Natur & Technik

APA

Höhlenbären wurden ihre Nebenhöhlen zum Verhängnis

01.04.2020

Ihre Anpassung an den ausgedehnten Winterschlaf scheint beim Aussterben der Höhlenbären in Europa eine wichtige Rolle gespielt zu haben. Eine dieser Anpassungen waren große Nasennebenhöhlen, und die dürften einer im Fachblatt "Science Advances" veröffentlichten Studie zufolge dazu geführt haben, dass die Bären aufgrund ihrer Schädelform weniger kraftvoll zubeißen konnten - ein wichtiger Nachteil.

Der Höhlenbär (Ursus spelaeus) ist Teil der eiszeitlichen Megafauna, der etwa auch das Mammut oder das Wollnashorn angehörten, und die vor allem das Leben auf der Nordhalbkugel sehr lange Zeit mitprägte. Sehr viele dieser großen Säugetiere starben um das Ende der letzten Eiszeit vor rund 24.000 Jahren aus. Ob daran vor allem eiszeitliche Jäger- und Sammlergesellschaften oder die klimatischen Veränderungen schuld waren - darüber gibt es eine lange wissenschaftliche Debatte.

Ernährung ausschließlich pflanzlich

Neuere Untersuchungen legen nahe, dass sich die Bären ausschließlich pflanzlich ernährt haben und auch nicht auf Allesfresser umgesattelt haben, als die Vegetation während des letzten glazialen Maximums zurückging. Überdies vermutet man heute, dass die Tiere stark an eine Region gebunden und aufgrund des langen Winterschlafes ebenso stark auf ihre Höhlen angewiesen waren. Ihre unflexible Ernährung und möglicherweise verstärkte Konkurrenz um Höhlen durch eiszeitliche Menschen dürfte das Ende der Höhlenbären besiegelt haben.

Das Forschungsteam um Alejandro Perez-Ramos von der Universität Malaga (Spanien), dem auch Gernot Rabeder vom Institut für Paläontologie der Universität Wien angehörte, hat sich nun in einer Analyse mit der Schädelform der Tiere auseinandergesetzt. Da sie Europa in Kaltzeiten bevölkert haben, geht man davon aus, dass sie die besonders langen Winter mit ebenso langem Winterschlaf überbrückten.

Ein Faktor, der den Tieren dabei half, waren ihre ausgeprägten Nebenhöhlen. Diese sind wichtig für die Ausschüttung und Aktivierung von Enzymen, die es erlauben, den Stoffwechsel der Tiere weitestgehend hinunterzufahren, wie man bei heute lebenden Bären herausgefunden hat.

Mechanische Kraftverteilung analysiert

Anhand von Simulationen, die auf computertomografischen Daten der Schädel von ausgestorbenen Arten und heute lebenden Bären basieren, analysierten die Wissenschafter die mechanische Kraftverteilung im und die Festigkeit der Schädel. Indem sie die Analysen einmal unter Berücksichtigung der Nebenhöhlen und einmal ohne durchführten, konnte deren Einfluss geschätzt werden. Dabei zeigte sich, dass die Schädel der Höhlenbären und der amerikanischen Schwarzbären - einer Spezies, die sich auch großteils vegetarisch ernährt - die beim Kauen wirkenden Kräfte aufgrund ihrer großen Nebenhöhlen am schlechtesten ableiten.

Überdies wurde klar, dass die Höhlenbären aufgrund ihrer Schädelform nicht alle Zähne zum Kauen einsetzen konnten. Sie waren demnach auf das Zerkleinern von pflanzlicher Nahrung mit den hinteren Zähnen spezialisiert, schreiben die Forscher in ihrer Arbeit. Das habe es ihnen vermutlich auch verunmöglicht, ihre Ernährungspalette in der letzten extremen Kaltzeit zu erweitern. In der so wichtigen Zeit kurz vor dem Winterbeginn konnten sie dann möglicherweise nicht mehr genug Nährstoffe aufnehmen, um den langen Winterschlaf auch mit ihren Fettreserven zu überleben, was ein Faktor beim Aussterben gewesen sein könnte, schließen die Wissenschafter.

Service: https://dx.doi.org/10.1126/sciadv.aay9462

STICHWÖRTER
Biologie  | Klimawandel  | Tiere  | Wien  | Wissenschaft  | Naturwissenschaften  | Umwelt  | Human Interest  |
Weitere Meldungen aus Natur & Technik
APA
Partnermeldung