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Möglich wurde die Entdeckung durch NASA-Teleskop TESS © APA (AFP)
Möglich wurde die Entdeckung durch NASA-Teleskop TESS © APA (AFP)

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Erstmals nur einseitig schwingender Stern entdeckt

10.03.2020

Schon lange kennt man Sterne, die rhythmisch pulsieren. Diese Schwingungen treten bei alten und jungen Sternen auf, können lange und kurze Perioden und unterschiedliche Ursachen haben. Stets sind sie aber symmetrisch - auf allen Seiten des Sterns. Nun berichtet ein österreichischer Astronom mit Kollegen im Fachjournal "Nature Astronomy" erstmals über einen Stern, der nur einseitig schwingt.

Möglich wurde die Entdeckung durch den Transiting Exoplanet Survey Satellite (TESS) der NASA - und Amateurastronomen, die in akribischer Kleinarbeit die riesigen Datenmengen durchforsten, die das Weltraumteleskop täglich produziert. Sie suchen dabei neue, interessante Phänomene und kontaktieren ihre Profi-Kollegen, sobald ihnen etwas Ungewöhnliches auffällt.

Begleitstern beeinflusst Schwingung

Das war auch bei den Beobachtungen des Sterns HD74423 so, der sich rund 1.600 Lichtjahre entfernt im Sternbild Fliegender Fisch befindet. Bei der Analyse der Daten konnten die Wissenschafter um den österreichischen Astronomen Gerald Handler vom Nicolaus Copernicus Astronomical Center in Warschau (Polen) den Grund für die ungewöhnliche einseitige Schwingung identifiziert: der Stern befindet sich in einem Doppelsternsystem. "Sein naher Begleiter verzerrt mit seiner Anziehungskraft die Schwingungen", erklärte Handler gegenüber der APA.

Aufgrund der Gezeitenkräfte werden beide Sterne, die sich in 1,6 Tagen umkreisen, in eine tropfenförmige Gestalt verzerrt. Während sich das Doppelsternsystem umeinander dreht, kommen verschiedene Teile des pulsierenden Sterns in Sicht von TESS. Regelmäßig ist dabei nicht nur jene Seite zu sehen, die auf den Begleiter hinzeigt, sondern auch die Rückseite. So konnten die Astronomen sicher sein, dass tatsächlich nur eine Hemisphäre des Sterns pulsiert, nämlich wenn die entsprechende Halbkugel in Richtung des Weltraumteleskops gerichtet war.

Bisher konnten die Forscher noch einige wichtige Fakten nicht klären. "Wir haben in dem System zwei beinahe identische Sterne und konnten aus den bisherigen Daten nicht herausfinden, welcher der beiden pulsiert", so Handler. Das ist auch der Grund warum noch nicht klar ist, ob jene Hemisphäre schwingt, die dem Begleiter zugewandt ist oder jene, die von ihm abgewandt ist. Um diese Fragen zu klären, seien weitere, ganz spezifische Messungen erforderlich, sagte der seit neun Jahren an dem polnischen Institut tätige Astronom.

Dass die Schwingung von Sternen durch einen nahen Begleiter beeinflusst werden kann, wurde theoretisch bereits in den 1940er Jahren vorhergesagt. Beobachtet hatte das bisher aber noch niemand. Die Wissenschafter gehen aber davon aus, dass es weitere solche Systeme mit nur einseitig schwingenden Sternen gibt.

Service: http://dx.doi.org/10.1038/s41550-020-1035-1

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