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Mateus-Berr fordert stärkere Vernetzung von Pädagoginnen und Pädagogen © Sascha Osaka
Mateus-Berr fordert stärkere Vernetzung von Pädagoginnen und Pädagogen © Sascha Osaka

APA

Expertin: "Einmal im Jahr verpflichtender Projektunterricht"

06.02.2020

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 05/2020 und nicht zwingend tagesaktuell

Den fächerübergreifenden Unterricht will die Leiterin des neuen Zentrums Didaktik für Kunst und interdisziplinären Unterricht an der Universität für angewandte Kunst, Ruth Mateus-Berr, in den Mittelpunkt rücken. "Eigentlich sollte man wie in Finnland gesetzlich vorgeben, dass jedes Kind einmal im Jahr an einer Form des Projektunterrichts teilnehmen muss", so Mateus-Berr zur APA.

Das Zentrum soll neue wissenschaftliche Standards jenseits der Grenzen der Fachdidaktik setzen. "Interdisziplinäre Symposien, bildungspolitische Workshops und Publikationen bieten nicht nur ein Podium für Fachdidaktikerinnen und Fachdidaktiker mit Möglichkeiten des Austauschs und der Vernetzung, sondern präsentieren neue internationale Diskurs- und Entwicklungsformate für eine neue wissenschaftliche Disziplin", meinte die Künstlerin und Wissenschafterin.

"Viele Themen, die uns betreffen, können wir in nur einer Disziplin gar nicht mehr denken", ist Mateus-Berr überzeugt. Viele Kinder, aber auch Studierende würden es heute nicht schaffen, verschiedene Aspekte eines Themas wie etwa Klimaschutz aus mehreren Fachbereichen zusammenzudenken. Daher sollte man mindestens einmal im Jahr in der Schule und permanent an den Hochschulen interdisziplinär arbeiten. Dafür seien Lehrkräfte aber derzeit nicht geschult.

Kunstbereich wie geschaffen für Interdisziplinarität

An der Universität für Angewandte Kunst werden diese für die Fächer Bildnerische Erziehung bzw. Technisches und Textiles Werken ausgebildet. Der Kunstbereich ist aber zusätzlich wie geschaffen für die Ausrichtung auf die Interdisziplinarität. "Gerade in der Kunst haben wir unterschiedliche Zugänge zu einem Thema", so Mateus-Berr. "Ich muss mich automatisch mit Geschichte, Philosophie, Kultur oder mit Sprache auseinandersetzen." Viele Studierende belegen außerdem ein zweites Unterrichtsfach an einer anderen Hochschule: "Wenn ich Kunst unterrichte, sollte es daher kein Problem darstellen, einen Überschlag zu Geschichte, Geografie, Informatik oder Biologie zu machen."

An der Angewandten würden die angehenden Lehrkräfte daher lernen, interdisziplinäre Zusammenhänge zu erkennen und in ihre spätere Arbeit - egal ob an Schulen oder etwa in der Museumspädagogik - zu übersetzen. In diesem Semester hat Mateus-Berr mit Studierenden zum Thema Klima gearbeitet: Diese entwarfen dann - aus ihrem zweiten Fach kommend - Unterrichtsmodelle: "Wie kann in Mathematik und Bildnerische Erziehung das Thema Fake News bezüglich Klimawandel behandelt und eine Kompetenz zum Decodieren ausgebildet werden?" Gemeinsam mit der Musikuniversität wurde außerdem gerade ein Forschungsprojekt gewonnen, in dem es darum geht, mit künstlerischen Methoden Jugendliche an das Thema Demenz heranzuführen. "Wir arbeiten hier mit Schülerinnen und Schülern, Betroffenen, unterschiedlichen künstlerischen Disziplinen, medizinischem- und Pflegepersonal zusammen."

Klar sei: Wenn die Fächer nicht schon auf Hochschulebene zusammenfinden, werde es in der Schule dann schwer, fächerübergreifend zu arbeiten. "Dann kommt der Deutschlehrer zur Werklehrerin und fragt: Kannst du mir eine Bühne gestalten? Das hat aber nichts Fächerübergreifendes an sich", meinte Mateus-Berr.

Kritisches Bewusstsein stärker fördern

Die Themen können, müssen aber nicht von der "Kunstseite" her angedacht werden, betonte Mateus-Berr. "Die Idee kann auch etwa von der Mathematik kommen. Zum Beispiel: Wie kann man Unendlichkeit darstellen? Für die Kinder wird das Thema durch die Verbindung mehrere Fächer begreifbarer. Ziel ist, dass kritisches Bewusstsein gestärkt gefördert wird."

Mateus-Berr fordert, dass sich Pädagoginnen und Pädagogen thematisch untereinander stark vernetzen: In Themen wie etwa Fragen zum Klimawandel oder Gleichstellung könne sich praktisch jedes Fach hineindenken. Bei einem demnächst geplanten Fachdidaktiktag würden verschiedene Fakultäten bzw. Universitäten Themen einbringen, die sich für interdisziplinären Unterricht anbieten. In Arbeitsgruppen soll ein gemeinsamer Unterricht geplant und durchgeführt werden.

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