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Der Großteil der Start-ups ist in IT- und Softwareentwicklung tätig © APA (AFP)
Der Großteil der Start-ups ist in IT- und Softwareentwicklung tätig © APA (AFP)

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Frauenanteil bei Start-up-Gründungen steigt

21.02.2020

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 07/2020 und nicht zwingend tagesaktuell

Die heimische Start-up-Landschaft wird langsam weiblicher: 2019 ist der Anteil an Frauen, die gegründet haben, von 12 auf 18 Prozent gestiegen, bescheinigt der zweite "Austrian Startup-Monitor". Auch Nachhaltigkeit sei ein größeres Thema geworden, zudem sorgten Start-ups für viele Arbeitsplätze. Von der Politik fühle sich die Szene allerdings noch immer nicht ganz ernst genommen.

In der aktuellen Erhebung gaben 46 Prozent der Start-ups an, soziale bzw. ökologische Ziele zu verfolgen. Das sei deutlich mehr als im Jahr zuvor und berge viel Potenzial für den Standort Österreich, meinte der Geschäftsführer der Initiative AustrianStartups, Markus Raunig, bei der Präsentation der Studie. "Wenn wir dieses Potenzial voll nützen und international in der Champions League mitspielen wollen, braucht es dringend bessere Rahmenbedingungen und einen attraktiveren Standort für innovative Gründer."

Laut dem Monitor sind Start-ups Unternehmen, die jünger als 10 Jahre, innovativ und auf Wachstum ausgerichtet sind. "Über 700 Start-up-Gründerinnen und -Gründer wurden im abgelaufenen Jahr zu Status, Perspektiven und Umfeld befragt, während insgesamt mehr als 2.200 Start-up-Gründungen seit 2008 in die Studie eingeflossen sind", schreiben die Autoren. Die Studie entstand in Zusammenarbeit des AIT Austrian Institute of Technology, der Start-up-Dachplattform AustrianStartups und des Gründungszentrums der Wirtschaftsuniversität Wien.

Diverse Teams sind erfolgreicher

Zwar ist der typische Gründer immer noch männlich, aber "der Anteil weiblicher Gründerinnen ist seit dem Vorjahr von 12 auf 18 Prozent gestiegen", heißt es im Monitor. Jedes dritte Start-up hat nun zumindest eine Frau im Gründungsteam. "Das ist gut, weil viele Studien zeigen, dass diverse Teams erfolgreicher sind", so Raunig. Zudem gibt es laut dem Monitor auch mehr internationale Gründer.

Die meisten Start-ups werden von zwei bis drei Personen gegründet - im Team habe man deutlich größere Erfolgschancen als alleine, meinte Raunig. Insgesamt sind in Österreich über 17.000 Menschen im Start-up-Bereich tätig. Im Schnitt liegt die Mitarbeiterzahl bei 9,4 Beschäftigten, im Jahr zuvor waren es noch 8,2. Fast neun von zehn Start-ups planen, in den nächsten 12 Monaten weitere Arbeitsplätze zu schaffen. Die Mitarbeitersuche sei aber eine Herausforderung, fast die Hälfte aller Start-ups habe damit Probleme. In diesem Zusammenhang sei die Rot-Weiß-Rot-Card von großer Bedeutung.

"Start-ups erwarten sich von der österreichischen Politik am dringendsten eine Senkung der Lohnnebenkosten (44 Prozent), mehr Anreize für Risikokapital (41 Prozent) und eine höhere Flexibilität und Transparenz im Förderwesen (30 Prozent)", heißt es im Monitor. Nur jedes sechste Start-up glaubt, dass sich die Politik ernsthaft für deren Unterstützung interessiert. "Die Szene fühlt sich noch immer nicht richtig ernst genommen", so Raunig. Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) versicherte zu Beginn der Präsentation, bessere Rahmenbedingungen schaffen zu wollen. Es soll zum Beispiel leichter werden, Start-ups zu gründen oder Anteile zu übertragen.

Wien bleibt Szene-Hochburg

Hochburg der Szene ist Wien, wo die Hälfte aller Start-ups gegründet wird, gefolgt von Oberösterreich und der Steiermark mit je 12 Prozent. Je 8 Prozent aller Start-ups sind in Niederösterreich und Tirol angesiedelt. Der Großteil der Start-ups, etwa 30 Prozent, ist in IT und Softwareentwicklung tätig, gefolgt von den Bereichen Hardware, Life Sciences und Konsumgütern mit je rund 10 Prozent. Der Anteil der Fintechs liegt bei 6 Prozent, sie sitzen vor allem in Wien und Graz.

Raunig zufolge ist der jüngste Gründer 15, der älteste 68 Jahre alt. Das sei auch von der Branche abhängig: Im Bildungsbereich sind Gründer eher jünger, im Bereich Life Sciences eher älter. Punkto Bildung haben über 70 Prozent der Start-up-Gründer einen Hochschulabschluss. Spin-offs von Unis oder anderen akademischen Einrichtungen machen 14 Prozent der heimischen Start-ups aus, ein Fünftel wurde aus bestehenden Unternehmen gegründet.

Die Überlebensraten der heimischen Start-ups seien hoch: 80 Prozent der Unternehmen, die zwischen 2008 und 2010 gegründet wurden, sind heute noch aktiv. Bei jenen, die zwischen 2011 und 2013 gegründet wurden, existieren noch 83 Prozent, während fast 90 Prozent der Start-ups, die zwischen 2014 und 2016 ins Leben gerufen wurden, noch bestehen.

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