiz gibt es zu wenige Absolventen. Die würden sich freuen", meinte Szekeres.

"Ich muss die Arbeitsbedingungen verbessern und die Rahmenbedingungen, damit die Kollegen nicht ins Ausland gehen bzw. von dort wieder zurückkommen", so der Kammerpräsident. So brauche es etwa auch Modelle für eine erleichterte Teilzeittätigkeit.

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