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Mopsfledermaus ist auf ausreichend Nahrungsangebot angewiesen © APA (Polt)
Mopsfledermaus ist auf ausreichend Nahrungsangebot angewiesen © APA (Polt)

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Gefährdete Jäger: Mopsfledermaus ist "Fledermaus des Jahres"

16.01.2020

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 02/2020 und nicht zwingend tagesaktuell

Fledermäuse sind nützliche Insektenjäger, doch Lebensraum- und Nahrungsverlust und Klimawandel setzen ihnen zu. Nach der Kleinen Hufeisennase wurde die Mopsfledermaus von BatLife Europe zur "Fledermausart des Jahres" gewählt. In Österreich ist die gefährdete Art zwar in allen Bundesländern vertreten, doch die Bedrohungen sind vielfältig, hieß es in einer Mitteilung des Universalmuseum Joanneum.

In der Zoologie wird sie "Barbastella Barbastellus"genannt. Ihren deutschen Namen verdankt die mit bis zu 14 Gramm schwere, mittelgroßen Fledermausart der gedrungenen Nase, die denen der Hunderasse "Mops" sehr ähnlich sieht. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Art, die große Teile Europas besiedelt, stark zurückgegangen, so dass die Mopsfledermaus heute in Europa als bedroht gilt.

"Die Art ist in Europa selten und als eine für alte und vielfältige Wälder typische Fledermausart ist ihr Vorkommen ein guter Indikator für die Gesundheit des Waldökosystems", hielt Jasja Dekker, Vorsitzender der internationalen Fledermausschutzorganisation BatLife Europe mit Sitz in London, fest. In "ganz Europa" sei die Art mit ähnlichen Gefährdungen konfrontiert. Die Wahl zur Fledermausart des Jahres will man auf die Probleme der Art und notwendige Schutzbemühungen hinweißen.

Baumhöhlen und Spaltquartiere wichtig

Für den Schutz der Fledermausart seien besonders Baumhöhlen in alten Baumbeständen und der Schutz von Spaltenquartieren an Gebäuden wichtig, führte der Grazer Zoologe Peter Sackl vom Universalmuseum Joanneum im Gespräch mit der APA aus. Sackl erforscht das gesamte Spektrum der Fledermäuse in der Steiermark seit mehreren Jahrzehnten intensiv. Der Verlust von altholzreichen Laubwäldern und die intensive forstwirtschaftliche Nutzung von Waldgebieten und die Entfernung von Totholz seien europaweit große Faktoren beim Rückgang dieser Art.

Zudem ernähre sich der Mops unter den Flügelmäusen von Insekten und sei daher auf ausreichend Nahrungsangebot angewiesen. Die Verwendung von Kunstdüngern und Schädlingsbekämpfungsmitteln reduziere jedoch die Zahl und Vielfalt der als Nahrung notwendigen Insekten. Aus all diesen Gründen ist die Mopsfledermaus auf EU-Ebene und in den meisten europäischen Staaten streng geschützt.

Die gemeinsam mit weiteren Zoologen und Höhlenforschern durchgeführte Beobachtung der Bestände zeige, dass auch der Klimawandel eine Bedrohung für die Art darstellen dürfte. "Die Mopsfledermaus ist eine kälteliebende Fledermausart und benötigt Überwinterungstemperaturen um die Null Grad Celsius", hob der Zoologe hervor. Die österreichweit einzigartige Datenreihe zeige, dass im Verlauf der vergangenen 40 Jahre die Zahl der überwinternden Tiere in niedrigen Lagen signifikant abnahm, während im gleichen Zeitraum in höheren Lagen eine deutliche Zunahme derselben erfolgte. "Die Winterquartier verlagern sich nach oben", sagte Sackl.

In der Steiermark befinden sich überregional bedeutende Winterquartiere im mittelsteirischen Karst (Weizklamm, Peggau) und auf der obersteirischen Grebenzen. Nachgewiesene Vorkommen gibt es u. a. auch im Nationalpark Gesäuse.

Service: Weiterführende Informationen unter: www.batlife-europe.info, https://www.batlife.at/

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