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Unterwasser-Archäologie: Tauchroboter erkundet Attersee und Mondsee

21.02.2020

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 06/2020 und nicht zwingend tagesaktuell

Robotische Unterstützung erhalten Forscher bei der Untersuchung archäologischer Fundstellen in Attersee und Mondsee. In den kommenden Wochen soll ein ferngesteuerter Tauchroboter Objekte und Strukturen näher untersuchen, die mittels 3D-Sonar nicht eindeutig analysiert werden können. Mit einer Tauchtiefe von 200 Metern erreicht das Gerät sogar die tiefste Stelle des Attersees (169 Meter).

Der gesamten Vermessung des Grundes der beiden Seen im Grenzgebiet zwischen Oberösterreich und Salzburg hat sich ein Team der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) und des Ludwig Boltzmann Instituts für archäologische Prospektion und virtuelle Archäologie (LBI ArchPro) im Jahr 2018 vorgenommen. Gesucht wird nach archäologisch interessanten Stellen im Wasser. Immerhin haben die beiden Seen eine lange Besiedlungsgeschichte hinter sich, in der der Wasserspiegel auch deutlich variiert hat. Vor allem auf Überreste einstiger Pfahlbausiedlungen haben es die Wissenschafter abgesehen.

Neben einem mit hochauflösenden Sonarsystemen ausgestatteten Forschungsboot, das mehrere Wochen im Jahr auf den Gewässern seine Kreise zieht, haben die vom Land Oberösterreich und der Universität Wien unterstützten Forscher im vergangenen Jahr einen kleinen Tauchroboter angeschafft. Dieser soll dort zum Einsatz kommen, wo die Sonardaten auf potenziell verheißungsvolle Strukturen hinweisen, diese aber beispielsweise für Taucher nur schwer zugänglich sind. Momentan trainieren die Piloten mit dem Hightech-Gerät im Hallenbad des Erholungszentrums Neunkirchen (NÖ). In wenigen Wochen werde man sich dann voraussichtlich "in den Mondsee stürzen", sagte Klaus Löcker von der ZAMG im Gespräch mit der APA.

Leistungsstarke Kamera und Greifarm

Das sogenannte "Remotely operated vehicle" (ROV) ist mit starken LED-Leuchten, einer leistungsstarken Kamera und einen Greifarm ausgestattet, mit dem auch in großen Tiefen Proben genommen werden können. Das Verbindungskabel zu dem Gerät reicht 300 Meter weit.

Den bis zu 68 Meter tiefen Mondsee hat das Team mit dem Sonar schon gründlich abgesucht. Jetzt gelte es, mit dem neuen Gerät an der einen oder anderen Stelle noch genauer nachzusehen, so Löcker. So gibt es dort etwa in acht bis neun Metern Tiefe einen anekdotisch belegten, einst in den See gestürzten alten Citroën, den man sich zu Testzwecken ansehen möchte. "Was wir machen, hat durchaus auch Umwegrentabilität, etwa für Abwasserverbände, die sich für den Zustand von Unterwasserleitungen interessieren", sagte Löcker.

Aus wissenschaftlicher Sicht deutlich interessanter wären beispielsweise Reste eines jungsteinzeitlichen Einbaums. Von diesen weiß man, dass sie in sehr große Tiefen absinken können, "aber normalerweise werden wir uns eher in Tiefen von wenigen Meter befinden", sagte der Archäologe. Nach dem Mondsee wird ROV dann im Attersee im Einsatz sein. Längerfristig denke man auch an Projekte in Skandinavien, wo man sich auf die Suche nach intakten, versunkenen Wikingerschiffen machen könnte.

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