Natur & Technik

Im April fing SEIS die ersten Erschütterungen auf © APA/AFP/Nasa/JPL-Caltech/Handout
Im April fing SEIS die ersten Erschütterungen auf © APA/AFP/Nasa/JPL-Caltech/Handout

APA

Forschende lauschen dem Brummen des Mars

02.10.2019

Es braucht schon ein sehr feines Ohr, um die Geräusche des Marsinneren aufzufangen. Ein solches hat die stationäre Mars-Sonde "InSight" der NASA mit dem "Seismic Experiment for Interior Structure" (SEIS) dabei. Forschende der ETH Zürich haben das Seismometer maßgeblich mitentwickelt und sind an der Datenanalyse beteiligt.

Im April war es soweit, SEIS fing die ersten Erschütterungen auf, die das Forschungsteam als Marsbeben interpretierten. Mittlerweile hat das Gerät über 100 Ereignisse aufgezeichnet, 21 davon sind sehr wahrscheinlich weitere Beben. Bei den restlichen Ereignissen kommen auch andere Erklärungen in Frage.

Am Dienstag (Ortszeit) veröffentlichte die NASA zwei Tonspuren von Marsbeben, die SEIS am 22. Mai und am 25. Juli aufgefangen hat. Um die Erschütterungen fürs menschliche Ohr über Kopfhörer hörbar zu machen, musste die Tonspur beschleunigt und etwas bearbeitet werden, wie es in einer Mitteilung des "Jet Propulsion Lab" der NASA in Pasadena hieß. Zu hören ist ein sehr tiefes Brummen, durchbrochen von gelegentlichem Knacken.

Beben in Wellenform

Die Wellenform der Beben lasse darauf schließen, dass die Marskruste einer Mischung der Erd- und der Mondkruste entspricht. Risse in der Erdkruste schließen sich mit der Zeit, indem Wasser Mineralien einträgt und ablagert. Die seismischen Wellen können somit ungehindert durch alte Risse laufen. Trockenere Krusten wie die des Mondes bleiben rissig durch Beben und Meteoriteneinschläge. Die Wellen werden gestreut und wandern deshalb über lange Zeiträume, teils mehrere Dutzend Minuten. Auf der Erde kommen und gehen Beben innerhalb von Sekunden.

Der Mars liegt ungefähr dazwischen, scheint aber etwas Mond-ähnlicher mit seiner zerklüfteten Oberfläche. Marsbeben halten rund eine Minute oder auch länger an.

Auch Windstöße zu hören

Weil das Seismometer extrem sensitiv ist, sammelt es auch andere Geräusche. Gerade dieses Hintergrundrauschen mache die Anwesenheit von InSight auf dem Roten Planeten für die beteiligten Forschenden noch realer, schrieb die NASA. Beispielsweise verursache der Roboterarm der Sonde bei jeder Bewegung ein Geräusch, auch Windstöße sind zu hören, obwohl das Seismometer unter einer Schutzhaube auf der Marsoberfläche sitzt.

In den Abendstunden höre man auch, was das SEIS-Team "Dinks and Donks" getauft habe: Beim Abkühlen in den Abendstunden verziehen sich Bestandteile des Seismometers gegeneinander und machen Geräusche, ähnlich einem abkühlenden Motor nach dem Ausschalten. Auch von diesen "Dinks and Donks" veröffentlichte die NASA ein Hörbeispiel.

Mit zahlreichen wissenschaftlichen Instrumenten soll "Insight" ("Interior Exploration using Seismic Investigations, Geodesy and Heat Transport") für mindestens zwei Jahre das Innere des Mars erforschen und dabei vor allem mehr über dessen Aufbau und die Dynamik unter seiner Oberfläche in Erfahrung bringen.

Service: Nasa-Mitteilung mit Hörbeispielen: https://www.jpl.nasa.gov/news/news.php?release=2019-195

Weitere Meldungen aus Natur & Technik
APA
Partnermeldung