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Rechtzeitige Früherkennung für Therapien wichtig © APA (Hochmuth)
Rechtzeitige Früherkennung für Therapien wichtig © APA (Hochmuth)

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Neue Therapien erhöhen Überlebensrate bei Hautkrebs signifikant

05.12.2019

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 44/2019 und nicht zwingend tagesaktuell

Mit rund 6.000 Diagnosen ist das Melanom ("schwarzer" Hautkrebs) einer der häufigsten bösartigen Tumore in Österreich, der "weiße" Hautkrebs ist der häufigste Tumor beim Menschen. Eine signifikante Verbesserung der Heilungschancen bei diesen Krebsformen bringt seit rund zehn Jahren die Anwendung von Immuntherapie und zielgerichteter Tumortherapie, berichteten Experten.

Besonders wichtig seien regelmäßige fachgerechte Kontrollen, die eine Früherkennung und somit zeitnahe Behandlungen ermöglichen, betonte Klemens Rappersberger, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV), bei einer Pressekonferenz in Wien. Durch die relativ neuen Entwicklungen in der Behandlung sei aber etwa der "weiße" Hautkrebs in den frühen Phasen seiner Entwicklung nahezu immer vollständig heilbar: "Beinahe niemand muss heute mehr am "weißen" Hautkrebs sterben, so Rappersberger.

Sogar bei früher inoperablen fortgeschrittenen Tumoren können heute viele Keratinozytenkarzinome ("weißer" Hautkrebs) dank der Einführung der Immuntherapie mit sogenannten Checkpoint-Inhibitoren, die das körpereigene Immunsystem gegen die Tumorzellen aktivieren, sowie mit zielgerichteten Therapien ("targeted therapy") sehr gut beherrscht oder sogar geheilt werden. Bei letzterer werden überlebenswichtige Moleküle der Tumorzellen gezielt blockiert. Die erfolgreichsten Vertreter dieser Medikamentengruppe sind die BRAF und/oder MEK Inhibitoren. Die österreichische Dermatologie sei sehr frühzeitig - teilweise noch vor Zulassung der entsprechenden Medikamente durch FDA oder EMA - in internationale klinische Studien eingebunden worden, so Rappersberger. Seit der Zulassung wurden mehr als 3.000 Patienten mit metastasierendem Melanom in Österreich behandelt.

Fallzahl steigt

Die Fallzahl beim "weißen" Hautkrebs steigt zwar unter anderem durch die immer höhere Lebenserwartung - das Durchschnittsalter der Patienten liegt bei 80 Jahren. Mittels Immuntherapie (PD1-Antikörper) können nun jedoch auch bei lokal fortgeschrittenem bzw. metastasierendem Plattenepithelkarzinom zwei Drittel dieser schwerkranken, betagten Patienten "in eine stabile Erkrankungsphase" oder zu längerfristiger Tumorfreiheit gebracht werden, wie Christine Hafner vom Universitätsklinikum St. Pölten schilderte.

Selbst beim "schwarzen" Hautkrebs, an dem vor zehn Jahren noch Melanom-Patienten im fortgeschrittenen Stadium IV (Metastasen in verschiedenen Organen; Anm.) innerhalb weniger Wochen bis Monate verstarben, könne nun bei mehr als 50 Prozent der Patienten ein Überleben von mindestens fünf Jahren erreicht werden, erklärte Rappersberger. Die Genetik des Melanoms in verschiedenen geografischen Regionen unter Einwirkung unterschiedlicher UV-Belastung und anderen Umwelteinflüssen werde derzeit in Innsbruck erforscht, berichtete Matthias Schmuth, Direktor der dortigen Uniklinik für Dermatologie und Venerologie. Die Ergebnisse sollen genutzt werden, um die beste Auswahl der individualisierten Therapieoption zu treffen. "Die personalisierte Medizin ist in der Melanombehandlung Alltag geworden", meinte Schmuth.

Obwohl mehr als 80 Prozent aller Melanome in Österreich von niedergelassenen Dermatologen diagnostiziert und entfernt werden und nur ein kleiner Teil im Krankenhaus, stellen onkologische Patienten an den meisten Abteilungen für Dermatologie und Venerologie, einen wesentlichen Teil der stationären Patienten dar, sagte Rappersberger. Die stationäre Betreuung dieser Patienten sei auch für die "neuen" Therapien von großer Bedeutung. Leider seien aber schon jetzt zahlreiche Betten für Dermatologie-Patienten eingespart worden, kritisierte er.

Das ganze Potenzial dieser neuentwickelten Therapien könne in jedem Fall jedoch nur in Zusammenhang mit einer rechtzeitigen Früherkennung genutzt werden, betonten die Experten. Verdächtige Hautveränderungen sollten sofort dem Arzt gemeldet werden.

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