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Walter Gössler und Nokulunga Cele untersuchten rund 300 Essensproben © APA/Uni Graz/Leljak
Walter Gössler und Nokulunga Cele untersuchten rund 300 Essensproben © APA/Uni Graz/Leljak

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Kochtöpfe aus Alu-Schrott können Gesundheitsrisiken bergen

04.03.2020

In Südafrika produzieren inoffizielle Kleinstfirmen auf eigene Faust Aluminium-Kochgeschirr aus alten Auto-Motoren. Die großen, leichten Töpfe verkaufen sich gut auf den Märkten und werden oft auch in öffentlichen Einrichtungen genutzt. Forscher aus Graz und dem "Kap-Staat" haben eine bedenkliche Belastung der Gesundheit durch das unzureichend wiederaufbereitete Aluminium belegt.

In Südafrika ist das Recycling von Metallschrott für viele arme Familien eine wichtige Einkommensquelle, um die schwierigen Lebensbedingungen zu verbessern. So werden in kleinen Handwerkbetrieben Teile von Automotoren eingeschmolzen und zu Kochtöpfen gegossen. Die handwerklich hergestellten, kostengünstigen und durchaus ästhetisch ansprechenden Töpfe können jedoch erhebliche gesundheitliche Gefahren bergen, wie aus einer gemeinsamen Studie von Chemikern der Universität Graz und des South African Medical Research Council hervorging. Die jüngsten Ergebnisse wurden im Fachjournal "Science of the Total Environment" veröffentlicht.

Kochtöpfe auf unterschiedlichen Märkten untersucht

Für ihre Studie haben die Forscher insgesamt 20 Aluminium-Kochtöpfe auf unterschiedlichen Märkten in den südafrikanischen Provinzen untersucht. Die Töpfe wurden von lokalen Handwerkern als auch von Händlern gekauft. In ihnen haben die südafrikanische Ernährungswissenschafterin Nokulunga Cele und der Grazer Chemiker Walter Gössler rund 300 Essen gekocht: vorwiegend Tomatensoße und Hafermark und somit beides Hauptnahrungsmittel für viele Südafrikaner, wie es in einer Mitteilung der Uni Graz hieß.

Parallel dazu wurde das Auslaugen von Metallen durch eine dreiprozentige Essigsäurelösung anhand von geschnittenen Kochgeschirrstücken über einen Zeitraum von zwei Stunden erhoben. Die Identifizierung und Quantifizierung von Spurenelementen und -verbindungen zählt zu den Schwerpunkten von Gössler. Die von ihm entwickelten Methoden setzt der Leiter der Grazer Arbeitsgruppe ACHE (Analytical Chemistry for Health and Environment) in Hinblick auf die menschliche Gesundheit und Umweltanalytik ein.

"Die ersten Proben, die wir nach kurzer Kochzeit entnommen haben, zeigten eine enorm hohe Aluminium-Belastung von über 500 Milligramm pro Kilogramm", schilderte Gössler. Im Vergleich: Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit gilt eine Aluminium-Aufnahme von bis zu einem Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht als unbedenklich. Der Aluminiumgehalt verminderte sich mit zunehmender Kochzeit zwar merklich, der Wert des als Neurotoxin bekannten Metalls blieb aber dennoch auf einem Wert, der die Gesundheit beeinträchtigen kann.

Aluminium verteilt sich im Körper

Nach der Aufnahme in den Körper kann sich das Leichtmetall im gesamten Organismus verteilen. "Aluminium steht im Verdacht, an der Entstehung verschiedener Krankheiten, von Alzheimer bis hin zu bestimmten Krebsarten beteiligt zu sein. In Europa ist das längst bekannt, in Afrika sind sich dessen nur sehr wenige Konsumenten bewusst", berichtete Cele. Auch andere toxische Metalle wurden nachgewiesen: Arsen wurde in zwölf der 20 Proben, Kadmium wurde in allen Proben gefunden, die Konzentrationen waren aber niedrig bzw. lagen im Fall von Kadmium erheblich unter dem zulässigen EU-Höchstbetrag. Quecksilber wurde in keiner der Proben nachgewiesen.

Für das hierzulande vor allem bei Campern beliebte Aluminium-Kochgeschirr gab Gössler allerdings Entwarnung: Hier bestehe keine Gefahr, solange es nicht mit stark sauren oder salzhaltigen Lebensmitteln in Kontakt kommt, so der Chemiker.

Service: R. A: Street, A. Mathee, St. Tanda, W. Goessler et al.: "Recycling of scrap metal into artisanal cookware in the informal sector: A public health threat from multi metal exposure in South Africa", Science of the Total Environment. 699 (2020) 134324. https://doi.org/10.1016/j.scitotenv.2019.134324

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