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"Angegriffen wird alles, was irgendwie erreichbar ist" © APA (AFP/Huguen)
"Angegriffen wird alles, was irgendwie erreichbar ist" © APA (AFP/Huguen)

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IKT-Sicherheitskonferenz - Cyber-Sicherheit reicht bis in Haushalte

03.10.2019

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 35/2019 und nicht zwingend tagesaktuell

Mit 65 Teilnehmern in Wien hat im Jahr 2002 die Internationale Sicherheitskonferenz IKT mit Fokus Cyber-Sicherheit begonnen - bei der heurigen Veranstaltung im steirischen Fürstenfeld von 1. bis 2. Oktober waren es bereits rund 2.500 Teilnehmer und fast 70 Aussteller aus 15 Nationen. Die Problematik reiche von der staatlichen Ebene bis in private Haushalte hinein, sagte Heeres-Generalstabschef Robert Brieger.

"Die internationalen Vortragenden tragen die ganze Bandbreite der Problematik an das Publikum heran. Man kann die Auswirkungen gar nicht scharf genug beschreiben und auch, was zu tun ist, um den Gefahren Paroli bieten zu können", sagte Brieger. Das Bundesheer veranstaltet die zweitägige IKT zusammen mit mehreren Industrieunternehmen aus dem IT-Bereich, IT-orientierten FH aus NÖ, OÖ und der Steiermark sowie Forschungseinrichtungen. Gleichzeitig finden in Fürstenfeld die Ausscheidungsbewerbe der "Cybersecurity Austria" statt. Zehn Teilnehmer werden Österreich bei den internationalen Cyber-Sicherheits-Wettkämpfen nächste Woche in Bukarest vertreten.

Brigadier Rudolf Striedinger, Leiter des die Konferenz mit durchführenden Abwehramtes des Heeres, geht davon aus, dass vom Thema jeder Bürger betroffen sei: "Ich nehme an, Sie alle haben schon einmal den Anhang eines Ihnen verdächtig vorkommenden Mails nicht geöffnet." Cyber-Defence hingegen sei das Thema des Militärs. "Aber das geht nicht allein und abgekoppelt von allem. Sich zu vernetzen ist der Zweck der Konferenz", sagte der Brigadier.

Gute Zusammenarbeit

Cyberkriminalität "erwirtschafte" Milliardenbeträge. Cyberterrorismus bedrohe Staaten, etwa wenn wie in Österreich staatliche Stellen z. B. durch türkische Hackergruppen angegriffen werden. "Aber die österreichische Cyberfamilie arbeitet mittlerweile gut zusammen. Grundsätzlich zuständig ist das BVT im Innenministerium mit dem Cyber Security Center. In strategischer Ausrichtung ist das Bundeskanzleramt zuständig, auch das Außenministerium ist eingebunden, Stichwort Cyber-Diplomacy", erklärte der Offizier. Zusammengearbeitet werde auch mit den diversen Computer Emergency Response Teams Austria (CERT.at). Unter dem Stichwort Wahlen gehe es auch um den Schutz des Wahlvolkes vor Manipulationen aus dem Cyberraum. Es gehe auch darum, europäisch besser zu werden und nicht auf andere große Player im Cyberraum angewiesen zu sein.

Oberst Walter Unger vom Abwehramt sagte, wichtig sei ein Problembewusstsein in allen Chefetagen. "Gegen Gefahren muss man ein starkes Netzwerk entwickeln. Angegriffen wird alles, was irgendwie erreichbar ist, Banken, Versicherungen, Private - wir haben über 400 Weltmarktführer in Österreichs Wirtschaft. Liegt deren Wissen auf ungeschützten Rechnern, muss man von einem Angriff ausgehen. Weltweit haben Nachrichtendienste den Auftrag, für die jeweilige nationale Wirtschaft zu arbeiten. Und seit den US-Wahlen weiß man, dass fremde Mächte demokratische Prozesse zu beeinflussen versuchen."

Gefährlich seien auch Angriffe auf kritische Infrastruktur, wobei man in Österreich im Gegensatz zu Deutschland noch nicht ganz genau deren Zahl erfasst habe. Cyberattacken richteten sich z. B. in Deutschland vor allem gegen die E-Wirtschaft. Die Veranstaltung werde jedenfalls zusehends verstärkt wahrgenommen - etliche Attaches der Botschaften seien zu Gast, sagte Unger zur APA.

Joe Pichlmayer von Cybersecurity Austria sagte, zu dieser Stunde matchten sich etliche Spezialisten um die Teilnahme an der European Cyber Security-Veranstaltung in Rumänien. Der Wettbewerb sei vor zehn Jahren konzipiert worden, Institutionen wie die HTL Kaindorf, FH Joanneum oder TU Graz stellen einige Teilnehmer. Das Anliegen der Veranstaltung sei es auch, in der Bevölkerung Bewusstsein zu entwickeln. "Wir sind in allen Schulen Fürstenfelds mit Fachvorträgen präsent. Am Projekt beteiligen sich auch mehrere Fachhochschulen, u.a. St. Pölten oder Hagenberg in Oberösterreich", sagte Pichlmayer.

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