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Zahl der klinischen Studien sinkt © APA (Techt)
Zahl der klinischen Studien sinkt © APA (Techt)

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Pharmaindustrie wünscht sich forschungs-freundlicheres Klima

06.03.2020

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 09/2020 und nicht zwingend tagesaktuell

Die Pharmaindustrie wünscht sich angesichts der hohen Wertschöpfung von industrie-finanzierten klinischen Studien ein forschungsfreundlicheres Klima in Österreich. Notwendig sei eine Professionalisierung mit mehr Personal, das Zeit für Forschung habe, und eine Entbürokratisierung, betonten Vertreter des Verbands der pharmazeutischen Industrie Österreichs (Pharmig) vor Journalisten.

Zwischen 2013 und 2018 seien durchschnittlich pro Jahr 450 von der Industrie finanzierte klinische Prüfungen mit potenziellen neuen Arzneimitteln in Österreich durchgeführt worden, mit jährlich rund 5.600 Teilnehmern. Nahezu die Hälfte davon (45 Prozent) entfiel auf die Onkologie. Die Zahl der klinischen Studien sinke in den vergangenen Jahren ständig, für Pharmig-Generalsekretär Alexander Herzog eine "besorgniserregende Entwicklung". Zum Vergleich nannte er Belgien, wo mehr als doppelt so viele klinische Studien (2017: 1.200 mit 10.200 Patienten) durchgeführt würden.

Einen Grund dafür sieht Herzog in dem "sehr innovationsfreundlichen Klima" in dem Land, das man sich für Österreich wünschen würde. Hierzulande werde "Forschung und Innovation in Sonntagsreden beschworen, aber das kommt in der Realität nicht an". Kritisch sieht Herzog in Österreich die "eher behäbige Bürokratie" und die "Tendenz zum Goldplating". Zudem gehe der Alltag speziell an den Universitäten "immer mehr in Richtung Grundversorgung. Man kann klinische Forschung aber nicht mehr als Hobby am Nachmittag betreiben".

Mehr Personal und vereinfachte Administration gewünscht

Neben mehr Personal, das sich der Forschung widmet, wünscht sich die Industrie Vereinfachungen bei der Administration, etwa bei der Vertragsgestaltung und Kostenberechnung, sowie eine stärkere Vernetzung zwischen Spitälern und Krankenhaus-Trägern. Für die Industrie gibt es ohne klinische Prüfungen keine Innovationen. Sie würden Patienten frühen Zugang zu modernen Therapien, dem Gesundheitssystem Einsparungen durch kostenlose Studienmedikation sowie Ärzten und Spitälern das Sammeln von Expertise ermöglichen.

Zudem bestätigt nun eine im Auftrag der Pharmig durchgeführte Analyse des Instituts für Pharmaökonomische Forschung die positiven Effekte der klinischen Forschung auf Gesundheitswesen und Volkswirtschaft. Repräsentative Basis dafür waren 574 industrie-gesponserte klinische Prüfungen (Phase I bis IV) von 15 Pharmafirmen, die zwischen 2012 und 2017 durchgeführt wurden. Demnach wurden durch Phase-II- bis Phase-IV-Studien 100 Mio. Euro an Behandlungskosten finanziert, was 0,3 Prozent der jährlichen Gesundheitsausgaben in Österreich bzw. rund 37.000 Euro Behandlungswert pro Patient entspricht.

Rechnet man auch Phase-I-Studien dazu, wurden 116 Mio. Euro in industrie-gesponserten klinischen Prüfungen ausgegeben, was der - im "Journal of Medical Economics" veröffentlichten - Studie zufolge 2018 eine Gesamtwertschöpfung (direkte und indirekte Effekte) von 144 Mio. Euro generierte. Jeder von der Industrie in klinische Prüfungen investierte Euro generiere damit 1,95 Euro für die österreichische Wirtschaft. Zudem würden durch die Studien Arbeitsplätze in der Größenordnung von rund 2.000 Vollzeitäquivalenten geschaffen bzw. gesichert.

Service: http://dx.doi.org/10.1080/13696998.2020.1728977

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